Wird mehr und mehr zum weltweiten Pionier der Recycling-Branche: Alexander Korn. Foto: Karina Eyrich

Eine Stecknadel hätte man fallen hören können, als Alexander Korn in der Technologiewerkstatt über die Zukunft des Recycling gesprochen hat.

War das erst 2005? Seit jenem Jahr wird Abfall in Deutschland nicht mehr nur deponiert, sondern wird sortiert, wiederverwertet und nur die nicht recycelbaren Reststoffe verbrannt.

 

Und seit jenem Jahr stellt die Albstädter Firma Korn Recycling Ersatzbrennstoffe her, gehört also zu den Pionieren, und hat – nun sogar weltweit – die Nase vorn mit der neuen Anlage von „WeSort AI“, die seit wenigen Wochen mit Hilfe künstlicher Intelligenz Lithium-Ionen-Akkus aus dem Abfall sortiert, weil sie beim Zerkleinern desselben explodieren und solch furchtbare Brände entfachen können, wie jener, der am 1. November 2009 die Korn-Sortieranlage zerstört hat – nach nur einem Jahr Betrieb.

Ein Funke genügt, um alles zu verändern

Lauschte gespannt: Was das Publikum zu hören bekam, nötigte wohl allen viel Respekt für die Leistung der Familie Korn ab. Foto: Karina Eyrich

Die Zahlen, die Geschäftsführer Alexander Korn bei seinem Vortrag „Wenn ein Funke genügt, um alles zu verändern – dann ist es Zeit, neu zu denken“ in der Technologiewerkstatt genannt hat, beeindruckten die Zuhörer im vollen Saal tief, wie die Gesichter verrieten. Beispiele: Knapp neun bleiummantelte Tonnen Gewicht bringt „BatterySort“ auf die Waage. Fünf neue Sortierbänder musste Korn integrieren, um die Abläufe neu zu steuern und nicht mehr „jeden Tag auf einem Pulverfass zu sitzen“, denn drei bis vier Brände waren bisher täglich auf den Sortierbändern entstanden. „Das wird nie zur Routine“, betonte er. „Bei meinen Kollegen und mir herrscht dann immer Hochspannung, und es gab Zeiten, da bin ich nachts zwei bis drei Mal in die Firma gefahren, weil der Brandmelder anschlug.“

Auf der halben Million bleibt die Firma stets sitzen

Drei Mal habe binnen kurzer Zeit auch ein Sperrmüll-Sammelwagen gebrannt, und in keinem einzigen Abfallcontainer sei kein Akku drin. Brennt es, beträgt die Selbstbeteiligung der Firma Korn nicht weniger als eine halbe Million Euro – Branchen wie ihre sind bei Versicherungen nicht besonders beliebt. Das System „BatterySort“ erkennt nun aber mehr und mehr – die Künstliche Intelligenz ist lernfähig – worin sich Akkus verstecken. Die Folge: „Seit die Anlage läuft haben wir noch keinen Brand gemeldet“, betonte Alexander Korn, und zwar mit erkennbarer Erleichterung im Gesicht.

Warum er, seine Kollegen und seine Familie sich diesen Stress antun, anstatt sich auf eine weniger brandgefährliche Branche zu spezialisieren, verriet er auf Nachfrage auch: 69000 CO2-Äquivalente erspare die Arbeit seiner Firma dem Klima, und Korn ist überzeugt, dass die Entwicklung des Würzburger Startup-Unternehmens „WeSort AI“ Früchte tragen wird: „Ein Kollege in Österreich hat die Anlage jetzt auch eingebaut, und wir dienen als Referenz“ – Ziel von lernwilligen Besuchern aus aller Welt, die sich etwas abgucken möchten beim Albstädter Pionier, war Korn freilich schon vor „WeSort AI“. „Wenn die Akkus rausfliegen, brauchst du nix mehr sagen“, berichtete der Geschäftsführer über die Überzeugungskraft des Faktischen bei anderen Recycling-Unternehmen. „In vielen Ländern der Welt landet der Müll noch im Meer“, so Korn, „aber wir haben mindestens zweimal pro Woche Besucher, und wir versuchen, sie zu überzeugen: ‚Macht’s doch anders!‘“

Das große Ziel: Auch diesen Wertstoff wiederverwerten

Innovationsmanager Daniel Spitzbarth (rechts) stellte spannende Fragen. Foto: Karina Eyrich

Ob aus dem sortenreinen Wertstoff „Lithium-Ionen-Akku“ auch mal mehr werde als Ersatzbrennstoff, wollte Daniel Spitzbarth, Leiter der Technologiewerkstatt, wissen. „Das ist das große Ziel“, so Korn, „und ich glaube fest, dass der Akku fester Bestandteil der Sekundär-Rohstoffrückgewinnung wird.“ Korns Kinder machen Recyclingtechnik und Umwelttechnologie übrigens ebenfalls zu ihrem Beruf. Und eine IT-Abteilung mit einem KI-Spezialisten hat die Firma inzwischen auch.