Führen ein junges Unternehmen, bringen aber schon viel Erfahrung mit (von links): Joachim Effinger, Marta Führich und Ulrich Schwellinger. Foto: Moser

Ganz neu im Technologiezentrum (TZ) ist das Steinbeis-Beratungszentrum für Transformation von Ulrich Schwellinger, Joachim Effinger und Marta Führich. "Ein junges Unternehmen – gleichwohl mit viel Erfahrung", wie Führich betont. Spezialisiert ist es auf Transformation im Automobilbereich.

St. Georgen - Unternehmen "enkelfähig" machen – das ist das Ziel von Ulrich Schwellinger, Joachim Effinger und Marta Führich. Dabei geht es den dreien mit ihrem neu gegründeten Steinbeis-Beratungszentrum nicht um irgendwelche Unternehmen, sondern vor allem um kleine und mittlere Automobilunternehmen oder Automobil-Zulieferer aus Baden-Württemberg. Die oftmals familiengeführten Unternehmen fit für künftige Herausforderungen machen, lautet die Devise – eben so, dass das Unternehmen auch noch in kommenden Generationen, auch in der Generation der Enkel, Bestand hat, "und nicht nur für die nächsten zwei oder drei Jahre", wie Schwellinger sagt.

Und obwohl Transformation dabei in aller Munde ist, hapert es oft noch an der Umsetzung. Das hat eine Vielzahl von Gründen, weiß Führich aus Erfahrung. Am Anfang aller Schwierigkeiten steht aber eine einfache Wahrheit: Transformation ist schwierig. Denn Transformation ist tiefgreifend. "Es geht darum, ein Unternehmen komplett umzustellen", stellt Führich klar – also inklusive aller Leistungsprozesse und gegebenenfalls auch inklusive der Produkte. "Unter Umständen ist das nachher ein ganz anderes Unternehmen." Einen Teil der Unternehmenstätigkeit mithilfe digitaler Verfahren umzugestalten oder eine App zu entwickeln, reiche da schlichtweg nicht aus. "Das ist nicht Transformation."

Hilfe von außen

Dass eine solche Komplett-Umstellung nicht ohne große Herausforderungen zu schaffen ist, liegt auf der Hand. Deshalb brauche es in diesem Bereich Hilfe von außen – gerade für vergleichsweise kleinere Unternehmen, die eigentlich mit ihrem Tagesgeschäft ausgelastet sind. Eben diese Hilfe wollen Führich, Schwellinger und Effinger zusammen mit einem Netzwerk weiterer Spezialisten, auf die sie unter anderem durch den Anschluss ihres Beratungszentrums an die Steinbeis-Stiftung zurückgreifen können, anbieten.

Natürlich muss sich nicht jedes Unternehmen regelmäßig komplett transformieren. Bei den Automobil-Unternehmen und ihren Zulieferern sehen die drei Experten – und nicht nur sie – aber eine deutlich Notwendigkeit. "Der Markt verändert sich und die Unternehmen erkennen, dass sie da aktuell noch nicht mitziehen können", beschreibt Führich die Situation, die durch den gesetzlich angestrebten Verkaufsstopp für Verbrenner-Motoren ab 2030 befeuert werde. "Wir gehen davon aus, dass es sogar noch früher sein wird", meint Effinger in Bezug auf die Jahresangabe. Das erhöhe die Dringlichkeit der Transformation natürlich noch einmal. Für Unternehmen in dieser Branche sei jetzt "ein ganz entscheidender Moment" gekommen.

Es muss also schnell gehen – das ist eine der Schwierigkeiten, denen sich Unternehmen gegenüber sehen. "Transformation muss in zwölf bis 18 Monaten durch sein", nennt Führich als Richtwert. Dann müssen die Wurzeln für das neue Standbein des Unternehmens gelegt sein – und das muss nicht unbedingt im Automobil-Bereich liegen, wie die Beraterin betont. "Viele glauben, dass die E-Mobilität der natürliche Hafen von allen ist, die heute Automobilzulieferer sind", berichtet sie. Das sei aber schlichtweg nicht der Fall, da in Zukunft die Software der Autos eine große Rolle spielen wird – und hier bringt nur ein kleiner Teil der Automobilzulieferer das nötige Know-how mit.

"Der Chef wird’s schon wissen", gibt Führich wieder, was viele Angestellte glauben. Ein Irrglaube, denn: "So funktioniert es in dieser heutigen Zeit nicht mehr." Zu vielfältig sind die Einflüsse und Entwicklungen, zu komplex die Zusammenhänge und zu tiefgreifend die Veränderungen. Für die drei Unternehmensberater ist klar: Wenn Transformation gelingen soll, braucht es Helfer, die aus einer externen Perspektive auf das Unternehmen schauen, eventuelle Fallstricke kennen und auch einmal Themen ansprechen, "die sonst keiner im Unternehmen anspricht". Alles, um die Mitarbeiter des Unternehmens in den Wandel einzubinden und ihr Engagement zu bündeln, sodass alle zusammen und gleichzeitig auf eine bestimmte Zielsetzung hinarbeiten. "Wenn nur jeder für sich so ein bisschen was macht, dann scheitert die Transformation", weiß Führich. Entscheidend seien deshalb auch Koordination und Abstimmung.

Viel Fingerspitzengefühl notwendig

Die Mitarbeiter mit an Bord zu holen, ist dabei oftmals gar nicht so einfach. Denn für sie bedeutet der Transformationsprozess nicht selten – wie für das Unternehmen als Ganzes – eine Belastung, die noch auf das Tagesgeschäft obendrauf kommt. Denn das muss weiterlaufen, auch während das Unternehmen sich neu aufstellt. Eine Zusatzbelastung also, die noch dazu mit Unsicherheiten verbunden ist – und die widerstreben den meisten grundsätzlich. "Wir wollen uns eigentlich nicht verändern", sagt auch Führich über die Natur des Menschen. "Menschen wollen lieber an dem weiterarbeiten, was sie schon haben und kennen. Der größte Teil sträubt sich gegen grundlegende Veränderungen."

Daher braucht es beim Thema Transformation viel Fingerspitzengefühl. Das bringen Schwellinger, Effinger und Führich mit – neben einer ganzen Menge Fachwissen. Effinger kann auf 25 Jahre Berufserfahrung als Ingenieur und Berater in den Bereichen Strategie und Restrukturierung zurückblicken. Schwellinger war im Maschinenbau-Bereich und bei Automobil-Zulieferern tätig. Und Führich berät Unternehmen in den Bereichen Unternehmenswertsteigerung und -realisierung.

Seine Schaltzentrale hat das Unternehmen, das die drei Effinger zufolge bewusst als Berater für den ländlichen Raum sehen, im TZ in St. Georgen – nicht nur geografisch ein passender Ort, wie Schwellinger findet. Auch die Infrastruktur und die Vernetzung mit anderen Unternehmen aus verschiedenen Bereichen schätzen Schwellinger, Effinger und Führich. Denn auf Interdisziplinarität legen die Berater großen Wert – ist sie doch einer der Erfolgsfaktoren für eine gelungene Unternehmenstransformation.

Regelmäßig schafft es das Technologiezentrum (TZ) in die Schlagzeilen. Mal geht es um abgeräumte Preise, mal um den Besuch eines Ministers. Doch wer arbeitet dort eigentlich? Von wem wird es geleitet? Und wie kam es zu dessen Gründung?