Renata Voracova hat Australien schon wieder verlassen. Foto: baumann/Baumann

Anders als Novak Djokovic hat die Tennisspielerin Renata Voracova den Kampf um ihren Verbleib in Australien nicht aufgenommen – aus finanziellen Gründen.

Stuttgart - Vor mehr als elf Jahren ist die Tschechin Renata Voracova die Nummer 74 der Weltrangliste gewesen. Das war ihr bestes Ergebnis, an das sich vermutlich nicht einmal die Feinschmecker unter den Tennisfans erinnern. Heute wird Voracova in der Einzelweltrangliste gar nicht mehr geführt. Sie wollte bei den Australian Open im Doppel mitmachen, eine Spezialität der inzwischen 38 Jahre alten Spielerin, die in fast 20 Jahren auf der Tour etwas mehr 1,8 Millionen US-Dollar an Preisgeldern gewann. Das ist gar nichts im Vergleich zu Novak Djokovic und seinen bislang erspielten 155 Millionen Dollar.

 

An dem arg hinkenden Vergleich zwischen Voracova und Djokovic wird das Arm-und-reich-Gefälle im Tenniszirkus deutlich – mit Konsequenzen im Vorfeld der Australian Open. Während Djokovic mit Hilfe exzellent bezahlter Anwälte noch um seinen Start in Australien kämpft, musste Voracova die Segel streichen. Sie hat den fünften Kontinent bereits verlassen – freiwillig, weil sie sich den Streit mit den Behörden um die Einreise nicht leisten konnte. Ihr wurde kurz vor dem Start des Turniers das Visum entzogen.

Renata Voracova klagte nicht dagegen. Sie habe, sagt sie, nicht nur vor Weihnachten eine Corona-Infektion überstanden, sondern könne auch weitere medizinische Ausnahmegründe vorweisen. Eine Impfbefreiung, die hatte sie im Gepäck. Vor ihrem angeordneten Aufenthalt in einem Quarantäne-Hotel hatte sie jedoch an einem der Vorbereitungsturniere in Melbourne teilgenommen.

Wie im Gefängnis

Heute berichtet Renata Voracova, dass sie durch die Hölle gegangen ist. Sie sei sich vorgekommen wie im Gefängnis, sagte sie der Prager Zeitung „MF Dnes“. Sie durfte ihr Zimmer nicht verlassen, unter ihrem Fenster standen Wachleute und passten auf. „Glauben die etwa, dass ich springe und flüchte?“, fragte sich die Tennisspielerin aus Zlin. Stundenlang wurde sie von Grenzbeamten verhört, die Szenarien kamen ihr vor wie in einem „Actionfilm“. „Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde.“

Dass sie so kampflos aufgeben musste, es ärgerte die Tschechin. Sie war frustriert, dass die Anwälte und ihre Betreuer nicht auch versucht haben, gerichtlich dagegen vorzugehen. „Ich glaube, der Hauptgrund war, dass ich sie nicht hätte bezahlen können“, erklärte sie in einem Interview mit BBC Radio 5. Nun, da sie sich umsonst auf die lange Reise machte, will sie sich um einen Schadenersatz bemühen. „Die Forderung wird nicht klein sein“, sagt Voracova. Die Flugtickets für sie und ihren Trainer kosteten jeweils 2460 Euro. Dazu sind Hotelkosten und Platzgebühren für die Trainingseinheiten aufgelaufen. Und Preisgeld ist ihr auch entgangen.

Noch immer erschöpft

Noch immer hat sich die Doppelspezialisten Renata Voracova von ihrem turbulenten Aufenthalt in Australien nicht erholt, sie sei erschöpft, gab sie zu. Ihrem Kollegen Djokovic wünscht sie derweil, dass er an dem Major-Turnier teilnehmen darf. „Wir sind Athleten, wir sind dorthin gekommen, um Tennis zu spielen und nicht, um uns hinter den Kulissen mit Streitigkeiten zu befassen“, sagt Renata Voracova mit fester Überzeugung. Eine Sichtweise, mit der sie es sich in Zeiten dieser giftigen Pandemie vermutlich zu einfach macht – auch das hat sie mit Novak Djokovic gemeinsam.