Mehr als nur Sport: die Tischtennis-Gruppe des TSV Calw steht vor allem für Beständigkeit und Gemeinschaft. Foto: TSV

Spieler der Tischtennis-Gruppe des TSV Calw berichten von Anfängen, Zusammenhalt und der Bedeutung des Dranbleibens.

Ein Freitagabend in der Kimmichstube in Calw: Nach dem Training sitzen Jürgen Rentschler und Ernst Schmid beisammen, essen gemeinsam, trinken ein Bier. Früher war der Tisch voll, heute sind sie zu zweit geblieben. Doch was geblieben ist, ist mehr als Gewohnheit – es ist eine über Jahrzehnte gewachsene Kameradschaft und ein Stück Calwer Sportgeschichte, heißt es in einer Pressemitteilung. Stellvertretend für die Tischtennis-Gruppe des TSV Calw erzählen die beiden von Anfängen, Zusammenhalt und der Bedeutung des Dranbleibens.

 

Der Ursprung Die Wurzeln der Tischtennis-Abteilung reichen zurück bis etwa ins Jahr 1970 – damals noch nicht unter dem Vereinsdach des TSV Calw, sondern als Betriebsmannschaft der Firma Bauknecht. „Ins Leben gerufen hat das Franz Nothelfer“, erinnert sich Schmid. „Er hat die Betriebsmannschaft gegründet, und wir haben in der Betriebsrunde gegen andere Firmen gespielt.“

Rentschler ergänzt: „Das war eine ganz besondere Zeit. Bauknecht hat alles organisiert und gesponsert – wir hatten sogar einen kleinen Bus für die Auswärtsspiele. Und danach gab es immer noch ein gemeinsames Essen. Das war schon außergewöhnlich.“ Auch nach der Übernahme durch Whirlpool blieb diese Unterstützung bestehen. Gespielt wurde an den unterschiedlichsten Orten, sogar in der JVA Stuttgart war die Mannschaft regelmäßig zu Gast. Sportlich sahen sich die Spieler nie als Profis. „Wir waren eine Hobbymannschaft“, sagt Schmid. „Aber dafür waren wir erfolgreich. Meist im Mittelfeld und das war für uns völlig in Ordnung.“

Vom Betrieb zum Verein Mit der Insolvenz von Bauknecht um das Jahr 2000 endete die Zeit als Betriebsmannschaft. Doch das Tischtennis sollte weitergehen. Die Lösung: der Anschluss an den TSV Calw. „Das war unser Glück“, sagt Rentschler rückblickend. Organisiert wurde dieser Schritt von Klaus-Dieter Schönknecht, der bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr die Geschicke der Abteilung lenkte. Durch seine frühere Tätigkeit als Jugendtrainer hatte er beste Kontakte zum TSV Calw. „Er hat das alles gemanaged“, betont Rentschler. „Ohne ihn wäre vieles nicht so reibungslos gelaufen.“

Bemerkenswert ist: Keiner der beiden kam aus einer klassischen Tischtennis-Jugend. „Wir haben das Spielen beim Bauknecht gelernt“, erzählt Schmid. Angefangen wurde ganz pragmatisch an Tischtennisplatten in der Kantine. Später zog man in die alte Turnhalle in Heumaden um. Dort wird bis heute trainiert.

Rentschler stieß als junger Erwachsener dazu. „Ich war etwa 18, Ernst war von Anfang an dabei.“ Aus Kollegen wurden über die Jahre Mannschaftskameraden und Freunde.

Heute zählt die Gruppe, die inzwischen innerhalb der Abteilung Freizeitsport im TSV Calw organisiert ist, noch acht aktive Männer im Alter zwischen etwa 35 und 85 Jahren. Drei davon sind über 85 – darunter Schmid selbst. „Früher waren wir 15 oder 16 Leute“, sagt er. „Einige sind gestorben und der Nachwuchs hat gefehlt. So ist es einfach weniger geworden.“

Frauen waren über die Jahre ebenfalls Teil der Mannschaft. Und die Einladung steht weiterhin: „Wenn jemand Lust hat, dazuzukommen – sehr gerne“, betont Rentschler. Trainiert wird freitags von 17.30 bis 20 Uhr in der alten Turnhalle in Heumaden.

Mehr als nur Tischtennis Die Geschichten der beiden zeigen, dass die Abteilung immer mehr war als nur Sport. Schmid war bei Bauknecht nicht nur Spieler, sondern auch Elektriker, Ausbilder, Betriebsrat, Mitglied der Betriebsfeuerwehr – und sogar Fußballer in der Betriebsmannschaft. Privat ist er auch mit 85 Jahren gern mit dem E-Bike unterwegs, meist gemeinsam mit seiner Frau. Bald feiern die beiden 65 Jahre Ehe.

Rentschler, früher in der Automatisierungstechnik tätig, genießt heute den Ruhestand mit seiner Frau. „Wir gehen regelmäßig tanzen“, erzählt er. „Zum Tanzkreis beim Danek – das hält fit.“

Ein stilles Vorbild Die Tischtennis-Gruppe des TSV Calw steht heute vielleicht nicht im Rampenlicht. Ihre Geschichte steht jedoch für Beständigkeit, Gemeinschaft und die verbindende Kraft des Sports über viele Jahrzehnte.