In Sachen Terrorschutz bei öffentlichen Veranstaltungen setzt die Stadt Balingen auf die „Wangener Lösung.“
Die Nachricht erschütterte am Montag ganz Deutschland: Ein Autofahrer fährt in der Leipziger Innenstadt mit seinem Fahrzeug in eine Fußgängerzone. Zwei Menschen sterben, weitere werden schwer verletzt.
Auch wenn es mutmaßlich eine Amokfahrt und kein Terrorakt war, stand der Tagesordnungspunkt „Terrorschutz bei öffentlichen Veranstaltungen“, mit dem sich der Verwaltungsausschuss am Dienstagabend befasste, unter dem Eindruck dieses schlimmen Vorfalls.
„Unsere Gedanken sind in Leipzig“, sagte Oberbürgermeister Dirk Abel. Dieses schreckliche Ereignis zeige, wie schnell aus einer abstrakten eine reale Gefahr werden könne. Gleichwohl machte er aber auch deutlich: „Wir können solche Taten nicht grundsätzlich verhindern.“ Bei größeren Veranstaltungen wolle man jedoch den bestmöglichen Schutz bieten.
„Wangener Lösung“
Im September vergangenen Jahres hat der Gemeinderat dafür der Bereitstellung von Haushaltsmitteln in Höhe von jeweils 50.000 Euro für die nächsten vier Haushaltsjahre zugestimmt.
Auf Grundlage des Christkindlesmarkt wurde vonseiten der Verwaltung ein Konzept zur künftigen Sicherung der Veranstaltungsfläche erarbeitet und im vergangenen Jahr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln bereits umgesetzt.
Zentraler Bestandteil der Schutzmaßnahmen waren, wie der stellvertretende Ordnungsamts-Leiter Michael Weitzel erklärte, die im Zuge der Gartenschau angeschafften Pflanzovale. Bei den Straßen, die als Rettungswege befahrbar bleiben mussten, habe man sich mit städtischen Fahrzeugen beholfen.
Letzteres sei für die Zukunft allerdings wenig praktikabel, zumal die Fahrzeuge dauerhaft mit Personal besetzt sein müssten. „Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Wie kriegen wir es anders hin?“, so Michael Weitzel.
Betonquader bieten Schutz
Bei der Suche nach einer Antwort geriet die sogenannte „Wangener Lösung“ in den Blick, bei der sich der Bauhof der Stadt Wangen in Eigeninitiative eine Lösung zur Absicherung von Veranstaltungen überlegt und umgesetzt hat. Was genau steckt dahinter?
Bei besagter Schutzmaßnahme handelt sich um mit Stahlseilen verbundene Betonquader, welche so konstruiert wurden, dass ein Aufbau durch den Bauhof erfolgen kann. Mit drei Quadern kann eine Straßenbreite von zehn Metern abgesichert werden. Die mit einem Schloss gesicherten Karabiner könnten zudem problemlos von den Rettungskräften geöffnet werden, sodass eine Durchfahrt gewährleistet sei, verwies Michael Weitzel auf einen weiteren Vorteil des Konzepts.
Die Verwaltung beabsichtigt nun, diese Quader durch den städtischen Bauhof ebenfalls selbst herzustellen. Lediglich der Stahlaufbau (aus Cortenstahl) müsste von einem örtlichen Schlossereiunternehmen angefertigt werden.
Pro Quader rechnet der Bauhof mit rund 4200 Euro (inklusive der Kosten für das Schlossereiunternehmen). Nimmt man den Balinger Christkindlesmarkt als Maßstab, wären 15 Quader notwendig, was eine Gesamtsumme in Höhe von 63.000 Euro ergibt. Damit wäre es möglich, 50 Meter Straßenlänge abzusichern.
Diese Sicherheitslösung, machte Michael Weitzel deutlich, könne auch bei anderen Veranstaltungen eingesetzt werden und wäre bei Bedarf jederzeit erweiterbar. Für das kommende Jahr schlage man außerdem vor, noch zwei zusätzliche Pflanzovale zu beschaffen.
„Wichtig und notwendig“
Er begrüße diese beiden Maßnahmen, ließ Günther Meinhold (CDU) wissen, der jedoch ebenfalls hervorhob: „Einen absoluten Schutz wird es nicht geben. Da dürfen wir uns keine Illusionen machen.“
Für Hans-Peter Hörner (AfD) ist alleine die Tatsache, „dass wir über so etwas reden müssen“, alarmierend. „Ich finde es furchtbar, was in diesem Land passiert. In meiner Kindheit wäre so etwas noch undenkbar gewesen. Und heute ist das kein Einzelfall“, betonte er.
Terror habe es schon immer gegeben, stellte Erwin Feucht (Grüne) dem entgegen und erinnerte an das Münchner Olympia-Attentat 1972 und an das Oktoberfest-Attentat 1980. „Ich finde es gut, wenn wir diese Schutzelemente anschaffen“, befürwortete er die angestrebte Lösung.
Vermietung möglich?
Dirk Abel ist es wichtig, den Blick explizit auf Balingen zu richten. „Wir für uns sind zum Ergebnis gekommen, dass wir den Christkindlesmarkt mit zehn- bis fünfzehntausend Besuchern nicht seinem Schicksal überlassen wollen“, betonte er. „Ich schaue nach unserer Stadt.“ Was im Land passiere, damit müssten sich andere auseinandersetzen.
„Wir müssen reagieren, da kommen wir nicht drumherum“, machte auch Michael Lay (FDP) deutlich, der es begrüßte, dass der Bauhof die Herstellung der Schutzelemente selbst in die Hand nehmen will. „Könnte man, um Kosten zu reduzieren, die Sicherungsmaßnahmen gegebenenfalls an umliegende Kommunen vermieten?“, stellte er in den Raum. An eine Vermietung zu denken mache Sinn, begrüßte Bürgermeister Ermilio Verrengia den Vorschlag.
Auch Friedhelm Bossert (Freie Wähler) und Klaus Hahn (CDU) befürworteten die vorgestellte Sicherheitslösung. „Wir müssen das machen. Denn wer möchte sich da den Schuh anziehen, wenn wirklich mal etwas passieren würde“, gab Klaus Hahn zu bedenken.