Bei der Aktion der IG Metall im Oktober 2020 für den Erhalt der Arbeitsplätze hören die Beschäftigten von Tenneco die Reden der IG Metall, von Werksleiter Christoph Baumann und von Blumbergs Bürgermeister Markus Keller. Foto: Lutz

Im Führungsteam des Ventilwerks von Tenneco in Zollhaus kommt es zu einem markanten Wechsel: Werksleiter Christoph Baumann hat gekündigt, sein Nachfolger wird Shiantha Sembacuttiaratchy, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Blumberg - In der Belegschaft, die durch einen Aushang im Werk informiert wurde, sorgte die Kündigung für einigen Gesprächsstoff. Der Betriebsratsvorsitzende Haydar Dogan sagte, er sei überrascht. Nach seinem Dafürhalten wechselten die Werksleiter im Ventilwerk in Zollhaus relativ oft. Der frühere Werksleiter Frank Scheppe sei im Jahr 2016 gekommen, im Februar 2019 habe er den Betrieb schon wieder verlassen. Scheppes Nachfolger Christoph Baumann war jetzt gut zwei Jahre im Werk.

Oliver Böhme von der IG Metall sieht das Ventilwerk vor großen Herausforderungen. Nachdem die Europäische Union das Ende des Verbrennungsmotors beschlossen habe, "müssen wir uns innerhalb von neun Jahren etwas überlegen, was in Blumberg künftig hergestellt wird". Vorige Woche hätten sie ihren Antrittsbesuch beim neuen Werksleiter gehabt, er habe gut zugehört. Und was sagt man in der deutschen Tenneco-Zentrale in Wiesbaden dazu? "Ich kann bestätigen, dass Herr Baumann das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen wird", teilte Kommunikationsmanager Stefan Zech auf Anfrage mit.

Shiantha Sembacuttiaratchy ist seit 2018 bei Tenneco beschäftigt und hatte nach Aussage von Stefan Zech verschiedene Funktionen mit wachsender Verantwortung inne, zuletzt als Direktor Qualität für das globale Ventilgeschäft der Tenneco Unternehmenssparte Powertrain, zu der auch das Ventilwerk in Blumberg gehört. Er ist in Frankfurt am Main geboren und Diplom-Ingenieur für Luftfahrttechnik, sein Studium absolvierte er an der Universität Stuttgart.

Vollständige Übernahme der Position ab ersten August

Was den Antritt der neuen Aufgabe durch Shiantha Sembacuttiaratchy anbelangt, wird es nach Aussage von Kommunikationsmanager Zech eine Übergangsphase geben, in welcher der bisherige Werksleiter Christoph Baumann für die Einarbeitung zur Verfügung stehe. Ein genauer Zeitplan für diesen Übergang befinde sich noch in der Abstimmung.

Wie wichtig Tenneco den Produktionsstandort Blumberg einordnet, macht Kommunikationsmanager Stefan Zech mit einem Satz deutlich: "Der Dienstsitz von Herrn Sembacuttiaratchy ist ­Blumberg, seine bisherige Position wird anderweitig besetzt." Die vollständige Übernahme der Position als Werksleiter durch den neuen Werksleiter Shiantha Sembacuttiaratchy sei für den 1. August vorgesehen.

Zollhaus ist mit 700 Beschäftigten Blumbergs größter Arbeitgeber. Die Produktion in Blumberg begann 1945, als Alfred Teves, einer der ­deutschen Wirtschaftspioniere im Automobilsektor, einen Teil seines Werkes aus Haitersheim in Baden nach Blumberg verlegte und mit der Produktion von Ventilen begann. Teves, so hieß in Blumberg auch das Werk, schrieb Erfolgs­geschichte, zeitweise arbeiteten dort fast 1200 ­Beschäftigte. 1968 übernahm der US-Konzert TRW das Ventilwerk, im Februar 1915 folgte dann der US-Konzern Federal Mogul, und seit 2018 gehört das Werk in Zollhaus zum US-amerikanischen ­Konzern Tenneco. Das Werk hat eine große Bandbreite: von kleineren Ventilen für Autos bis zu großen Last­wagenventilen, eine Stärke sind natriumgefüllte Hohlventile. Bisher wurden schon mehr als 1,4 Milliarden ­Ventile produziert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: