Sie können sich alle an die spannende Zeit der Eingemeindung erinnern. Foto: Ziechaus

Herbert O. Zinell gab Einblicke in die entscheidenden Monate vor dem Bürgerentscheid von 2006 – und sprach auch über bislang wenig bekannte Hintergründe.

Auf Bitte der Projektgruppe Heimathaus blickte der damalige Oberbürgermeister Herbert O. Zinell auf den Weg zur Eingemeindung Tennenbronns aus Sicht der Stadtverwaltung zurück.

 

Im katholischen Pfarrsaal verfolgten zahlreiche Zeitzeugen aus dem Ort sowie Beteiligte aus dem damaligen Gemeinderat und den beiden Verwaltungen die Ausführungen eines der Hauptverantwortlichen. Gleich zu Beginn betonte Herbert Zinell, er verstehe seinen Vortrag nicht als spätes „Nachkarten“, sondern vielmehr als Auffrischung und Ergänzung der damaligen Vorgänge rund um die Eingemeindung der einst selbstständigen Gemeinde Tennenbronn.

Zinell erinnerte daran, dass Überlegungen zu Gemeindezusammenlegungen bereits bis ins Jahr 1927 zurückreichten. Schon damals habe es Ideen für eine Eingliederung Lauterbachs gegeben. Während der NS-Zeit existierten Pläne für ein „Groß-Schramberg“ mit Aichhalden, Hardt, Lauterbach und Sulgen; Sulgen wurde schließlich 1939 Schramberg zugeordnet.

Bäder-Kooperation

Auch im Zuge der Gebietsreform Anfang der 1970er-Jahre sei erneut über ein Groß-Schramberg diskutiert worden. Letztlich wurde jedoch lediglich Waldmössingen eingegliedert. Ein Bürgerentscheid in Lauterbach verhinderte 1998 eine weitere Eingemeindung nach Schramberg.

Im Sommer 2005 standen zunächst Überlegungen zu einer Bäder-Kooperation mit Tennenbronn und Sulgen im Raum. Überraschend erreichte die Stadtverwaltung dann im Juli 2005 eine nicht öffentliche Anfrage von Gemeinderäten aus Tennenbronn zu möglichen Gesprächen über eine Eingemeindung. Kurz darauf wurde bei einem Arbeitsgespräch zwischen Gemeinderäten und Verwaltung ein äußerst ambitionierter Zeitplan vorgestellt: Bis Ende 2005 sollte „alles geklärt sein“.

Enger Zeitrahmen

Dieser enge Zeitrahmen ergab sich aus der schwierigen Lage Tennenbronns. Die Gemeinde konnte für das Jahr 2006 lediglich einen stark eingeschränkten Haushalt vorlegen. Gleichzeitig lief die Amtszeit von Bürgermeister Christof Dold aus; eine Neuwahl im Jahr 2006 sollte möglichst vermieden werden.

Wie Zinell schilderte, zeigte sich Schramberg offen für Gespräche und hatte mit einem sogenannten „Weißbuch“ bereits Grundlagen für mögliche Verhandlungen erarbeitet. Auf eine Eingliederung angewiesen sei die Stadt jedoch nicht gewesen. Überraschend sei vielmehr die deutlich schlechtere Finanzlage Tennenbronns gewesen: Die Deckungslücke habe rund zehn Millionen Euro betragen.

62 Prozent Zustimmung

Dennoch entschied sich der Schramberger Gemeinderat für Verhandlungen, die am 26. Oktober 2005 aufgenommen wurden. Im Verlauf der Gespräche wurden feste Investitionszusagen in Höhe von 4,4 Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren vereinbart – unter anderem für Grundschule, Festhalle und Freibad.

Herbert O. Zinell Foto: Ziechaus

Bereits im November 2005 verabschiedeten die Gemeinderäte in Tennenbronn und Schramberg den ausgehandelten Vertrag. Der Bürgerentscheid vom 15. Januar 2006 brachte schließlich eine Zustimmung von 62 Prozent für die Eingliederung Tennenbronns nach Schramberg.

Soweit die weitgehend bekannten Stationen der Eingemeindung. Weitere Hintergründe und persönliche Einschätzungen Herbert Zinells sollen in einem weiteren Bericht folgen.

Mit einem Schmunzeln erwähnte Zinell am Ende noch eine persönliche Vorliebe: Besonders gern schreibe er mit dem Stift eines bekannten örtlichen Herstellers.