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Telefon-Betrugsmasche Falsche Polizisten suchen Opfer in VS

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Anrufe von "falschen Polizisten" häufen sich. (Symbolfoto) Foto: benjaminnolte/motortion – stock.adobe.com

Verstärkt treten Betrüger in der Region auf, die sich als Polizisten ausgeben und es auf die Herausgabe von Wertgegenständen abgesehen haben. Von ihren Tricks erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Villingen-Schwenningen - Die Antwort von Jörg Kluge von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz fällt unmissverständlich aus: In Bezug auf die Betrugsmaschen spricht Kluge von einer "massiven Flutung". Hochkonjunktur, so schließen sich auch Mitarbeiter des Opferschutzvereins Weißer Ring den Beobachtungen der Polizei an, haben "falsche Polizisten", die vor allem ältere Menschen manipulieren und in eine sich immer schneller drehende Angstspirale treiben.

Von wegen Microsoft

Volker Bausch, lange Jahre bei der Polizei in VS, ist sicherlich nicht der geeignete Mann für eine Telefon-Betrugsmasche. Eher sarkastisch schildert Bausch, der seit einiger Zeit als Opferberater beim Weißen Ring tätig ist, wie er kürzlich an einem Tag gleich zwei Mal von einem angeblichen Microsoft-Mitarbeiter angerufen wurde, "penetrant" sei nach seinem Passwort gefragt worden. Der Fake-Mitarbeiter wollte auf diesem Wege Probleme im Betriebssystem beheben. "Doch sobald Sie Passwörter und Anmeldedaten preisgeben, haben sie schon verloren", meint er und warnt: "Kein Mitarbeiter, weder von einer Bank noch von einem Computer-Konzern ruft an, um Passwörter oder Zugangsdaten zu erfragen."

Die Sache mit der 110

Der "Enkeltrick" und die damit verbundenen Schockanrufe ziehen zwar noch immer entsetzten wie besorgten Menschen das Geld aus der Tasche, doch kein Gesprächspartner lässt ihn an diesem Tag aus, den "falschen Polizisten", der offensichtlich wieder Hochkonjunktur und sich das Oberzentrum als Revier ausgesucht hat. Gerne benutzen Banden dazu auch über ein Computerprogramm gefälschte Rufnummern, vor allem die 110, um sich Eindruck und Respekt zu verschaffen.

Der Stoff für die Lügengeschichten ist immer der gleiche: Die "Fake-Polizisten" tauchen auf, erzählen am Telefon von einer Einbruchsserie in der Nachbarschaft und einem möglichen Einbruch auch "in Ihrem Haus, da der Name auf der Liste der Bande steht". Die Frage nach Wertgegenständen werde allzu schnell mit einem Ja beantwortet. Nur zu gutmütig gehen meist ältere Menschen auf das Angebot der Banden ein, Kurieren doch Geld und Schmuck auszuhändigen, "damit wir die im Tresor der Polizei fürs Erste aufbewahren können, bevor Sie das dann alles zu ihrer Bank bringen".

Der vermeintliche Oberkommissar Maier schickt gleich den Kollegen Müller vorbei, das war es dann auch mit dem "Polizei-Einsatz". Die Opfer sehen ihre Wertsachen nie wieder, manchmal gaben sie sogar ihre Kontoverbindungen preis. Der Preis dafür: Teilweise lösten sich Beträge in fünf- oder sechsstelliger Höhe in Luft auf.

Max Bammert, einst Lehrer an der Bickebergschule und nun für die Prävention beim Weißen Ring zuständig, stellt sich die Frage: "Warum fallen Menschen darauf rein?" Auffallend für ihn ist das systematische Vorgehen der Täter, die in der Hauptsache aus Osteuropa und der Türkei stammen. Falsche Polizisten, falsche Stromableser, falsche Bankmitarbeiter: Das Spektrum ist breit, die Raffinesse der Täter umso verfeinerter.

Was rät der erfahrene Mitarbeiter? "Das Wichtigste ist, selbst aktiv zu werden, den Spieß herumzudrehen und Informationen einzuholen, ob es sich tatsächlich um Polizisten, Stromableser oder den Enkel handelt." So könne man sich gegen den Folgeanruf wappnen, "der sicherlich kommt". Denn, so Bammert, "diese Betrüger sprechen akzentfrei Deutsch, sind gut geschult und manipulativ".

Wenn ein Unbekannter an der Wohnungstür erscheint und vorgibt, für ein Unternehmen oder eine Behörde beauftragt zu sein, dann sollte man misstrauisch sein und die Initiative ergreifen, indem man den Unbekannten nicht in die Wohnung lässt, sondern bei der angeblichen Firma sich telefonisch erkundigt, was hinter der Sache steckt.

Mulmiges Gefühl

Diese neue Flut an "falschen Polizisten" ist für Jochen Link, Leiter der Außenstelle des Weißen Rings im Schwarwald-Baar-Kreis, nichts Ungewöhnliches. "Solche Betrugsmaschen kommen in Wellen." Aus Gesprächen weiß er, dass die Arglosigkeit der Opfer nicht bis zum Auffliegen des Betruges bleiben, sondern auch schnell verpuffen kann. Mancher habe bereits nach dem Auflegen des Hörers das mulmige Gefühl gehabt, "jetzt habe ich einen großen Fehler gemacht". Wer sind diese Menschen, die subtil Druck aufbauen und Ängste schüren und Menschen nicht selten um ihre ganze Altersvorsorge bringen? Meistens aus dem Osten, bekräftigt auch er. Selbst aus litauischen Knästen heraus, so entnahm er Ermittlungen, habe man versucht, Menschen im Westen um ihr Geld zu bringen.

Zerwürfnis zementiert

Einen Fall wird Link nicht so schnell vergessen. Eine Anruferin versuchte, ein älteres Ehepaar aus dem Kreis um eine fünfstellige Summe zu prellen. Nach den Recherchen der Polizei war klar: "Das Telefonat ging nicht von der Schwiegertochter aus, sondern kam aus einem osteuropäischen Land." Doch die Opfer beharrten darauf, das "war die Schwiegertochter", die mit dem Sohn in Bayern lebt.

Link versuchte zu vermitteln und die beiden vom Gegenteil zu überzeugen, ohne Erfolg. "Das hat mir emotional weh getan." Die Familie sei zerrüttet, es gebe weder gemeinsame Geburtstage noch ein gemeinsames Weihnachtsfest mehr. "Die beiden wollten wohl einfach nicht wahr haben, dass sie getäuscht worden sind." Denn betrogen worden zu seien, "ist für viele ein herber Schlag ins Gesicht, nicht nur finanziell".

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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