Ein Telefonbetrüger ist bei einer Schwenningerin nicht weit gekommen. Sie durchschaute den Versuch und stellte dem Anrufer eine Falle. Foto: © yamasan - stock.adobe.com

Eine Schwenningerin wurde jüngst in einen Betrugsanruf verwickelt. Dieser scheiterte allerdings aufgrund der Aufmerksamkeit der Frau, die dem Anrufer eine Falle stellte.

VS-Schwenningen - Die bekannten Maschen sind mittlerweile weit verbreitet. Ob Enkeltrick oder falscher Polizeibeamte – zahlreiche Betrugsanrufe führten bislang schon zu teils erheblichem finanziellen Schaden bei den Opfern. Jüngst wurde eine Schwenningerin in eine andere Art von Betrugsanruf verwickelt, der allerdings zu keinem Schaden führte, da sich die Angerufene nicht verunsichern ließ. Im Gegenteil: Sie wusste genau, wie sie den Anrufer aus der Reserve locken konnte.

 

In diesem Fall handelte es sich allerdings nicht um den sogenannten Enkeltrick oder einen Anruf eines angeblichen Polizeibeamten. Stattdessen meldete sich ein Mann, der sich als Mitarbeiter einer Lotto-Gesellschaft ausgab, von einer Telefonnummer mit Nürnberger Vorwahl. "Er nannte meinen vollständigen Namen und wollte wissen, ob ich am Apparat sei", schildert die Schwenningerin den Einstieg in das Telefonat im Gespräch mit unserer Redaktion. "Daraufhin fragte er sehr höflich, ob ich vergessen hätte, meine für drei Monate kostenlosen Lottoscheine zu kündigen, oder ob ich diese gar nicht kündigen wollte, sodass sie in ein Jahresabo übergehen", erinnert sich die Frau.

Konkrete Daten sollen verunsichern

An dieser Stelle war die Angerufene gleich skeptisch und wusste, worauf es hinauslaufen würde. Denn sie spielt überhaupt nicht Lotto. Das sagte sie dem Anrufer auch, der daraufhin mit seiner Masche fortfuhr. "Er erklärte mir, ich hätte am 9. September um 18.54 Uhr per E-Mail bestätigt, dass ich die kostenlosen Lottoscheine für drei Monate haben möchte", berichtet unsere Leserin. "Das war natürlich Quatsch."

Im Folge des Gesprächs versuchte der Anrufer den Druck auf die Frau zu erhöhen – nach wie vor freundlich und höflich, wie sie betont. "Er sagte mir, normalerweise müsste ich jetzt mangels Kündigung die Scheine für zwölf Monate beziehen. Da sie aber ihren Kunden entgegenkommen wollten, falls diese die Kündigung versäumt hätten, bieten sie an, lediglich drei Monate zu jeweils 59,95 Euro bezahlen zu müssen."

IBAN-Abfrage missglückt

Die Angerufene ließ sich allerdings weiterhin nicht verunsichern, auch nicht, als der Anrufer ihre vollständige Adresse vorlas, um in der Folge lediglich noch die IBAN abgleichen zu wollen, "damit die 59,95 Euro per Lastschrift abgebucht werden können". Nur dann, so zitiert die Schwenningerin, könne das Abo auf drei Monate beschränkt werden. "Daraufhin fragte ich, ob er mir denn meine Bank nennen kann, wenn er die Daten ja sowieso zum Abgleich vorliegen habe." Etwas verunsichert meinte er, er wisse nicht, ob er aus Datenschutzgründen die IBAN nennen dürfe. "Daraufhin habe ich nochmal betont, er müsse mir ja nur die Bank nennen, nicht die IBAN." Auch das hätte er zur Sicherheit fragen müssen, wodurch er sich Zeit verschaffte. Die Frau sei tatsächlich für einen Moment stumm geschalten gewesen und hörte nichts mehr am anderen Ende der Leitung. Zurück am Apparat sagte der Anrufer dann: "Also, es ist die BW-Bank."

Die Angerufene schmunzelt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Leider falsch geraten!" Das sei nicht die richtige Bank gewesen und der Betrüger damit aufgeflogen. "Allerdings hat er danach nicht einmal aufgegeben und wurde auch nicht unhöflich, als ich sagte, ich gebe meine IBAN nicht raus", zeigt sich die Frau noch immer verwundert. "Er meinte lediglich: ›Gut, dann werden Ihnen die 59,95 Euro für weitere zwölf Monate eben abgebucht. Dann kann ich leider nichts mehr für Sie tun.‹ Daraufhin wünschte er mir einen schönen Tag und verabschiedete sich – so höflich wie zu Beginn des Telefonats." Selbstverständlich ist in der Folge nichts auf dem Konto des vermeintlichen Opfers passiert.

Vorgehensweise ist nicht neu

Die Masche ist, so ergab es unsere Recherche, aber gar nicht neu. Unter den Stichworten "Telefonbetrug Lotto Nürnberg" finden sich über Google sofort entsprechende Kommentare und Hinweise, die zum Teil aus dem Jahr 2020 stammen. Die Betroffenen schildern den Tonfall und die Ansprache der Anrufer allerdings nicht immer so nett und höflich, wie es im Fall der Schwenningerin abgelaufen ist. Es ist von sehr persönlichem Duzen bis hin zu unverschämten Reaktionen die Rede.

Polizei sind keine Fälle im Zuständigkeitsgebiet bekannt

Beim für den Schwarzwald-Baar-Kreis zuständigen Polizeipräsidium Konstanz ist die Masche in der Form allerdings noch nicht in Erscheinung getreten oder wurde belegbar zur Anzeige gebracht. Pressesprecher Jörg Kluge sagt zu dem geschilderten Fall: "Das ist eine der vielen Varianten des Telefonbetrugs, wo sich allerdings auch viele ›halbseriöse‹ Werber oder Vermittler von neuen Abos tummeln, die einfach versuchen, irgendwie einen Abschluss zu machen."

Es sei aber kein "klassisches" Delikt des Telefonbetrugs zum Nachteil älterer Menschen und deshalb auch nicht gesondert erfasst. Anders sei das eben beim "falschen Polizeibeamten" oder dem "Schockanruf", so Kluge. "Mir persönlich ist diese Betrugsform in der Art nicht bekannt, sehr wohl aber in der abgeänderten Form des sogenannten ›Gewinnversprechens‹", erklärt der Polizeisprecher. Dabei werde an die Auszahlung eines vermeintlichen Lottogewinns eine Vorabbezahlung von Gebühren gebunden, die dann der Betrüger einsackt. "Zu einer Gewinnauszahlung kommt es natürlich nicht", warnt Kluge vor dieser Betrugsmasche.