Auch „Feuerwehrleute“ hatten ihren Auftritt im Stück „Biedermann und die Brandstifter“, welches die Theater-AG des Haigerlocher Gymnasiums aufgeführt hat. Verhindert wurde das Unglück auf der Bühne dadurch aber auch nicht. Foto: Max Bäurle

Mit „Biedermann und die Brandstifter“ hat die Theater-AG des Gymnasiums Haigerloch eindrucksvoll ein Stück aufgeführt, dem es an Aktualität und Tragik nicht mangelt.

Tolle schauspielerische Leistungen haben die Mitglieder der Theater-AG vom Gymnasium Haigerloch bei ihren Auftritten im Saalbau „Löwen“ in Gruol gezeigt. Dort führten sie an zwei Tagen das zweiteilige Stück „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch auf.

 

In dem unterhaltsamen, nachdenklichen und anspruchsvollen Drama geht es um Gottlieb Biedermann, den wohlhabenden Inhaber einer Haarwasserfabrik und „Musterbürger“.

Gemeinsam mit seiner Frau Babette nimmt er den Ringer „Schmitz“ und den Kellner „Eisenring“ in sein Haus auf – obwohl sich die beiden Gäste von Anfang verdächtig machen.

Seine Gastfreundlichkeit verschont den Biedermann vor Schaden nicht

Seit einiger Zeit sind nämlich Brandstifter in der Stadt unterwegs, und das Publikum erkennt in den beiden bereits nach kurzer Zeit die Täter, die vorhaben, auch das Haus der Biedermanns anzuzünden.

Seine Gastfreundlichkeit entbehrte jeder Vernunft – und schonte Biedermann nicht vor den Übeltätern

Ein „Lehrstück ohne Lehre“ – und ein Mann, der bis zuletzt nichts begreift

Biedermann heißt die beiden deshalb so herzlich bei sich willkommen, schmeichelt sich bei ihnen ein und liest ihnen alle Wünsche von den Augen ab, weil er hofft, so von ihnen verschont zu bleiben.

Trotz des wohlwollenden Verhaltens des Ehepaares weichen die beiden Brandstifter, die sich auch teils bei dem Ehepaar einschleimen, nicht von ihrem Vorhaben ab. Vor allem der Hausherr möchte bis zuletzt die drohende Gefahr nicht erkennen.

So steuert alles auf die – vermeidbare – Katastrophe zu und Biedermann reicht den beiden Brandstiftern am Ende sogar noch höchstpersönlich die Streichhölzer, womit er sich quasi zum Mittäter macht.

Nicht zuletzt trägt das Drama auch den Untertitel „Lehrstück ohne Lehre“, denn Biedermann hat bis zuletzt nichts begriffen, wie sein Verhalten deutlich macht. Er vermutet, dass die beiden keine Brandstifter sind – sonst hätten sie ja wohl Streichhölzer mitgebracht und sie nicht von Biedermann erbeten.

Auch heute machen sich Menschen durch Weg- und Zuschauen mitschuldig

In dem Stück werden Geschichte und Aktualität miteinander verbunden, und durch das Verharmlosen von Gefahr und Wegschauen oder Zuschauen wird die Gesellschaft auch heute immer wieder mitschuldig an voraussehbaren Katastrophen.

Vor allem die mangelnde Belehrbarkeit der Menschen und die fehlende Bereitschaft, die Gesellschaft zu verändern, werden im Stück beleuchtet. Dies verdeutlichten die Darsteller durch ihr eindrucksvolles Spiel, das primär im Ess- und Wohnzimmer und auf dem Dachboden der Biedermanns stattfand, aber teils auch rund um die Bühne. Die schönen Kostüme und die vielen Utensilien trugen ihr Übriges zum Gelingen der Aufführung bei, und zwischendurch warteten „Feuerwehrleute“ auf der Bühne mit längeren gesprochenen Texten auf.

Selbst die „Feuerwehr“ vermochte das Unglück nicht zu verhindern

Aber auch ihnen war es bei den beiden Auftritten der Theater-AG nicht möglich, den Brand rechtzeitig einzudämmen, da sie – wie immer – durch einen Trick weggelockt wurden. Passend zum Stück befand sich auf dem Parkplatz vor dem Saalbau ein Feuerwehrfahrzeug. Die Darsteller wurden am Ende mit sehr lange anhaltendem und tosendem Beifall von ihrem Publikum belohnt, das von der Darbietung des Ensembles einfach nur begeistert war.

Theater AG des Gymnasiums Haigerloch

Die Darsteller:
Gottlieb Biedermann (Luis Schmidt), dessen Frau Babette (Letizija Dania), Dienstmädchen Anna (Selina Klingler), Dienstmädchen Hanna (Aline Kadriya), Ringer Schmitz (Darian Albiez), Kellner Eisenring (Jonas Pflumm), Polizist (Lisa Crisci), Doktor phil. (Felix Müller-Kessler), Herr Knechtling (Moritz Locher) und Frau Knechtling (Moritz Locher).

Der „Chor“ der Feuerwehr
bestand aus Hanno Wörz, Caroline Haid, Julia Faiß, Tijana Ploetz und Simon Schmid.