Der Gedenkstein in Neckargerach wird enthüllt: Professor Paul Münch (von links), Markgraf Berthold von Baden, Bürgermeister Norman Link, Ortsvorsteher Rudolf Buckenmaier, Alt-Bürgermeister Peter Kirchesch, Vorstand Martin Schwellbach und Prinz Bernhard von Baden  Foto: Wahl

Vereine: Thanheimer Musiker spielen bei der Enthüllung des restaurierten Gedenksteins in Neckargerach

Es war ein tragisches Ereignis vor 200 Jahren, das die Musikkapelle Thanheim veranlasste, bei der Enthüllung eines Gedenksteins nach Neckargerach zu fahren. Ein junger Wandermusiker aus Thanheim wurde am 13. September 1821 vom Blitz getroffen.

Bisingen-Thanheim. Vor 200 Jahren am 13. September 1821 wurde ein Musikant, nämlich Johann Dehner (Trompeter Karl Dehner ist ein Nachfahre) aus Thanheim bei einem Gewitter nahe Neckargerach im Neckar-Odenwaldkreis von einem Blitzschlag getötet, weitere Musiker wurden dabei verletzt. Er selbst war Mitglied einer von dessen Vater Fidel Dehner gegründeten sechsköpfigen Musikgruppe aus Thanheim. Ihm zu Ehren wurde nahe Neckargerach ein Denkmal aufgestellt. Dieses wurde restauriert und die Enthüllung fand im Rahmen eines Festakts statt, an dem auch die Musikkapelle Thanheim teilgenommen hat. Nahezu 100 Personen waren insgesamt vor Ort.

Dreistündige Fahrt

Schon am frühen Samstagmorgen trafen sich die Musiker der Musikkapelle Thanheim und starteten mit Ortsvorsteher Rudolf Buckenmaier sowie den Ehrendirigenten Professor Paul Münch und Josef Lohmüller mit dem Bus.

Mit im Gepäck hatten sie die Instrumente. Nach fast dreistündiger Fahrt gelangte die muntere Ausflugsschar an ihr Ziel: Neckargerach. Am Radweg zwischen Neckargerach und Zwingenberg steht der Gedenkstein, der 1848 durch Markgrafen von Baden errichtet wurde.

Auftakt macht MKT

Aufbau und Einspielen des Thanheimer Orchesters, ebenso ein reger Gesprächsaustausch mit den Einwohnern waren den Feierlichkeiten vorausgegangen. Den Auftakt machte die Musikkapelle Thanheim unter ihrem Dirigenten Thomas Uttenweiler mit dem Konzertmarsch "Opening". Es folgten Willkommensworte des dortigen Bürgermeisters Norman Link. Diese galten vordergründig und parallel zur Anwesenheit der Familie des Markgrafen Berthold von Baden den Gästen aus Thanheim mit ihrem Vorsitzenden Martin Schwellbach.

Traditionsreiches Orchester

"Wir freuen uns, an der Gedenkfeier teilnehmen und mitgestalten zu dürfen", bedankte sich Ortsvorsteher Rudolf Buckenmaier für die Einladung. In seinem Grußwort stellte er mit wenigen Sätzen den Ort Thanheim vor. Das Vereinsleben werde großgeschrieben und die Musikkapelle bestehe nachweislich seit 230 Jahren, eines der ältesten Orchester in der Region. Buckenmaier sprach Dankesworte aus an Bürgermeister Link und dessen Vorgänger Peter Kirschess, denen die Organisation oblag.

Gedenkstein als Mahnung

1984 seien die Thanheimer zum letzten Mal in Neckargerach am Denkmal gewesen. Auf Vorschlag von Professor Paul Münch sei sich die Vorstandschaft der Musikkapelle Thanheim schnell einig gewesen, spontan zu handeln. Mit der finanziellen Unterstützung durch die Gemeinde Bisingen, die Sparkasse Zollernalb und Volksbank Hohenzollern erfolgte die Restaurierung durch einen Steinmetz.

Im Gedenken an den verstorbenen Johann Dehner solle der Gedenkstein auch ermahnen, sich bei Unwettern nicht unter Bäumen aufzuhalten, wie es damals die Thanheimer Wandermusiker machten.

Außerdem übermittelte der Ortschef die Grüße von Bürgermeister Roman Waizenegger. Anschließend war es soweit. Vorstand Martin Schwellbach und Professor Münch vollzogen die Enthüllung im Beisein von Rudolf Buckenmaier, Bürgermeister Link und Vorgänger Kirschess sowie Markgraf Berthold und dessen Sohn Prinz Bernhard von Baden.

"Alte Kameraden" erklingt

Das Orchester musizierte dazu passend den Marsch "Alte Kameraden" gefolgt von der Polka "Ehrenwert". Umschrieben mit "Erinnerungen an große Zeiten" hielt daraufhin Professor Paul Münch den Festvortrag. Dabei zeigte er auf, was es damals mit den Wandermusikern aus Thanheim auf sich hatte. Johann Dehner kam damals ums Leben. Vier weitere Musiker, ebenfalls im jugendlichen Alter, erlitten durch den Blitzschlag Verletzungen und wurden zunächst im Schloss Zwingenberg gepflegt, bevor sie ins Hospital nach Heidelberg verlegt wurden.

Steinernes Monument

Münch berichtete aufschlussreich und sehr informativ über die Thanheimer, die als Reisemusikanten durch die Lande zogen. Ihr musikalisches Know-How führte sie in höchste Kreise, was bis heute noch aus den vorhandenen Wanderbüchern ersichtlich ist. Jedenfalls sei dieses steinerne Monument zugleich eines der ersten aber auch gewichtigsten und nachweisbaren Zeugnisse der mindestens 200 Jahre zurückreichenden Thanheimer Reisemusiktradtion. Die Bläser der Musikkapelle Thanheim musizierten im Anschluss das "Hohenzollernlied" und den Marsch "Arsenal", während darauf Gastgeschenke ausgetauscht wurden und Bürgermeister Link Abschiedsworte an die Thanheimer Besucher sprach und zu einem zukünftigen Wiedersehen einlud. Mit weiteren Zugaben bereicherte das auf der Wiese musizierende Orchester, angeführt durch Dirigent Thomas Uttenweiler.

Gruppe besucht Schloss

Nach kurzer Weiterfahrt erreichten die Ausflügler das Naturfreundehaus Zwingenberg, in dessen Biergarten die Gemeindeverwaltung zum leckeren Mittagsessen eingeladen hatte. Später galt noch ein Besuch dem Schloss Zwingenberg, der beeindruckenden Festung aus dem 13. Jahrhundert und seit 1808 in Markgräflich badischem Familienbesitz. Die Führung gab Auskunft über das Schloss und deren Bewohner Prinz Ludwig von Baden und seiner Familie. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Thanheimer Wandermusiker im Herbst 1821 auf dem Schloss zu Tisch und bei der Jagd aufgespielt haben, informierte Professor Münch. Die Einladung erfolgte damals durch den Markgrafen Wilhelm und Maximilian (Vorfahren der heutigen Herren des Schlosses) aus dem Hause Baden.

Mehr Erkenntnisse erhofft

Historiker Münch hat längst seine Recherchen in dieser Angelegenheit bewerkstelligt. Er hofft, dass er aus dem Schlossarchiv noch weitere Erkenntnisse gewinnen kann, um so manche offene Frage zu klären. Auf der Heimreise wurden so manche bekannte Lieder im Bus gesungen, begleitet durch Marius Binder auf dem Schifferklavier. Im Adler in Zimmern ließ man bei gutem Essen und ebenfalls bester Musikunterhaltung den Tag ausklingen.

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