Eine Gruppe Helfer pflanzt zusammen mit Initiator des Teilhabegartens, Werner Lauber (rechts), verschiedene Pflanzen. Foto: Caritasverband für den Landkreis Lörrach

Der Kreisverband der Caritas weiht in Haltingen den Teilhabegarten für psychisch belastete Menschen ein.

Im Herbst wird üblicherweise die Ernte eingefahren, beim neuen Teilhabegarten in Haltingen hingegen stehen derzeit die Zeichen noch ganz auf Wachstum. Das Projekt des Caritasverbands für den Landkreis Lörrach, das sich an Menschen mit seelischen Belastungen aus der ganzen Region richtet, wurde nach einer kurzen Aufbauphase nun im Rahmen einer kleinen Feier offiziell eingeweiht.

 

Der Teilhabegarten bei der Kirche St. Maria in Haltingen soll ein Ort werden, den die Klienten des Caritas-Fachbereichs für seelische Gesundheit selbst gestalten und an dem sie sich entfalten können. „Ein Ort, wo man Gutes erfahren kann“, wie Fachbereichsleiter Werner Lauber bei der Eröffnung sagte.

Die Idee, mit einem Gartenprojekt einen Entfaltungsraum für psychisch kranke Menschen zu schaffen, hat Werner Lauber lange mit sich herumgetragen. Nach langer Suche hat sich nun im Haltinger Pfarrgarten ein geeigneter Ort gefunden, an dem die Saat bereits sichtbar aufgeht. Eingerahmt von Pfarrhaus, Kirche und Gemeindehaus hat das Vorhaben auf dem gleichermaßen zugänglichen wie abgeschirmten Gelände in den Wochen seit den Sommerferien bereits Gestalt angenommen. Fein gezimmerte Hochbeete sind fachmännisch mit Erde befüllt und teilweise auch schon von den ersten Pflanzen bewachsen. Hölzerne Kompostgestelle lassen ahnen, dass es hier um nachhaltige Gartenarbeit geht, während Feuerschalen, Grill und Bänke verdeutlichen, dass dem Miteinander eine besondere Bedeutung zukommt.

Sich das Werk zu eigen machen

Der Teilhabegarten richtet sich in erster Linie an Menschen mit seelischen Belastungen, vielfach handelt es sich um Bewohner der Wohngemeinschaften, die von der Caritas an unterschiedlichen Orten im Landkreis angeboten werden. Das Projekt in Haltingen möchte sie zusammenführen und – der Name ist Programm – an dessen Entwicklung teilhaben lassen. Mehr noch: Idealerweise sollen sich die Klienten das Werk zu eigen machen. Wichtiger Bestandteil des Konzepts sind deshalb demokratische Strukturen, die vom Betreuerteam derzeit implementiert werden.

Schon in der Aufbauphase wurde bei den wöchentlichen Treffen eingeübt, wie Arbeit und Zusammensein gemeinschaftlich gestaltet werden können. Dass sich alle in ihrer Individualität einbringen und mitentscheiden können, ist ebenso eine Frage des Respekts wie auch die Rücksicht auf Einzelne, die innerhalb des gemeinsamen Projekts ihren eigenen Weg gehen, sprich ihr eigenes Beet haben wollen.

Platz für Individualität

„Die Individualität, die Eigenschaften, die Verhaltensweisen und die Gewohnheiten von Menschen sind sehr unterschiedlich, genau so groß ist die Bandbreite an Bedürfnissen, an Empfindungen und Wahrnehmungen“, heißt es im Konzept für das neue Angebot. Der Teilhabegarten biete all das an einem einzigen Ort, sagte Werner Lauber beim Einweihungsfest.

Wie sehr die Nutzer den Entfaltungsraum bereits in Beschlag genommen haben, zeigt das Beispiel eines Klienten, der sich selbst als „schwer traumatisiert“ bezeichnet. Immer, wenn er im Teilhabegarten tätig ist, finde er Ruhe sowie Freude an der Arbeit und an den Begegnungen. „Das ist mein Ort“, sagt er.

Kein Winterschlaf im Garten

In den nächsten Monaten wird der Teilhabegarten keineswegs in den Winterschlaf fallen. Der Plan ist, Hügelbeete vorzubereiten, weitere Stauden zu pflanzen, mit Nachbarn in Kontakt zu kommen und zu überlegen, wie sich künftige Ernten zu leckeren und schönen Dingen verarbeiten lassen. Wie viel davon zu welcher Zeit realisiert wird, bleibt notwendigerweise offen. Denn das Team des Fachbereichs will nichts Fertiges anbieten, vielmehr sollen die teilhabenden Nutzer die Entwicklung gestalten und dabei das Tempo vorgeben.

Die Voraussetzungen in Haltingen sind aus Sicht der Caritas optimal, zumal das Projekt in der Gemeinde sehr willkommen ist. Dies machte Sandra Wehrle im Namen des Gemeindeteams bei der Eröffnung in einer kleinen Ansprache deutlich. Und sie hatte ein passendes Geschenk dabei: ein Samentütchen Marke „Traumgarten“.