Auf dem lokalen Wochenmarkt sind die Lebensmittel qualitativ hochwertiger, aber auch teurer als im Discounter – oder? Wir haben Zutaten für den Klassiker Spaghetti Bolognese eingekauft und den Test gemacht.
Villingen-Schwenningen - Jede Woche, jeweils mittwochs und samstags, herrscht reger Betrieb auf dem Münsterplatz in Villingen und dem Muslenplatz in Schwenningen: Es ist Wochenmarkt. Regionale Händler bieten Woche für Woche ihre Produkte feil. Der Wochenmarkt gilt als beliebt, doch auch als kostspielig. Wie viel teurer ist dieser also wirklich?
Um den direkten Vergleich zum Discounter ziehen zu können, kaufen wir die Zutaten für Spaghetti Bolognese sowohl im Discounter als auch auf dem Wochenmarkt in gleichen Mengen ein. Dazu brauchen wir: 300 Gramm grob gehacktes Rindfleisch, 150 Gramm frischen Schweinespeck, 50 Gramm Karotten, 50 Gramm Stangensellerie, 50 Gramm Zwiebeln, eine Knoblauchzehe, 300 Gramm geschälte Tomaten (eigentlich aus der Dose, aber zu Versuchszwecken wird mit frischen gekocht), etwas Käse und 500 Gramm Spaghetti. Zutaten wie Salz, Pfeffer, Gemüsebrühe und einen Schuss Rotwein seien mal dahin gestellt.
Auf dem Wochenmarkt gibt es alles – fast
Kistenweise Gemüse und frisches Obst liegen in der Auslage der Marktstände auf dem Villinger Münsterplatz. Die Auswahl ist groß und auch die Mengen können hier optimal eingekauft werden. 50 Gramm Karotten? Für den Verkäufer am Marktstand ist das kein Problem. Auch Tomate, Zwiebel und Knoblauch kann hier in genau den Mengen, die man für das Gericht benötigt, eingekauft werden. Insgesamt kostet das Gemüse für die Bolognese-Soße 7,78 Euro.
In Sachen frischer Schweinespeck wird es auf dem Wochenmarkt schon schwieriger. Geräucherten Speck gibt es an den meisten Verkaufsständen, die Fleischprodukte verkaufen. Erst am dritten Stand werden wir für 2,50 Euro fündig. Derweil wird das Fleisch frisch durch den Fleischwolf gedreht und landet gleich darauf beim Kunden in der Tasche. Auch wir ergattern regionales Hackfleisch für knappe fünf Euro.
Die italienischen Spaghetti sucht man auf dem Markt vergeblich, doch es gibt eine Hand voll anderer Nudeln, die für das Gericht verwendet werden können. Die Wahl fällt auf dünne Bandnudeln – hausgemacht. Die Eiernudeln kosten 2,50 Euro. Am Käsestand gibt es zwar keinen Parmesan, doch ein anderer Reibekäse leistet Abhilfe. Für 3,70 Euro landet das Bolognese-Topping im Einkaufskorb. Unterm Strich zahlen wir 20,95 für unseren Wochenmarkt-Einkauf.
Der Discounter punktet beim Preis
Der Einkauf auf dem Wochenmarkt war erfolgreich. Wie sieht es beim Discounter aus? 500 Gramm Spaghetti für 0,89 Euro? Check. 300 Gramm Hackfleisch für 2,49 Euro? Check. Parmesan-Käse? Mit einem Preis von 2,19 Euro landet er im Einkaufswagen. Schwieriger wird die Situation am Obst- und Gemüsestand. Von losen Karotten oder Zwiebeln erstmal keine Spur. Doch auch hier werden wir trotzdem fündig: So tüten wir kurzerhand eine 82 Gramm schwere Möhre für 0,16 Euro, zwei Tomaten für 0,43 Euro, eine große Zwiebel für 73 Cent und eine Staudensellerie für 0,99 Euro ein. Der geriebene Parmesankäse ist beim Einkauf neben dem Hackfleisch mit 2,19 Euro übrigens der teuerste Artikel.
Auch der Discounter-Einkauf ist also erfolgreich. Der Blick auf den Kassenzettel bestätigt die Vermutungen: Mit elf Euro ist der Einkauf um knapp die Hälfte günstiger als auf dem Markt.
Warum also noch auf dem Markt einkaufen?
Welche Argumente führen die Marktbetreiber auf?
So ziemlich jeder hat bereits einen Discounter von innen gesehen. Das Einkaufserlebnis kann jedoch weit weniger entspannt sein als in der Innenstadt an der frischen Luft. Wo es im Supermarkt womöglich oft hektisch zugeht, kann auf dem Markt die Lust an frischen Lebensmitteln pulsieren. Verkäufer in der Beratungsrolle sind auf dem Markt keine Seltenheit.
Trotz des Preisunterschieds führen auch die Marktbeschicker auf dem Wochenmarkt klare Argumente auf, warum sich dort ein Einkauf lohnt. Andreas Göschel mit seinem Obst- und Gemüsestand AR Früchte aus Oberbaldingen bestätigt unsere Beobachtungen: "Auf dem Markt kann man viel kleinere Portionen kaufen. Hier ist es nicht ungewöhnlich, wenn jemand nur eine 50-Gramm-Karotte kaufen möchte", sagt er mit einem Augenzwinkern. Er ist sich sicher: "Auf dem Markt ist alles frischer. Wir wissen, was wir verkaufen und woher es kommt. Wer einmal auf dem Wochenmarkt einkauft, kommt immer wieder."
Auch Isabelle Schulz von der Metzgerei Martin aus Donaueschingen ist vom Konzept des Wochenmarktes überzeugt. Vor unserem Testkauf ist sie in ein Beratungsgespräch mit einer Kundin vertieft, dieser Kontakt macht den Markt für sie auch aus. "Und natürlich ist alles viel regionaler, wir verkaufen Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Klar, werden die Tiere gezüchtet, um geschlachtet zu werden. Aber das Leben, das sie hatten, soll ein schönes Leben gewesen sein, ohne Antibiotika."
Info: Einfach Essen
In unserer Artikel-Serie "Einfach Essen" ist der Name das Programm. Ernährung und Lebensmittel sind Hauptthema dieser Serie. Schauplatz ist die Doppelstadt, in der wir den Wochenmarkt, regionale Lebensmittel aber auch Restaurantbetreiber unter die Lupe nehmen wollen. Wir machen Selbstversuche und befragen Experten, die Tipps zu Essgewohnheiten sowie Ernährung geben und mit gängigen Klischees aufräumen. In diesem Sinne – lassen Sie sich unsere Geschichten schmecken. Guten Appetit!