Die Kosten steigen und steigen – für Lebensmittel ebenso wie für Benzin oder Strom. In Nagold kommt 2024 eine weitere Sparte hinzu. Das Wasser wird teurer. Und das nicht zu knapp.
Die Situation ist angespannt. Die Inflationsrate ist in Deutschland noch immer ungewohnt hoch. Das Leben kostet immer mehr Geld.
Was für den Privatverbraucher gilt, verhält sich bei den Kommunen ganz ähnlich. Zum Beispiel bei Nagolds Stadtwerken, die die Bürger zuverlässig mit frischem Trinkwasser versorgen. Einer der großen Preistreiber ist hier die Energie. „Die Energiekosten für Strom haben sich seit der Energiekrise um 260 Prozent erhöht“, heißt es in einer Sitzungsunterlage der Stadtwerke, die rund um das Thema Wasserpreiserhöhung angefertigt wurde.
Die Folge der Energiekosten, aber auch anderer Themen wie der Zukunftssicherung, die den Aufwand rund um die Wasserversorgung hochschrauben, ist die Erhöhung des Wasserzinses. Nicht wirklich begeistert, aber doch folgsam votierten Nagolds Stadträte einstimmig bei einer Enthaltung für die von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung.
Die neuen Preise
Die Erhöhung fällt wuchtig aus. Gleich um 80 Cent pro Kubikmeter Wasser soll der Preis ab 1. Januar 2024 steigen – von 2,50 Euro auf 3,30 Euro Euro/cbm. Das entspricht einer Erhöhung um 32 Prozent. Ein Kubikmeter (cbm) entspricht 1000 Liter Wasser. Zuletzt ist der Wasserpreis in Nagold im Jahr 2015 erhöht worden. Und: Die Gebühren für die Abwasserentsorgung bleiben weiter stabil – das hatte Nagolds Gemeinderat kurz zuvor entschieden.
In einer Berechnung gehen die Stadtwerke Nagold von einer jährlichen Mehrbelastung durch die Erhöhung bei einem Ein-Personenhaushalt von 37 Euro brutto aus, und bei einem Drei-Personen-Haushalt von 89 Euro im Jahr.
Die Begründung
Die kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtwerke, Sabine Wurster, verwies in ihrer Präsentation auf die Gründe der Erhöhung. So hat ein Strukturgutachten zu Nagolds Wasserversorgung ergeben, dass einige Baustellen angegangen werden müssen. Letztlich stehen bis Ende 2025 investive Maßnahmen in Höhe von rund vier Millionen Euro an. Dabei geht es unter anderem um die Ertüchtigung der Brunnen im Nagoldtal, zusätzlich werden weitere Bezugsrechte bei der Wasserversorgung Kleine Kinzig getätigt. Ein Notstromkonzept muss erarbeitet und ausgebaut werden. Und dann läuft aktuell auch noch der Neubau des Hochbehälters Wanne in Hochdorf. Von einer notwendigen „Sicherung und einen Ausbau der Wasserressourcen“ ist in dem Strukturgutachten die Rede.
Außerdem verwies Sabine Wurster auf gestiegene Kosten – der Energiebereich ist da nur ein Punkt von vielen. Die neue Trinkwasserverordnung der EU sorgt für „noch schärfere Paramter“. Und dann ist da noch der Unterhalt des 371 Kilometer langen Leitungsnetzes und der Versorgungsanlagen. Beim Unterhalt kommen die Stadtwerke kaum hinterher, auch wegen der hohen Summen, vor allem aber fehlt es an Personal. Hier stehen die Stadtwerke in Konkurrenz mit der Privatwirtschaft – die Folge – auch vom Gemeinderat abgesegnet – die Stadtwerke wechseln vom öffentlichen Tarif (TVÖD) auf den attraktiveren privatwirtschaftlichen Tarif TVV.
Die Diskussion
„Wir müssen das nicht schönreden. Aber wir müssen Dinge entscheiden, die eben zu entscheiden sind“, sagte Nagolds OB Jürgen Großmann in der Debatte. Und er warnte sogleich: „Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht!“
Keiner der Räte zeigte sich von der Erhöhung angetan, doch sagte zum Beispiel auch Wolfgang Schäfer (CDU): „Es führt eigentlich kein Weg daran vorbei“ – zumal ja kostendeckend gearbeitet werden sollte. Von einer „Kette von Mehrbelastungen, die derzeit alle erfahren“, sprach CDU-Fraktionschef Carl Christian Hirsch und versicherte: „Wir haben es uns da echt nicht einfach gemacht!“ Brigitte Loyal verwies auf die Wertigkeit und Wichtigkeit von Wasser, da sei es auch wichtig, die Versorgung in öffentlicher Hand zu behalten. Das betonte auch FWV-Chef Eberhard Haizmann, wobei OB Jürgen Großmann deutlich machte, dass eine Privatisierung der Wasserversorgung in Nagold kein Thema wäre.
Die Ortschaftsräte
Im Vorfeld der Sitzung beschäftigten sich auch alle Ortschaftsräte mit der Erhöhung des Wasserpreises. In Schietingen kam es sogar zu einer Ablehnung der Erhöhung. Dort stimmten zwar nur zwei Räte gegen den Verwaltungsvorschlag, was bei nur einer Zustimmung und sechs Enthaltungen dann aber glatt zu einer Ablehnung führte. Alle anderen Teilorte stimmten zu.
Der Vergleich
Interessant ist auch ein Vergleich der Wassergebühren. Den lieferte das Rathaus selbst – allerdings mit dem Hinweis versehen, dass derzeit viele Kommunen eine „Anpassung des Wasserpreises“ planen würden. Mit dem noch aktuellen Preis von 2,50 Euro/cbm liegt Nagold kreisweit im Mittelfeld auf Platz 11, mit dem neuen Preis würde Nagold aktuell Platz 24 von 26 Kommunen einnehmen. Beim Vergleich von Großen Kreisstädten aus der Region würde Nagold gar auf den letzten der 14 Plätze abrutschen.
Zur Abrundung: Auf Platz 1 im Kreis steht aktuell Simmersfeld mit 1,35 Euro/cbm und auf dem letzten Platz Bad Liebenzell mir 4,27 Euro/cbm. Bei den Großen Kreisstädten liegt Rastatt vorne mit 1,95 Euro/cbm. In Calw liegt der Preis seit diesem Jahr bei 3,03 Euro/cbm.