Gemeinsam für Spanien im Tennis-Doppel: Carlos Alcaraz (li.) und Rafael Nadal. Foto: IMAGO/USA TODAY Network/IMAGO/Amber Searls

Der eine ist die Legende von Roland Garros, der andere drauf und dran, dessen Nachfolge anzutreten. Das Spezielle: Bei den Olympischen Spielen von Paris spielen Rafael Nadal und Carlos Alcaraz zusammen im Doppel – und werden gefeiert.

Wenn der König Hof hält, dann braucht es schon zur Einstimmung etwas ganz Spezielles. Es war früher Abend in Paris, genauer: auf dem Court Philippe Chatrier im Stade Roland Garros. Und bevor Rafael Nadal den Platz betrat, gab keine Geringere als Billie Jean King das Signal zum Start. Wie bei diesen Spielen vor den Wettbewerben üblich, wurde dreimal geklopft, die Tennislegende ließ sich dann noch kurz feiern – dann aber war die Bühne bereitet. Für den König von Roland Garros. Doch der kam nicht allein.

 

Mit dabei hatte Rafael Nadel: seinen Thronfolger.

„Sehr speziell“, sagte fast drei Stunden später Carlos Alcaraz, sei das Zusammenwirken mit Rafael Nadal – und vermutlich trifft es das ganz gut. Wobei man für dieses Tennisdoppel, dass da gemeinsam für Spanien bei den Spielen von Paris antritt, noch viele andere huldigende Worte finden würde.

Nadal, 38 Jahre alt und auf einer Art Abschiedstour von noch unbestimmter Dauer, gewann hier in Paris sagenhafte 14 seiner 22 Grand-Slam-Titel. Wie sehr sie ihn dafür nicht nur in Spanien verehren, sondern auch an seinem magischen Ort, das wurde schon am Abend zuvor deutlich. Nadal war einer jener Sportler, die gegen Ende der Eröffnungsfeier Hand an die olympische Fackel anlegen durften.

Die La Ola muss Nadal selbst abwinken

Nun also trat er auf dem roten Sand von Paris an, der ihn groß werden ließ in den vergangenen 20 Jahren – 2005 gewann er erstmals in Roland Garros. Keiner weiß, ob er bei den Spielen von Paris letztmals an diesem ehrwürdigen Ort zum Schläger greift. Entsprechend wird jeder Auftritt zelebriert.

Bis auf den letzten Platz waren die Tribünen des Court Philippe Chatrier am Samstagabend gefüllt. Immer wieder schallten „Olé“-Rufe durch die Arena. Und die La Ola musste der Meister selbst abwinken – sonst wäre sie womöglich den ganzen Abend durchs Stadion geschwappt. Dass ihm nicht die alleinige Aufmerksamkeit zuteil wurde, lag ein ganz klein wenig an den Gegnern aus Argentinien, Maximo Gonzalez und Andres Molteni. Viel mehr aber an seinem Landsmann.

Carlos Alcaraz, 21 Jahre jung, ist so etwas wie das Erbe, das Nadal den Parisern hinterlässt. Der junge Mann hat bereits vier Grand-Slam-Siege vorzuweisen, in diesem Jahr gewann er erstmals in der französischen Hauptstadt. Nun begegnen sich die beiden nicht nur auf dem Platz als Konkurrenten aus unterschiedlichen Generationen – sie kämpfen gemeinsam, Seite an Seite.

Am Samstag erstmals erfolgreich beim 7:6, 6:4. Dem Nadal am Sonntag ein 6:1, 4:6, 6:4 in der ersten Einzelrunde gegen den Ungarn Marton Fucsovics folgen ließ. Nach 31 Minuten ging Durchgang eins an den Spanier. Im zweiten Satz verlor Nadal die Linie, fand sie erst im dritten wieder, biss sich durch und ließ manchmal seine Genialität aufblitzen. Nach 2:30 Stunden verwandelte der Einzel-Olympiasieger von 2008 und Doppel-Olympiasieger von 2016 seinen dritten Matchball.

Für Alcaraz ist diese einmalige Konstellation tim Doppel trotz der bereits eigenen Größe „ein Traum, der in Erfüllung“ geht: „Ich spiele das erste Mal bei Olympischen Spielen, und dann auch noch in Paris an der Seite von Rafael Nadal.“ Als besonderen Druck empfinde er seine Rolle als Doppelpartner der Tennislegende indes nicht, ein bisschen nervös sei er aber schon gewesen, bevor der erste Ball dann geschlagen war. Schließlich gilt auch: Die beiden Ausnahmekönner müssen sich natürlich noch finden, werden im Laufe des Turniers auf weitere Doppelspezialisten treffen, die dann womöglich Vorteile haben werden – trotz der Extraklasse, die die beiden Spanier jeweils im Einzel verkörpern.

Dank an Paris für die Rolle bei der Eröffnungsfeier

Doch schon während ihrer gemeinsamen Doppelpremiere haben sich die beiden Spanier nach und nach gesteigert, der erste Satz wäre ihnen beinahe abhanden gekommen, am Ende aber war Carlos Alcaraz „glücklich, über das Level, auf dem wir gespielt haben“. So sah es auch Rafael Nadal. Der im Gegensatz zu seinem 17 Jahre jüngeren Kollegen ja noch das eine oder andere vom Vorabend zu verarbeiten hatte.

„Besonders emotional“ sei es gewesen, einen so prominenten Part bei der Eröffnungsfeier einnehmen zu dürfen, „ich bin Paris dafür sehr dankbar“. Und: „Ich genieße hier jeden Moment.“ Von denen er den Menschen in Paris und speziell den Tennisfans in Roland Garros auch noch einige besondere schenken möchte. Im Doppel als „Rafa und Carlito“. Und im Einzel – wobei da der vermeintliche Turnierhöhepunkt schon kurz bevor steht. In der zweiten Runde trifft Rafael Nadal bereits auf seinen langjährigen Widersacher Novak Djokovic. Die Auslosung meinte es also weniger gut mit dem spanischen Helden – hat aber auch einen Vorteil, sollte er den Serben bezwingen.

Auf seinen Doppelpartner Carlos Alcaraz kann Rafael Nadal in Paris erst im Finale treffen.