Im März ist Dorothea Fichter-Fechner mit ihrer Agentur "in puncto content" gestartet. Dabei hat sie sich auf einen Marketing-Bereich spezialisiert, der gerade durch die Digitalisierung immer stärker gefragt sei: das Content-Marketing.
St. Georgen - 20 Jahre war Dorothea Fichter-Fechner im Bereich Marketing bei der Firma Grässlin tätig. Der Schwerpunkt lag hier auf PR sowie Messen und Events. Die vergangenen drei Jahre vor ihrer Selbstständigkeit hatte die gebürtige St. Georgenerin dann die Marketingleitung inne.
Im vergangenen Jahr sei die Firma Grässlin allerdings insolvent gegangen, da habe sich die 53-Jährige überlegen müssen, wie es für sie weitergehe. Und da sie den Weg zur Selbstständigkeit immer schon im Hinterkopf gehabt habe, und auch der Zeitpunkt gepasst habe, habe sie sich zur Gründung entschieden. Im Januar sei sie in das Technologie-Zentrum eingezogen, und im März dann mit ihrer Agentur gestartet.
Die Inhalte sind von der Zielgruppe abhängig
Vorab musste sich Fichter-Fechner allerdings noch Gedanken über die Ausrichtung ihres Unternehmens machen. Sollte es eine "klassische PR-Agentur" werden? Schlussendlich habe sie sich für den Bereich des Content-Marketings entschieden, der in den vergangenen zehn bis 15 Jahren durch die Digitalisierung einen Aufschwung erfahren habe, erzählt Fichter-Fechner.
Content-Marketing habe den Ansatz, dass es nicht ein Unternehmen und deren Produkte in den Vordergrund stelle, sondern man sich über die Zielgruppe Gedanken mache. Wie erreiche ich diese und: über welche Kanäle.
Die Nutzer oder Leser hätte mittlerweile ganz andere Ansprüche wie früher. "Sie wollen keine platte Werbung mehr, das stört sie. Sie wollen vielmehr wertvolle Inhalte", sagt die Geschäftsführerin. Und diese Inhalte, dazu gehöre neben dem Textlichen auch Video- und Bildmaterial, decke der Bereich des Content-Marketings ab.
Zwei Freelancer mit an Bord
Wenn zum Beispiel ein Kunde eine neue Website wolle, kämen zu der "technischen Geschichte", also dem Webdesign, zwangsläufig auch die Inhalte, also das Textliche hinzu. Und da beginnt Fichter-Fechners Tätigkeitsbereich: "Ich erstelle textliche Inhalte für – schwerpunktmäßig – digitale Medien und bediene damit Kunden, die diesen Bereich nicht selber abdecken können", fasst sie ihre Tätigkeit einfach erklärt zusammen.
Grundsätzlich müsse man sich zunächst über die Zielgruppe im Klaren sein. Und dann rund um das Produkt "eine Story", eine Geschichte kreieren, um so den Kunden den Nutzen des Produktes "auf spielerische Art und Weise" klar zu machen. Das Thema Solartechnik fürs Campen könne man beispielsweise wunderbar mit dem Schwarzwald und schönen Campinggelegenheiten in Verbindung bringen.
Im Moment hat Fichter-Fechner noch zwei Freelancer mit an Bord, die für sie mittexteten, wenn viel anstehe. Und eben noch Kooperationspartner, die sich um Videos, Bilder und Social Media kümmerten.
"Das ist super, hier vernetzt zu sein"
Als Vorteil im Technologiezentrum benennt die 53-Jährige die Kontakte. Hier im TZ seien mittlerweile sieben Marketingagenturen ansässig, die alle in unterschiedlichen Kernbereichen arbeiteten. Die Wege seien kurz. Und so komme eine Zusammenarbeit mitunter schnell zustande. "Das ist super, hier vernetzt zu sein."
Vor zehn Jahren hätte Fichter-Fechner sich die Selbstständigkeit wahrscheinlich noch nicht zugetraut. "Aber mit den Erfahrungen, die ich nun habe und dem Wissen, war es jetzt einfach der richtige Zeitpunkt", so die 53-Jährige. Klar, manche sagten, so lange dauere es nicht mehr bis zur Rente. Aber das sehe sie anders. Sie sei davon überzeugt, dass man sich in jeder Lebensphase fordern und seinen Horizont erweitern müsse. Und das mache sie jetzt. Der "grobe Plan" sei zunächst einmal auf zehn Jahre angelegt und dann werde sie weiter sehen, ob sie vielleicht eine Agentur habe, die sie verkaufen oder an ihre Kinder weitergeben werde.
Und was macht der Gründerin an ihrem Beruf am meisten Spaß? "Der Kontakt zu Kunden, zu Partnern und diese zusammenzubringen", antwortet Fichter-Fechner. Es gebe immer wieder etwas Neues zu lernen. Das sei in dem dreiviertel Jahr, indem sie sich auf die Gründung vorbereitet habe, "ganz schön enorm" gewesen, gerade, weil sie sich in viele Bereiche einarbeiten musste, mit denen sie noch nichts zu tun hatte. Das Kreative, sich Themen zu überlegen auf der einen Seite, und das Projektmanagement auf der anderen: "Das macht wahnsinnig Spaß. Das ist mein Ding", so die 53-Jährige.