Um die Standfestigkeit des Bahnquerung in der Rheinstraße zu überwachen, greift die Verwaltung tief in die Tasche. Eine Machbarkeitsstudie soll den Neubau ins Rollen bringen.
Die Bahnbrücke in der Lahrer Rheinstraße ist ein Sorgenkind. Wie mehrfach berichtet, hat die Stadt dort Einschränkungen für den Verkehr angeordnet: Tempo 30, ein Tonnagelimit von 30 Tonnen und ein Abstandsgebot von 70 Metern für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen im Dezember, dann im April ein Limit von 16 Tonnen. Grund ist die Verkehrssicherheit. Die Spannglieder der Brücke seien „spannungsrisskorrosionsgefährdet“, heißt es.
Die Planungen für einen Neubau kommen nun ins Rollen: Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat für die Sitzung am kommenden Montag (17.30 Uhr im Rathaus II) vor, außerplanmäßige Aufwendungen zu bewilligen. Perspektivisch sei ein Ersatzneubau unumgänglich – nicht nur für die Bahnbrücke, sondern auch für die Schutterbrücke in der Rheinstraße, die bei der Bauwerksprüfung ebenfalls eine ungenügende Bewertung erhalten habe. Die Stadt sei bezüglich der Bahnbrücke schon seit längerer Zeit in Gesprächen mit der Deutschen Bahn. Ziel sei ist, einen Neubau möglichst zeitnah in die Wege zu leiten. Nach derzeitiger Einschätzung „ist mit einem Zeitraum von etwa vier Jahren bis zur Inbetriebnahme der neuen Brücken zu rechnen“, so die Stadt. Um verschiedene Lösungsansätze im Hinblick auf die Anforderungen von Bahn- und Straßenverkehr zu prüfen, will die Stadt eine Machbarkeitsstudie beauftragen. 70.000 Euro soll dies kosten.
Die Summe ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs an Kosten, die die Stadt schon jetzt für die Brücke aufwenden muss. Bis zum Ersatzneubau der Brücke muss nämlich laut Verwaltung die Oberseite des Randträgers im Stützbereich täglich auf Risse geprüft werden. Ist ein Riss jeglicher Art zu erkennen, müsse die Brücke sofort gesperrt werden. Dieses engmaschige Monitoring gepaart mit dem Einsatz von Neigungssensoren, die Veränderungen im Tragverhalten kontinuierlich und hochauflösend erfassen können, schlägt mit weiteren 50.000 Euro zu Buche.
Kontrollsystem soll Verstöße aufdecken
Darüber hinaus müssen laut Verwaltung die genannten Nutzungseinschränkungen „unbedingt durchgesetzt und überwacht werden“. Nach den Erfahrungen der Polizei und des Kommunalen Ordnungsdiensts sind jedoch weiterhin Verstöße von Lastkraftfahrzeugen gegen das bestehende Überfahrtsverbot zu verzeichnen, heißt es aus dem Lahrer Rathaus. Um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten, ist der Einbau eines sogenannten „Weigh-in-Motion“-Systems in beide Fahrtrichtungen vorgesehen. „Weigh in Motion“ bedeutet so viel wie, dass Fahrzeuge mittels Sensoren in der Straße gewogen werden, während sie über die Brücke fahren, ohne den Verkehrsfluss zu unterbrechen. Im Falle einer Gewichtsüberschreibung, wird das Kennzeichen erfasst. „Dies ist die einzig wirksame, auf mehr als 16 Tonnen schwere Fahrzeuge beschränkte Kontrolle, die zudem keine langen Rückstaus am Kreisverkehr Hirschplatz oder am Kreisverkehr Raiffeisen-/Flugplatz-/Rheinstraße verursacht“, heißt es seitens der Stadt. 310.000 Euro kostet laut Verwaltung ein solches System. Eine gerechtfertigte Investition, findet das Rathaus, denn es gehe darum, den Status quo „möglichst lange aufrechtzuerhalten und weitere Einschränkungen bis hin zur Vollsperrung abzuwenden“. Zusammen mit sonstigen Maßnahmen – etwa der neuen ausgeweiteten Straßenbeschilderung – ergeben sich 506.000 Euro Gesamtkosten für die Bahnbrücke.
Zwei Deckungsvorschläge
Wie plant die chronisch klamme Verwaltung, diese Summe aufzubringen? Bei der Sitzung am Montag wird sie dem Rat zwei Deckungsvorschläge aufzeigen. Das „Weigh-in-Motion“-System soll über Einsparungen bei den Punkten „Grunderwerb Güterverkehrsterminal“ (200.000 Euro), „Grunderwerb Bodenbevorratung“ (65.000 Euro) sowie beim Investitionsauftrag „Verlegung Leerrohre Breitbandausbau“ (45.000 Euro) eingespart werden. Für die übrigen Aufwendungen von 196.000 Euro, die zur Budgeteinheit Straßenbau zählen, soll die Deckungsreserve angezapft werden. 400.000 Euro hatte sich die Stadt für 2026 für außerordentliche Fälle zur Seite gestellt.
Die Stadt bittet um Verständnis für die Einschränkungen, die sie nicht leichtfertig vornehme. Über allem stehe die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – auf der Brücke und auf den Gleisen. Da der Schwerlastverkehr die B 415 als Umleitungsstrecke stark beanspruche, empfiehlt die Stadt Lahr, mit allen anderen Fahrzeugen alternativ die Route über die Dr. Georg-Schaeffler-Straße und die Rheinstraße stadteinwärts oder stadtauswärts zu nutzen. Ziel sei, den gesamten Verkehr „möglichst verträglich auf das städtische Verkehrsnetz zu verteilen, ohne einzelne Abschnitte übermäßig zu beanspruchen“.
Ausnahme für Busse
Solobusse der SWEG dürfen die Bahnbrücke weiterhin passieren, informiert die Stadt. Da eine Sperrung für alle Busse weitreichende Konsequenzen insbesondere für Berufspendler und Schüler hätte, hat die Stadtverwaltung in der Risikoabwägung entschieden, der SWEG eine mit detaillierten Auflagen versehene Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Für die SWEG gelten beim Befahren der Brücke beispielsweise Schrittgeschwindigkeit mit stark ausgelasteten Bussen und ein Begegnungsverbot für Busse auf der Brücke.