Der Stuttgarter Hersteller erhält aus Peking die Lizenz, Autos mit einem besonders hohen Automatisierungsgrad zu testen. Bei diesem Grad der Automatisierung darf der Fahrer sogar schlafen.
Der Stuttgarter Mercedes-Konzern baut seine global führende Position auf dem Gebiet des autonomen Fahrens weiter aus. Als erster internationaler Autohersteller erhielt das Unternehmen eine Lizenz, in Peking selbstfahrende Autos auf der besonders hohen Stufe vier zu testen.
Letzte Stufe vor dem Auto ohne Steuer
Auf dieser Stufe nimmt das Fahrzeug dem Fahrer seine Aufgabe in definierten Verkehrssituationen komplett ab, so dass dieser sogar schlafen darf. Dieses sogenannte vollautomatisierte Fahren ist die letzte Stufe vor dem komplett autonomen Fahren, bei dem Fahrzeuge weder ein Steuer noch Pedale benötigen.
Ein Mercedes-Sprecher erklärte unserer Zeitung, die Lizenz aus China beziehe sich sowohl auf bestimmte Autobahnabschnitte als auch auf definierte innerstädtische Strecken in Peking.
Erste internationale Systemzulassung
Mercedes gehört beim autonomen Fahren zu den weltweit führenden Herstellern und verfügt bereits über die weltweit erste international gültige Systemzulassung für hochautomatisiertes Verfahren nach Stufe drei, bei dem das Auto in bestimmten Situationen ebenfalls alleine steuert, vom Fahrer aber weiter die Bereitschaft verlangt, nach einer sogenannten Übernahmeaufforderung innerhalb von zehn Sekunden das Steuer zu übernehmen. Bei Stufe drei darf der Fahrer oder die Fahrerin zwar Zeitung lesen und das Handy nutzen, nicht aber schlafen.
Auf Basis dieser Zulassung hat Mercedes als einziger Hersteller bereits Stufe-drei-Fahrzeuge auf dem Markt und liegt damit auch vor dem US-Hersteller Tesla, dessen „Autopilot“ unterhalb dieser Stufe bleibt.
Bei Stufe vier, die Mercedes nun testet, muss der Fahrer nicht mehr bereit sein, das Steuer zu übernehmen; in bestimmten Situationen aber bringt die Automatik das Fahrzeug auf sichere Weise zum Stillstand, wenn der Fahrer trotz Aufforderung nicht übernimmt. Solche Situationen können – je nach Hersteller – Baustellen, Dunkelheit oder schlechtes Wetter sein. Auch die Geschwindigkeit auf Autobahnen ist begrenzt. So startete Mercedes bei Level drei mit einer Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 60 km/h; gesetzlich erlaubt sind in Deutschland inzwischen 130 km/h. Ein Mercedes-Sprecher erklärt dazu, im Testbetrieb wolle man sich an höhere Geschwindigkeiten herantasten und die Sicherheit an die erste Stelle setzen.
Zunächst wird Mercedes zwei speziell ausgerüstete S-Klasse-Fahrzeuge in Peking einsetzen; die Flotte soll allerdings erweitert werden. Die größte Konkurrenz für Mercedes sind bisher diverse chinesische Hersteller, die in China ähnliche Tests vornehmen. Sie bekommen nun mit Mercedes erstmals internationale Konkurrenz. Die Tests von Stufe-drei-Fahrzeugen in Peking will Mercedes parallel fortführen.