Die Untertones waren eine der Punkrockbands der ersten Stunde und landeten mit „Teenage Kicks“ einen Riesenhit. Am 21. Mai feiern die Nordiren im Wizemann 50-Jahr-Bandjubiläum.
Punk wurde nach landläufiger Meinung in den versifften Gossen der Großstädte geboren. In London, wo sich die Jugend im Würgegriff einer Rezession befand, oder in New York City, wo die Ratten über Müllberge huschten und man sich abends kaum noch auf die Straße traute. Die Siebziger zettelten nach den Beat-Bands der Sechziger und den aufgeblasenen Rock-Opern von Pink Floyd bis Genesis eine Kulturrevolution an: Krach statt Finesse, drei Akkorde statt endloser Soli, Antikapitalismus statt millionenschwere Megalomanie.
Es gab aber eben nicht nur The Damned, die Sex Pistols oder die Ramones. Abseits der großen Städte, ausgerechnet im nordirischen Derry, formieren sich 1974 ein paar Fans von Bands wie den Beatles oder den Small Faces, um selbst Musik zu machen. Der Grund ist ein politischer, obwohl die Undertones auch später nie wirklich politische Lieder schreiben würden: Wegen des Nordirlandkonflikts – schlicht „The Troubles“ genannt – sind viele Clubs und Locations ganz dicht oder zumindest ab den Abendstunden geschlossen.
Flucht vor dem Nordirlandkonflikt
Die Lage in Derry ist angespannt, der „Bloody Sunday“ ist erst zwei Jahre her, die Stadt gilt als Epizentrum des außer Kontrolle geratenen Blutvergießens. „Wir waren in Derry mittendrin in diesem scheußlichen Konflikt“, blickt Gitarrist Damian O’Neill auf die Anfänge seiner Band zurück. „Wir waren Katholiken, wir wussten, worum es geht, und waren durch und durch politisch, aber weil dieser Krieg eben so nah an unserem täglichen Leben war, wollten wir zumindest in unserer Musik etwas Abstand davon gewinnen.“
Wo die Ramones einen extrem coolen Style pflegen und die Sex Pistols eher auf den Schockeffekt setzen, sehen die Undertones nicht gerade aus wie Rockstars oder Rowdys. Eher wie ein paar Typen, die auf einem Schulball spielen. Das darf aber nicht täuschen: Ende der Siebziger verbreitet sich auch in Derry plötzlich diese eine Band wie ein Lauffeuer. „Schon als wir ihren Namen das erste Mal hören, waren wir begeistert und geschockt: Sex Pistols… das klang gefährlich, aufregend, verboten“, schmunzelt O’Neill. „Und wie die aussahen! Ich meine, Johnny Rotten, so was gab es davor einfach noch nicht. Punk zeigte außerdem, dass niemand ein Virtuose sein muss, um eine Band zu gründen und etwas zu bewegen. Das gefiel uns.“
„Teenage Kicks“ macht die Band zur Sensation
In der legendären Casbah Bar treten sie regelmäßig auf und haben ab Mitte 1977 auch einen Song namens „Teenage Kicks“ im Programm. Diese unbändige Energie, dieses Riff, dieser Vibe – plötzlich liegt da was in der Luft. Mit 200 Pfund Sterling nimmt man eben eine EP auf, die irgendwie in die Hände der englischen Radio-DJ-Legende John Peel gerät. Er verliebt sich in den Song, spielt ihn ständig in seiner BBC-Radiosendung und macht aus den Derry-Boys in Windeseile eine Sensation.
Heute hat der Song eine mythologische Größe – und wurde sogar auf Peels Beerdigung in einer Kathedrale gespielt. Längst hat Damian O’Neill eine gesunde Einstellung zu diesem Klassiker: „Wir haben bessere Songs, aber er hat uns zu dem gemacht, was wir sind“, meint er. „Zudem muss ich eins sagen: Obwohl wir diesen Song selbst produziert und in wenigen Stunden aufgenommen haben, finde ich bis heute, er hat den besten Sound von all unseren Liedern. Das haben wir irgendwie nie wieder hinbekommen.“ Dennoch sehen es die Undertones nicht ein, all ihre anderen Einflüsse deswegen gleich über Bord zu werfen – auf ihren späteren Werken klingen etwa Motown-Einflüsse, New Wave oder Bläser durch.
„Das deutsche Publikum war immer gut zu uns“
Wenn die Undertones ihren 50. Geburtstag feiern – berechnet an ihrem ersten Auftritt im März 1976 – wird es „Teenage Kicks“ natürlich auch wieder zu hören geben. „Das geht nicht anders!“, lacht der Gitarrist. „Wir nahmen ihn 1982 mal kurzfristig von der Setlist, weil wir die Schnauze voll hatten, haben das aber schnell bereut. Heute ist das anders, weil wir ganz bewusst nicht viel live spielen. Wir wollen uns die Freude und die Lust an der Musik nicht nehmen lassen.“
Aus irgendeinem Grund sind The Undertones dabei stets besonders gern in Deutschland zu Gast. „Unser Tour-Manager lebt in Deutschland und kennt sich hier natürlich bestens aus“, sagt O’Neill. „Das deutsche Publikum war außerdem immer besonders gut zu uns, da ergibt es natürlich Sinn, regelmäßig zurückzukehren.“ Vielleicht hören wir am 21. Mai 2026 im Wizemann dann sogar einige neue Songs, denn: „Wir arbeiten gerade tatsächlich an einer neuen Platte, unserer ersten seit 2008. Und ich muss sagen: Die neuen Songs sind richtig, richtig gut.“ Er lacht: „Das überrascht mich selbst am meisten.“
The Undertones treten am Donnerstag, 21. Mai, in Stuttgart im WIzemann/Club auf. Konzertbeginn ist um 20 Uhr. Im Vorprogramm spielt die Glampunk/Powerpop-Band Zoo Escape aus München. Tickets gibt es hier.