Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Nach alter Väter Sitte hat sich der Villingendorfer Gemeinderat einen Tag vor dem Schmotzigen auf so manche Aufgabe gestürzt, damit seine Mitglieder guten Gewissens Fasnet feiern können. Dass die Arbeit mitunter hartes Brot sein kann, verwundert nicht.
Nein, erfreulich ist folgende Botschaft wahrlich nicht. Vor allem, da bereits ähnlich gelagerte Fälle in nicht allzu ferner Vergangenheit das Gemeinderatsgremium aus seiner inneren Ruhe gebracht haben. Mehrkosten. Mehrkosten, die eine Planung beeinträchtigen.
Im aktuellen Fall dreht es sich um das Projekt Fest- und Parkplatz beim Rathaus. Ein Projekt, auf welches nicht unbedingt nur die Sonne scheint seit Anbeginn an und bereits mehrmals im Gremium Thema war. Bodenproben haben nun ergeben, dass belastetes Material existiert. Material der Einstufung BMF-3.
Teer lässt sich nicht leugnen
Also so belastet, dass es als Sonderabfall entsorgt werden muss und nicht einfach einen Erdwall oder eine normale Deponie bereichern darf. Hinter BMF-3 (Bodenmaterial Klasse 3) verbirgt sich hauptsächlich teerhaltiges Material, teilt Ingenieur Ulrich Fechner (Gfrörer Ingenieure, Empfingen) mit. Auf diesem Gelände stand einst ein Haus. Und im Asphalt war Teer enthalten, wird vermutet. Bis etwa Mitte der 80er-Jahre durchaus gängig.
Zwei der neun nun entnommenen Bodenproben wurden untersucht. Vermutet wird, dass im hinteren Bereich des Areals das Erdreich weniger belastet sei. Dennoch: Die Mehrkosten von 47 183,50 Euro, welche die Firma Schäfer Garten- und Landschaftsbau (Schramberg) errechnet hat, trüben die Stimmung im Ratssaal nachhaltig.
Der Blutdruck steigt
So nachhaltig, dass sich sogar ruhigere Vertreter der Ratsrunde wie Martin Schwellinger mit erhöhtem Puls äußern. Neben anderen Punkten ärgert Martin Schwellinger, dass nicht im Vorfeld des Vergabevorgangs entsprechende Bodenproben entnommen worden seien.
Sandra Mei, die sich außerdem sicher ist, dass genau darüber bei der Ausschreibung diskutiert worden sei, formuliert eine Spur schärfer und stellt schließlich fest: „Das ist nun das vierte Mal mit solchen Nachträgen.“
Das Hauptamt spricht
Antworten auf solche Hoppalas können zwei Seiten geben. Da ist auf der einen das Hauptamt. Also Armin Mei. Hier erleben die Zuschauer der Sitzung einen in sich ruhenden Vertreter. Der einerseits das Problem als ein solches wahrnimmt („sehr ärgerlich“), der aber auch darauf hinweist, dass in der Ausschreibung der Arbeiten sogar die Variante „BMF-2“ (also weniger belastetes Material, je niedriger die Zahl, je besser das Erdreich) Berücksichtigung gefunden habe. Jedoch habe man nicht mit Kategorie 3 gerechnet.
Die Luft vibriert etwas
Und da ist auf der anderen Seite ein Mann der Praxis, der sicher bei Wind und Wetter seinen Mann stehen muss im Dialog mit den Arbeitern der Faust, deswegen möglicherweise eine direktere Art der Diplomatie praktiziert als Vertreter, die sich im Auswärtigen Amt eines Ingenieurbüros wohler fühlen. Kurz: Die Luft vibriert etwas.
Betont wird vom Ingenieur, dass sein Büro auf diese Möglichkeit hingewiesen habe, doch man habe „BMF-3“ im Vorfeld nicht vermutet.
Das klingt logisch
Und damit die Luft nicht weiter vibriert, werden auf pointiertere Aussagen an dieser Stelle verzichtet. Genannt sei dafür das Fazit, welches Ratsmitglied Tobias Schuhmacher für sich zieht: „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und eine bessere Vorbereitung machen.“
Dass sich in den vergangenen vier, fünf Jahren bei den Vorschriften mit Blick auf Natur und Umwelt viel getan hat, stellen die Fachleute schließlich ebenfalls fest.
Hingewiesen wird aber auch, dass eine Untersuchung vor einem Jahr zu keinem anderen Ergebnis geführt hätte. Auch dann hätte der Boden entsorgt werden müssen. Bei einer Enthaltung (Sandra Mei) werden schließlich diese Mehrkosten und die Entsorgung der „etwa 1000 Tonnen“ akzeptiert.
Für eine neue Feuerwache
Als Kontrapunkt dient dafür das Auf-den-Weg-Bringen des Bebauungsplans „Feuerwehrhaus“. Das Büro Gfrörer Ingenieure (Empfingen) wird beauftragt. Deren Angebot für diese Arbeit beläuft sich auf 17 288,71 Euro.
Es dreht sich um ein 4400,25 Quadratmeter großes Grundstück, linker Hand am Ortsende von Villingendorf Richtung Fitness- und Generationenpark. Hier (Bereich Wiesenweg/Langhecke) soll in nicht allzu ferner Zukunft die neue Feuerwache eine Heimat finden.
Liegen die Planunterlagen vor, kann der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden ins Auge fassen.
Bei der Kläranlage
Als sinnvoll hat sich außerdem herausgestellt, die Wasserleitung bei der Kläranlage zu verlegen. Dies im Zusammenhang mit dem Bau einer Pumpstation. Auch sollen gewisse Hausanschlüsse in der Wirtsgasse und der Oberndorfer Straße modernisiert werden. Diese seien zum Teil im Fels verlegt, hätten ihre Macken („mehrmals gebrochen“) und könnten nur mit Mühe repariert werden.
Die Firma Raible Wassertechnik (Geislingen) wird beauftragt. Deren Angebot beläuft sich auf 19 442,43 Euro. Um die notwendigen Erd- und Tiefbauarbeiten soll sich die Firma Storz kümmern (etwa 30 000 Euro).
In die Genese und die Materie jener Angelegenheit führt die Ratsrunde Jose Garcia, der Mann für alle Fälle dieser und ähnlicher Art bei der Gemeinde, detailliert ein.