Innerhalb weniger Tage wurde auf der B 32 an der Baustelle Hochbrücke geblitzt. Doch die Stadt begründet das nicht nur mit dem Argument „Geschwindigkeitsüberwachung“. Es sollen aber auch mehr Temposünder erwischt werden.
Immer öfter sind die Stativ-Blitzer der Stadt zu sehen. Und das lohnt sich offenbar. Auch an der Hochbrücken-Baustelle gab es innerhalb weniger Tage zwei Radarkontrollen. Doch es geht dem Rathaus nicht nur um die Bußgeldeinnahmen.
Rathaussprecherin Diana Fischer begründet die zweite Blitz-Aktion mit technischen Tests: „Die erneute Messung an der Hochbrücke diente nicht nur der Verkehrsüberwachung, sondern auch der Überprüfung der erweiterten technischen Einsatzmöglichkeiten, insbesondere in Fahrtrichtung Horb am Neckar.“
Die Blitzer an der Hochbrücke. Gerade die Positionierung der kleinen Stativ-Blitzer sorgte für Unmut.
Trotzdem hat das Rathaus schon mindestens zweimal hier blitzen lassen. Einmal am 26. Juni und am 3. Juli. Und es lohnt sich offenbar. Die Rathaussprecherin: „Bei der ersten Geschwindigkeitsmessung wurden Verstöße im zweistelligen hohen Bereich festgestellt, was dem durchschnittlichen Niveau einer stark befahrenen Straße entspricht. In beiden Fahrtrichtungen wurde eine nahezu gleiche Anzahl an Verstößen festgestellt, mit nur einer geringfügigen Abweichung von zehn Überschreitungen.“
Das Rathaus bestreitet allerdings, dass man die Messungen aus Geldgründen macht. Die Sprecherin: „Aus Sicht der Stadtverwaltung stehen bei Geschwindigkeitsmessungen nicht die wirtschaftlichen Einnahmen im Vordergrund, sondern die Verkehrssicherheit.“
Rathaus: Es geht auch um die technische Optimierung
Aha. Trotzdem wurden die Blitzer so kurz hintereinander an der Hochbrücke platziert. Warum? Die Rathaussprecherin: „Bei der Prüfung der technischen Einsatzmöglichkeiten handelt es sich beispielsweise um Einstellungen am Messsystem zusammen mit einem Standortwechsel. Das Ziel ist, die Bildqualität zu verbessern. Dies soll auch verhindern, dass Bilder entstehen, bei denen die A-Säule des Fahrzeugs den Fahrer verdeckt. Darüber hinaus wird versucht zu analysieren, weshalb es bei einer Messung zu Annullierungen gekommen sein könnte.“
Bei den Bußgeldern in der Stadtkasse ist einiges aufzuholen
Wenn der Raser nicht auf dem Foto ist, weil die A-Säule ihn verdeckt, wird es wohl schwieriger, den Temposünder zu belangen. Fakt ist: In den letzten Zahlen des Rathauses wird deutlich, dass die Stadt bis zum 31. März weniger Einnahmen aus Bußgeldern hat. Vor einem Jahr hatte das Rathaus bis zum Ende des ersten Quartals 582.969 Euro eingenommen. Bis Ende März 2024 waren es lediglich 534.212 Euro aus Bußgeldern.
Und weil die wiederholte Messung an der Hochbrücke dazu diente, die „Erwisch-Quote“ zu erhöhen, sollten Autofahrer an allen abschüssigen Strecken aufpassen. Die unauffälligen Stativ-Blitzer der Stadt waren unserer Redaktion zum ersten Mal im Oktober 2023 an der Bildechinger Steige beim Schuhhaus aufgefallen. Auch eine abschüssige Strecke. Gut möglich, dass die Teile jetzt auch zwischen Ahldorf und Mühlen oder anderen Bergab-Strecken eingesetzt werden.
Auch der Landkreis Freudenstadt legt nach. Er hat jetzt einen sogenannten „Enforcement-Trailer“ angeschafft. Landkreis-Ordnungsamtleiter Peter Kuptz rechnete bei den Haushaltsverhandlungen im letzten Jahr mit 300.000 Euro Mehreinnahmen durch den mobilen Blitzer.