Auch diese Telefonstele in Endersbach wird verschwinden. Foto: /Gottfried Stoppel

Aus für ein Kulturgut und einst beliebtes Stadtmöbelstück: Die Telekom hat angekündigt, die letzten Telefonzellen endgültig abzubauen.

Fasse dich kurz! Nur den Älteren unter uns dürfte dieser Satz noch etwas sagen. Schlangen vor Telefonzellen gibt es schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das Handy hat dem einst beliebten Stadtmöbelstück, in dem es immer ein wenig nach Urin und kaltem Rauch roch, den Rang abgelaufen. Jetzt hat die Telekom angekündigt, die letzten 12 000 Häuschen und Stelen endgültig abzubauen. In guten Zeiten standen deutschlandweit einmal zwölfmal so viele.

 

Wer ein letztes Mal mit seinen Zehnerle am Münzfernsprecher telefonieren möchte, muss dies bis zum 21. November erledigt haben. Dann werde die Münzfunktion abgeschaltet, kündigte die Telekom jetzt in einem Schreiben an die Städte, Gemeinden und kommunalen Spitzenverbände an. Das endgültige Aus kommt demnach im Februar, wenn auch die Zahlungsfunktion mit Telefonkarte deaktiviert und die gesamte Technik abgestellt werde. Bis Anfang 2025 sollen die letzten öffentlichen Telefone dann überall aus dem Stadtbild verschwinden.

Der Abbau spart viel Energie

Die Entscheidung des ehemaligen Staatsunternehmens passt energiepolitisch in die Zeit. Im Schnitt verbrauche eine Telefonzelle zwischen 500 und 1250 Kilowattstunden im Jahr. Man spare also zwischen sechs Millionen und 15 Millionen Kilowattstunden jährlich ein. Das entspreche dem Stromverbrauch von mehreren Tausend Wohnungen.

Auch der Unterhalt, die Reinigung und die Beseitigung von Schäden schlug kräftig zu Buche. Dabei sei es immer schwieriger geworden, Ersatzteile zu beschaffen. Demgegenüber blieb der Erlös pro Zelle zuletzt sehr überschaubar. An 3800 Standorten sei im vergangenen Jahr überhaupt kein Gespräch mehr geführt worden.

Viele Bürgermeister, die sonst mit Argusaugen darauf achten, dass ihre kommunale Infrastruktur keine Verluste erleidet, sehen die Entwicklung deshalb gelassen. Bis 2021 mussten sie jeden einzelnen Abbau erst noch genehmigen, doch das war zuletzt nur noch Formsache. „Ich habe mich schon gewundert, wie lange die Telefonzellen noch rumstehen“, sagt etwa der Calwer Oberbürgermeister Florian Kling (SPD). Zehn Häuschen gibt es gegenwärtig noch im Stadtgebiet, nachdem er in den vergangenen zweieinhalb Jahren den Abbau von drei Telefonzellen genehmigt hatte. Er habe noch einmal nachgeschaut: „Die jährlichen Umsätze lagen bei 1,42 Euro, 3,03 Euro und 1,65 Euro.“

Dass das Handy überall die Telefonzelle ersetzt habe, entspreche jedoch leider nicht der Realität, sagt Kling. Immer noch gebe es gerade im Schwarzwald keine flächendeckende Mobilfunkversorgung. So seien die Menschen in Altburg, einem Calwer Stadtteil mit 4000 Einwohnern weiterhin ohne Empfang. Immerhin will die Telekom jeden vierten Telefonhäuschenstandort aus diesem Grund behalten – ohne Telefon, dafür mit einer kleinen Antenne ausgestattet. Diese „Small Cells“ sollen den örtlichen Mobilfunkempfang verbessern, erklärte die Telekom.

Die alten Telefonzellen werden verkauft

Mit dem Abbau der Telefonhäuschen geht derweil eine fast 150-jährige Industrialisierungsgeschichte in Deutschland zu Ende. Der erste „Fernsprechkiosk“ war 1881 in Berlin in Betrieb gegangen. Seit 1899 gab es Münzfernsprecher. Immerhin: Nostalgiker können sich ein altes Telefonhäuschen für zu Hause sichern. Die abgebauten Zellen würden verkauft, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Sie stehen in einem Waldstück bei Michendorf in der Nähe von Potsdam. Die Preise liegen bei mehreren hundert Euro. Doch Enttäuschungen sind nicht ausgeschlossen: „Gelb ist leider schon aus.“

Der Weg zum eigenen Telefonhäuschen

Bestellung
Wer noch eine Telefonzelle erwerben möchte, bitte einfach unser Kontaktformular (https://www.telekom.de/kontakt/e-mail-kontakt/telekom-hilft-kontaktformular) ausfüllen und dort den vollständigen Namen, Anschrift, Telefonnummer und Kontakt-E-Mail-Adresse nennen.

Abholung
Die Bestellung einer Telefonzelle ist einfach. Allerdings muss sie auch selbst abgeholt werden. Als normales Sperrgut bei der Post ist sie auch zu groß.