Die geplante Sanierung der Bahnhofsbrücke in Orschweier entwickelt sich zu einer Posse. Foto: Decoux/Archivbild

Die Sanierung der Fußgängerbrücke am Bahnhof Orschweier verzögert sich: Die Bahn muss den Treppenaufgang erneuern, will dies jedoch erst 2024 anpacken. Das hat Konsequenzen für die Stadt. Zudem ist plötzlich offen, wer die Kosten übernimmt.

Das Thema hat das Zeug zur Posse – und Hauptakteur ist einmal mehr die Bahn. Gegenstand ist die Fußgängerbrücke über die Gleisanlage am Bahnhof Orschweier. Sie muss saniert werden, das ist unstrittig. Und zahlen – immerhin knapp eine Million Euro – muss die Stadt Mahlberg. Auch das war bisher unstrittig. Bisher, denn nun liegt ein Gutachten vor, das als Ursache für die Probleme an der Fußgängerbrücke die Absenkung des Treppenaufgangs westlich der Gleisanlagen bewertet. Und die Treppenanlage gehört der Bahn.

Probleme müssen zeitnah behoben werden

Das neue Gutachten hat im Sanierungsfall Fußgängerbrücke ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Noch einmal der Reihe nach: Bei der Fußgängerbrücke gibt es Probleme mit der Statik. Diese müssen zeitnah behoben, die Brücke also saniert werden. Die Kosten für die Sanierung – nach einer ersten Schätzung durch das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro Hampf Consult in Offenburg – liegen bei 800 000 Euro. Diese Kosten muss die Stadt tragen. Während der Sanierungsarbeiten kann der Zugverkehr nur eingeschränkt aufrecht erhalten werden, es wird immer nur ein Gleis befahrbar sein. Deshalb wollte die Stadt die Arbeiten im Herbst ausführen, wenn auch die Lärmschutzwände gebaut werden. Die Strecke wäre dann ohnehin gesperrt.

Die Bahn schließt diese Parallelarbeiten indes aus. Die Konsequenz daraus: Die Stadt kann die Sanierung erst im kommenden Jahr anpacken, erneut begleitet von Einschränkungen für den Schienenverkehr. Die Kosten für die Einschränkungen müsse, so die Aussage der Bahn, dann die Stadt Mahlberg zusätzlich tragen. Soweit, so schlecht die Aussichten für Mahlberg.

Jetzt also die neue Entwicklung: Ursache für die statischen Probleme an der Fußgängerbrücke ist der Treppenaufgang, für den wiederum die Bahn Kostenträger ist. Die Bahn hat nun Handlungsdruck. Sie muss die Treppenanlage entfernen und bei der Brückensanierung durch eine neue ersetzen. Bis zur Sanierung muss sie die Querung der Gleise über eine Behelfsbrücke ermöglichen, so die Aussage von Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz vor dem Gemeinderat.

Behelfsbrücke statt Fahrradboxen

Der Bau dieser Behelfsbrücke bleibt wiederum nicht ohne Konsequenz für die Stadt. Am geplanten Standort für die Behelfsbrücke hat die Stadt nämlich den Bau von neuen Fahrradboxen vorgesehen und bereits in Auftrag gegeben. Und noch eine weitere Unbekannte für die Stadt: Für die Sanierung der Brücke waren Zuschüsse beantragt und in Aussicht gestellt. Ob das Programm auch im kommenden Jahr aufgelegt wird und ein neuer Antrag von Mahlberg positiv beschieden wird, sei noch nicht geklärt, so Benz. Ob die Stadt entstehende Nachteile im Zusammenhang mit dem Projekt und verursacht durch die Bahn überhaupt hinnimmt, wird noch Thema im Gemeinderat sein, sagte der Bürgermeister.

Seit Dezember Thema

Dass die Brücke am Bahnhof Orschweier saniert werden muss, wurde im Dezember 2022 bekannt. Das Büro Hampf Consult hatte mehrere Mahlberger Brücken turnusgemäß untersucht und kam zu dem Schluss, dass die Standsicherheit und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks beeinträchtigt sind. Die Sanierung hat der Mahlberger Gemeinderat Ende Februar beschlossen. Wird die Brücke nicht saniert, könnte die Bahn den Bahnhof nicht mehr anfahren.