Daniel Spitzbarth ist Innovationsmanager und Leiter der Technologiewerkstatt. Foto: Spitzbarth

Auch Start-ups der Albstädter Technologiewerkstatt haben mit der Wirtschaftslage zu kämpfen. Warum Krisenzeiten jedoch auch Chancen bieten.

Die Technologiewerkstatt in Tailfingen ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Im Jahr 2015 eröffnet, hat das Team um Innovationsmanager Daniel Spitzbarth zahlreiche Gründer auf ihrem Weg von der Produktidee zur Marktreife begleitet, Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und mit Workshops und Vorträgen Bildungsangebote für Schüler, Auszubildende und die regionale Wirtschaft geschaffen.​ In den vergangenen knapp elf Jahren hat sich die wirtschaftliche Gesamtsituation im Land jedoch stark gewandelt. In ihren Anfangsjahren profitierten die Start-ups der Technologiewerkstatt von einem soliden Wirtschaftswachstum. Nach der Corona-Pandemie und dem Beginn des Russland-Ukraine-Krieges ist die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerutscht. Nur langsam hellt sich der Konjunkturhimmel auf.

 

Das hat auch Folgen für Gründerinnen und Gründer. Nach wie vor seien in der jüngeren Vergangenheit Gründer in der Technologiewerkstatt vorstellig geworden, doch die Rahmenbedingungen für Start-ups seien herausfordernder geworden, berichtet Daniel Spitzbarth im Gespräch mit unserer Redaktion. Das hat verschiedene Gründe: „Unternehmen sind bei Investitionen derzeit zurückhaltend“, betont Albstadts Innovationsmanager. Selbst wenn ein Produkt gut sei, hätten es Start-ups schwieriger, ihre Produkte an den Mann zu kriegen – insbesondere im B2B-Bereich, sprich bei Produkten oder Dienstleistungen, die Gründer an andere Unternehmen verkaufen wollen.

Krisenzeiten sind normal

Hinzu komme, dass Unternehmen generell vorsichtiger bei Beteiligungen an Start-ups – Stichwort Venture Capital – seien. Dieser Trend sei aber nicht nur in Albstadt oder dem Zollernalbkreis, sondern bundesweit zu erkennen. Und: „Das ist keine Situation, die sich von heute auf morgen ergibt“, sagt Spitzbarth. Diese Tendenz habe sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet.

Dennoch gibt es nach wie vor positive Beispiele: Die Firma Lenklock beispielsweise, die mit ihrem kompakten Fahrradschloss bereits auf der jüngsten CMT geworben hat und im DACH-Raum aktiv ist. Auch diese Firma entstammt der Tailfinger Technologiewerkstatt. Insgesamt funktioniere der B2C-Bereich – der direkte Verkauf an den Endkunden – momentan besser.

Die derzeit kriselnde Wirtschaft sieht Daniel Spitzbarth auch als Chance: „Wirtschaftlich schwächere Zeiten sind völlig normal.“ In der Vergangenheit habe man gesehen, dass sich in diesen Zeiten einige Personen beispielsweise über Abfindungen aus ihrem Angestelltenverhältnis zurückgezogen und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. Diese sogenannten „Chancengründungen“ aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus seien durchaus vielversprechend und könnten der Start-up-Szene wieder Aufschwung verleihen.

Wer sich Gedanken über eine Gründung macht, der ist in der Technologiewerkstatt willkommen. „Die Türen stehen offen, wir bieten Gründungsberatungen an und begleiten auf dem Weg zum eigenen Unternehmen“, lädt Spitzbarth Interessierte ein.

Mit Forderungen an die Politik hält sich der Leiter der Technologiewerkstatt zurück: „Natürlich müssen Bund und Land die richtigen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Wachstum schaffen.“ Arbeit und unternehmerisches Risiko dürften nicht von einer hohen Steuerlast oder hohen Stromkosten gebremst werden. Dennoch sagt er: „Wir müssen wieder mehr auf unser eigenes Tun schauen.“ Eine gewisse politische Förderung von Start-ups sei wünschenswert, aber ab einem gewissen Zeitpunkt müssten die neu gegründeten Firmen auf ihren eigenen Beinen stehen. Das Produkt oder die Dienstleistung müsse eben so gut sein, dass es zum Kauf anrege.

Zunehmend spiele auch bei Gründern aus der Technologiewerkstatt das Thema Künstliche Intelligenz eine bedeutende Rolle. Diese technische Gründungen sind in Albstadt auch durch den technischen Standort der Hochschule Albstadt-Sigmaringen präsent. Technologiewerkstatt und Hochschule bilden das Albstädter Gründergespann.

Nachfrage nach Workshops

Dass die heimischen Unternehmen Potenzial in der Technologiewerkstatt sehen, zeigt auch die stetig steigende Zahl an Unterstützern. Deutlich mehr als ein Dutzend Firmen aus der Region fördern die Arbeit der Technologiewerkstatt. Die Nachfrage nach Workshops und Vorträgen, insbesondere im Themenbereich KI, ist so groß, dass das Programmangebot ausgebaut wird. Heißt: Trotz wirtschaftlich trüber Aussichten ist die Selbstständigkeit für viele Albstädter nach wie vor von Interesse.