Nagold will Lärm mit Geschwindigkeitsreduzierungen bekämpfen. Ein legitimes Mittel, findet unser Kommentator. Und wundert sich, über die Vehemenz der Diskussion.
Wir leben in lärmenden Zeiten. Es dröhnt überall. Und das in solch einer Komplexität, dass es fast nicht mehr wahrgenommen wird. Vom Körper und der Seele des Menschen aber durchaus. Lärm macht krank! Und deshalb sollte – wo möglich – Lärm natürlich auch immer bekämpft werden.
Wenn die Stadt Nagold nun in ihrem „Lärmaktionsplan“ zu zwei weiteren Maßnahmen rät und auf stark befahrenen Straßen das Tempo reduzieren will, ist das absolut legitim. Es ist eine simple Lösung, die mit wenig Aufwand, durchaus zum Wohlbefinden lärmgeplagter Anwohner beitragen kann.
Denn das darf man bei all dem nicht vergessen: Dem Lärmaktionsplan liegen Messungen und Berechnungen zugrunde. Und die sagen klipp und klar, an welchen Orten in Nagold der Lärm für die Anwohner zu groß ist und reduziert werden sollte. Die Geschwindigkeit zu reduzieren, ist sicher nicht das Allheilmittel – aber es ist ein Mittel. Und zwar ein einfaches und kostengünstiges. Merke: Nur weil eine Lösung simpel ist, muss sie noch lange nicht schlecht sein.
Sicherheit und Wohlbefinden
Das gilt besonders im aktuellen Fall. Westlich des Viadukts auf der L 362 das Tempo von 70 auf 60 zu reduzieren, macht auch aus Sicherheitsgründen Sinn, sollte am besten sogar noch verlängert werden, mindestens über das komplette Viadukt. Und warum auf der Haiterbacher Straße noch 60 gefahren werden darf, erschließt sich eh nicht wirklich – so dicht an bebauten Flächen und geteilten Rad- und Fußwegen entlang. Auch dort wird – ganz nebenbei – nicht nur der Lärm reduziert, sondern zur Sicherheit und dem Wohlbefinden von Menschen beigetragen.
Man kann das alles anders sehen. Keine Frage. Doch alleine schon die Berechnung der zusätzlichen Fahrzeit von acht Sekunden auf der Strecke zum Viadukt und elf Sekunden in der Haiterbacher Straße macht deutlich, wie unbedeutend klein diese Tempo-Reduzierungen eigentlich sind.
Dass zwei AfD-Stadträte diese Veränderungen in der Ratssitzung verbal so eifrig ins Visier nahmen, „erhebliche Verlängerungen von Fahrtzeiten“ befürchteten, von „Gängelei“ sprachen oder gar die „Freiheit der Bürger eingeschränkt“ sahen, ist angesichts solcher Zahlen nichts anderes als viel Lärm um nichts.