Der Furtwanger Tennisprofi Dominik Koepfer ist schon seit über einem Jahr zum Zuschauen verdammt. Foto: dpa/Frank Molter

Tennisprofi Dominik Koepfer gibt trotz langer Verletzungspause nicht auf. Er könnte in die große Lücke hinter Alexander Zverev treten. Doch der Weg dahin ist schwer.

Regelmäßig, so erzählt Tennisprofi Dominik Koepfer, tauchen Gedanken ans Aufgeben auf. „Einmal am Tag“ denke er, er verliere die Lust – auf die Reha, darauf, sich jeden Tag mit den „gleichen blöden Übungen“ nach seiner Knieverletzung zurückzukämpfen. „Wenn man dann eben täglich immer wieder hier und da Schmerz spürt, dann zweifelt man schon oft, ob das noch was wird“, sagte der 31-Jährige.

 

Gerade mental ist die lange Zwangspause nicht einfach. Seit 13 Monaten hat sich der Schwarzwälder aus der Turnierszene zurückgezogen. Sein für diesen Monat anvisiertes Comeback muss er wieder verschieben.

„Es ist natürlich schwer, aber ich möchte mir auf jeden Fall noch mal eine Chance geben und nicht mit einer Verletzung meine Karriere beenden. Jetzt habe ich mich schon so lange reingehangen und jeden Tag gemacht, was ich machen sollte“, sagte der US-Open-Achtelfinalist von 2019. Dass er sich langsam steigern und Geduld beweisen müsse, sei „ein bisschen nervig“, weil sich seine Leidenszeit „schon wirklich ewig“ hinzieht.

Kohlmann: Furtwanger hat weiter Top-50-Potenzial

Wäre er fit, wäre Koepfer ein Spieler, der in die große Lücke im deutschen Männer-Tennis hinter Alexander Zverev treten könnte. Für Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann ist der Linkshänder aus Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis) „immer noch ein Spieler, der das Potenzial der Top 50“ der Tennis-Welt hat.

Doch schon in der Vergangenheit streikte Koepfers Körper immer wieder. Über Jahre begleiteten ihn rätselhafte Armschmerzen. Bei den US Open 2023 knickte er im Erstrundenmatch gegen den spanischen Topstar Carlos Alcaraz beim erst achten Ballwechsel mit dem Fuß um und riss sich Bänder. Bei den Olympischen Spielen in Frankreich 2024 riss er sich eine Sehne am Ellbogen an. Und nun ist die Patellasehne am Knie das Problem.

Monatelang probierte er, die Verletzung konservativ in den Griff zu bekommen. Im vergangenen November ließ er sich dann doch operieren. Noch klingt sein Tennis-Programm allerdings wie das eines Freizeitspielers. Zweimal die Woche schlägt die frühere Nummer 49 der Tennis-Welt Bälle. „Ich habe einmal Punkte gespielt, dann wurde das Knie wieder schlechter“, berichtete er. An Tennis-Tagen lässt er das Rehaprogramm mit dem Krafttraining weg.

Routine lenkt vom Gedankenkarussell ab

Seit Januar trainiert Koepfer wieder in seiner US-Wahlheimat Tampa. Die eigenen vier Wände in Florida machen es mental etwas einfacher. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als er in Deutschland ohne ein richtiges Zuhause war und mal bei seiner Familie im Schwarzwald, mal im Hotel aus dem Koffer lebte.

„Jetzt habe ich wieder ein Zuhause, einen eigenen Kleiderschrank. Da kommt ein bisschen tägliche Routine wieder rein“, schilderte Koepfer. „Das hilft, die Gedanken wegzunehmen nur vom Knie. Wenn du in München im Hotel sitzt und das Einzige, was du am Tag hast, ist für zwei Stunden zum Physio zu gehen. Dann beschäftigt dich das.“

In Tampa beschäftigt er sich nun auch damit, was nach der Tennis-Karriere anstehen könnte. Talente an US-Colleges zu vermitteln, College-Coaching oder selbst noch mal zurück ans College zu gehen, kann er sich vorstellen.

Doch erst möchte sich Koepfer zurückkämpfen. „Wir hoffen alle, dass er schnell zurückkommt“, sagte Kohlmann. Koepfer liebäugelt mit einer Rückkehr in der Sandplatz-Saison im Mai. Die Lust auf die schönen Momente beim Tennis verliert er nicht. Sie sind seine Motivation.