Wer sich während der Weihnachtsfeiertage einsam fühlt und mit jemandem darüber sprechen möchte, kann die Nummer der Telefonseelsorge wählen. (Symbolfoto) Foto: caftor – stock.adobe.com/Tatsiana Yatsevich (Caftor)

Nicht nur an den Weihnachtsfeiertagen hat die Telefonseelsorge viel zu tun. Oft geht es bei den Anrufen um Streit in der Familie.

„Da gibt es den Mythos“, sagt Pfarrer Ulrich Weber lächelnd, „wonach die Telefonseelsorge an Weihnachten Doppelschichten fahren müsse. Dem ist nicht so. Weihnachten ist für uns ein Tag wie jeder andere auch. Wir sind nämlich jeden Tag überlaufen, unsere Telefonleitungen sind völlig ausgebucht, durchaus nicht nur an Weihnachten.“

 

Nicht zuletzt aus diesem Grund plant die Telefonseelsorge Nordschwarzwald mit Sitz in Pforzheim, im neuen Jahr eine Außenstelle in Freudenstadt zu eröffnen. Einsamkeit ist ein großes Thema bei den Anrufen der Telefonseelsorge. Nicht nur bei Senioren, sondern auch bei jungen Leuten, Kindern und Jugendlichen in zunehmendem Maße.

Dienst an Heiligabend

„Einsam inmitten von Menschen, einsam trotz der unbeschränkten Kontakte über die sozialen Netzwerke“, so weiß Ulrich Weber. Einsam gerade an Heiligabend, an den Feiertagen und in den Nächten zwischen den Jahren, sollte man meinen.

Doch Webers Erfahrungen sind ganz anders: „Weihnachten in der Familie kann zur Herausforderung werden, das Zusammenkommen im Familienverbund ist oft problematisch. In dieser Zeit sind Beziehungskonflikte oder bereits vorhandene und wieder aufbrechende familiäre Verwerfungen der häufigste Grund für Anrufe bei uns. Weihnachten in der Familie ist eben nicht immer und überall das Fest, an dem nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.“

Und doch ist auch für Ulrich Weber die Heilige Nacht eine besondere Nacht. Dies gelte auch für Diensthabende in pflegenden und helfenden Berufen. „Es finden sich immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich ganz gezielt für Dienste an diesem Abend und in dieser Nacht freiwillig melden. Sie sagen sich: Ja, da kann ich was tun, da kann ich etwas bewegen.“

Von Religion unabhängig

Der Mensch, so Weber weiter, lebe nun mal davon, gehört und beantwortet zu werden. Das sei so wichtig wie das tägliche Brot. „Wie oft hören unsere Mitarbeiter von Anrufern den Seufzer: Sie sind heute der erste Mensch, mit dem ich spreche. Telefonseelsorge ist ein Dienst an der Bevölkerung und ein wichtiger Baustein in der psychosozialen Versorgung“, sagt Pfarrer Ulrich Weber (61), der seit zwölf Jahren die telefonische Seelsorge Nordschwarzwald leitet, zuständig für ein Gebiet zwischen Bruchsal und Schenkenzell.

Die Telefonseelsorge ist eine von den vier Landeskirchen getragene ökumenische Einrichtung, die Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit zuhört und oft jahrelang begleitet. Kostenlos und immer anonym: „Wir sind verschwiegener als der Bundesnachrichtendienst“, lächelt Pfarrer Weber.

Auf ehrenamtlicher Basis

Telefonseelsorge geschieht auf ehrenamtlicher Basis, derzeit mit etwa 90 Mitarbeitern, in der Mehrzahl Frauen in der zweiten Lebenshälfte, vielfach aus helfenden Berufen kommend. Telefonseelsorger durchlaufen eine 14-monatige Ausbildung vorwiegend an Wochenenden, bilden sich ständig weiter, auch in regelmäßiger Supervisionsarbeit. Telefonseelsorge gibt es auch als Mail- und als Chat-Seelsorge.

Informationen unter www.telefonseelsorge-nsw.de. Die Telefonseelsorge ist bundesweit unter Telefon 0800/1110-111 oder 0800/1110-222 zu erreichen.

Außenstelle

In Freudenstadt
 Die Telefonseelsorge Nordschwarzwald wird spätestens im Juni 2025 mit Unterstützung durch die Landkreisverwaltung eine Außenstelle in Freudenstadt eröffnen. Eine selbstständige Ausbildungsgruppe arbeitet bereits seit Mai dieses Jahres, eine zweite Gruppe wird im Mai 2025 die Ausbildung beginnen. Hierfür werden noch Interessenten gesucht. Die Telefonseelsorge möchte damit nach Worten ihres Leiters Ulrich Weber ihre Erreichbarkeit und ihre Kapazitäten erhöhen und die Zahl der Ausgebildeten verdoppeln.