Wenn Unbekannte anrufen, ist Vorsicht angesagt. Sonst ist das Geld schnell weg. Foto: Rousek

Ein Ehepaar aus Altburg erhält jüngst einen Anruf, der sich schnell als Betrugsmasche herausstellt. Ein weiterer Bürger erzählt ähnliches. Hereingefallen ist keiner von ihnen. Doch wollen sie andere warnen – denn Telefonbetrug ist keine Seltenheit.

Calw-Altburg - Das Telefon klingelt. Die Nummer auf dem Display? Unbekannt. Am Apparat ist eine Frau. Sie weint. Nach kurzer Zeit gibt sie weiter an eine Polizeibeamtin. Die erklärt, dass die Tochter der Angerufenen einen Unfall mit Todesfolge verursacht hat. Sie hätte am Steuer telefoniert und dabei ein Stop-Schild überfahren. Daraufhin sei es zum Unfall gekommen. Damit die Tochter nicht in Untersuchungshaft muss, sollen die Eltern, ein älteres Ehepaar aus Altburg, einen fünfstelligen Euro-Betrag oder Wertgegenstände nach Heidelberg bringen, als Kaution sozusagen. Die Angerufenen sollen aber niemandem davon erzählen.

"Spätestens dann läuteten die Alarmglocken und wir legten auf", sagt Bernd Wetzel aus Altburg. Er schildert einen Anruf, den er und seine Frau vor einigen Tagen erhalten haben. "Zuerst dachten wir, dass tatsächlich die Polizei uns informiert über einen schrecklichen Unfall mit Todesfolge einer unserer Töchter", meint er. "Nach einigen Minuten erkannte vor allem meine Frau, dass hier Betrüger am Werk sind."

Warnung ausgesprochen

Weil Wetzel und seine Frau andere Bürger vor solchen Anrufen warnen wollen, wenden sie sich an unsere Redaktion. Ein anderer Mann, ebenfalls aus Altburg, schildert einen ganz ähnlichen Fall. Auch er erhielt vor wenigen Wochen einen Anruf von Unbekannten, demzufolge seine Tochter dringend Geld braucht. Genauso wie das Altburger Ehepaar ist auch er der Betrugsmasche nicht auf den Leim gegangen.

Solche Anrufe sind inzwischen ein "ernsthaftes Problem in Deutschland", wie auf der Homepage des Weißen Rings, ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, zu lesen ist. 2021 wurden 793 622 Fälle angezeigt. Zwar weniger als in den Vorjahren (2020: 808 074, 2019: 832 966). Doch wie dem Sicherheitsbericht 2021 des baden-württembergischen Innenministerium zu entnehmen ist, ist der Gesamtschaden gestiegen. "Herausragende Einzelfälle", wie es dort heißt, verursachten teilweise Schäden in Millionenhöhe. "Wir haben die betrügerischen Anrufe weiter im Fokus und nehmen dieses perfide Vorgehen sehr ernst", so Innenminister Thomas Strobl (CDU) dazu.

Die Opfer solcher Telefonbetrugsmaschen sind zumeist ältere Menschen, die – wenn der Schwindel nicht rechtzeitig auffliegt – um Wertsachen oder ihr Erspartes gebracht werden.

Sehr erfinderisch

"Um an die Ersparnisse, Bargeld und an die Wertsachen älterer Menschen zu kommen, sind die Telefonbetrüger sehr erfinderisch", informiert der Weiße Ring. Gezielt rufen sie zum Beispiel ganz früh oder sehr spät an und nutzen es aus, dass ihr Opfer unausgeschlafen, müde oder noch nicht ganz fit ist, ist auf der Homepage weiter zu lesen. "Außerdem erzeugen die Täter gleich zu Gesprächsbeginn eine Vertrautheit, die nur vorgespielt ist."

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Geschichten, die die Betrüger ihren potenziellen Opfern auftischen, um ihr Ziel zu erreichen. Sei es der Enkeltrick (jemand gibt sich als Enkelkind aus und bittet wegen einer angeblichen Notlage um Geld), falsche Polizisten (angebliche Polizisten warnen vor Einbrüchen und raten dazu, Bargeld und Wertsachen abzugeben) oder falsche Gewinnversprechen (man soll etwas gewonnen haben, muss zuvor aber ein Abo abschließen oder eine Gebühr entrichten). Zeitweise ging es bei den Betrugsmaschen auch um angebliche Corona-Erkrankungen oder gar Impfstoff-Angebote, als dieser noch ein rares Gut war.

Besonders tückisch: Im Falle von falschen Polizisten wird auf dem Telefondisplay oft die Nummer "110" angezeigt. Doch die "echte" Polizei würde niemals von dieser Telefonnummer aus anrufen, gibt das Polizeipräsidium Pforzheim zu bedenken.

Wichtig sei bei alledem, so rät der Weiße Ring, immer misstrauisch zu bleiben, wenn ein Fremder anruft. Man solle niemals auf Geldforderungen von Fremden eingehen und auch keine persönlichen Fragen beantworten. Stattdessen sofort auflegen. Und – so, wie es das Altburger Ehepaar tut – mit anderen Menschen darüber sprechen, um über die Gefahren von Telefonbetrug aufzuklären.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu regelrechten Wellen an betrügerischen Anrufen im Kreis Calw und der Region. In Neuenbürg und in Heumaden sind erst vor wenigen Wochen zwei ältere Damen Opfer von Trickbetrügern geworden. Im Falle der Frau aus Neuenbürg konnten beim Versuch, das bereitgelegte Geld abzuholen, drei Tatverdächtige festgenommen werden. Auch die Dame aus Heumaden hatte Glück im Unglück: Die Polizei erwischte den mutmaßlichen Täter samt der Wertgegenstände – er wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft vorgeführt.