Die Firma Arburg empfing zu ihren Technologie-Tagen 4000 Besucher. Welche Neuheit sie präsentierte, wie die wirtschaftliche Lage aussieht – und wie der Stand in Sachen Personal ist.
Wenn 4000 Besucher aus mehr als 40 Ländern nach Loßburg strömen, Hotels in der Region ausgebucht sind und der Verkehr ins Stocken gerät, dann veranstaltet die Firma Arburg ihre alljährlichen Technologie-Tage.
Das Event „Das Herz der Kunststoffwelt schlägt in diesen drei Tagen hier“, freut sich Christoph Schumacher aus dem Global Marketing von Arburg im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit 1999 gibt es die Technologie-Tage – und seitdem haben mehr als 112 000 geladene Gäste das Event besucht.
Für die Firma ist es ein organisatorischer Mammutakt: „Wir arbeiten hier das gesamte Jahr an den Technologie-Tagen“, berichtet Schumacher – was bedeutet, dass die Planungen für 2027 schon nächste Woche starten werden: „Am Montag atmen wir noch durch, ab Dienstag geht es wieder los.“
Aber der Aufwand lohne sich, betont Schumacher. „Für unsere Kunden ist das hochgradig spannend – und für uns ist das ein immenses Kundenbindungsinstrument.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Unser Wettbewerb hat Angst vor dieser Veranstaltung – oder zumindest Respekt.“
Der Startschuss erfolgte am Dienstag mit einer Pressekonferenz. Neben dem Geschäftsführenden Gesellschafter Michael Hehl und den Geschäftsführern der Unternehmensbereiche sprach dabei auch der neue und erste CEO von Arburg, Volker Nilles, zu Vertretern von Fachmedien aus der ganzen Welt.
Von Mittwoch bis Freitag konnten die Besucher dann die Firma besichtigen und sich dabei mehr als 40 Maschinen zeigen lassen, die Kunststoffteile für alle Branchen produzieren – vom 0,004 Gramm leichten Mikrofilter bis zum komplexen Rohr.
Die Neuheit Zu den Highlights der Technologie-Tage gehören die neuen elektrischen Maschinen „Allrounder Trend“, die erst bei der Weltleitmesse K 2025 im vergangenen Oktober ihre Weltpremiere feierten. Die „Trend“-Maschinen bedienen laut Arburg „die weltweit steigende Nachfrage nach preiswerteren und schnell verfügbaren elektrischen Maschinen“.
Will die Firma hier also ein neues Segment erobern? Schumacher widerspricht: „Arburg ist mit günstigen Maschinen groß geworden. Wir sind ein Premium-Hersteller von Hochtechnologieanlagen – und wir bespielen mit dem ‚Trend‘-Segjetzt wieder ein Segment, das wir auch früher intensiv bespielt haben.“ Neben den High-Tech-Premium-Maschinen sollen die Kunden auch preiswertere Maschinen aus deutscher Produktion kaufen können – als Alternative zu den asiatischen Herstellern.
Die wirtschaftliche Lage Steffen Kroner, Geschäftsführer Finanzen, Controlling, IT und Global HR, berichtete bei der Pressekonferenz von einem Umsatz von rund 575 Millionen Euro in 2025 – was einem Minus von vier Prozent entspricht. Bereits ein Jahr zuvor war der Umsatz um 23 Prozent eingebrochen. Die Firma reagierte mit Kurzarbeit und einem Abfindungsprogramm auf die Krise.
Auf Nachfrage unserer Redaktion gibt Schumacher Auskunft zum aktuellen Stand: „Wir haben im letzten Jahr ein sogenanntes Freiwilligen-Abfindungsprogramm absolviert. Dadurch ist der Personalstand in der Gruppe von 3700 auf 3400 Beschäftigte gesunken. Wir prüfen gerade die wirtschaftliche Situation, und derzeit sind weitere Maßnahmen noch nicht in der Diskussion. Ich kann nicht sagen, ob es Kurzarbeit geben wird oder nicht.“ Das Abfindungsprogramm sei zum Jahresende ausgelaufen.
Fakt ist: Mit dem Krieg in Nahost ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzugekommen. „Es wirkt sich nicht nur an der Tankstelle, sondern auch auf Materialpreise aus. Wir bekommen von Kunden – hauptsächlich aus dem asiatischen Raum – schon die Rückmeldung, dass es kein Kunststoffmaterial mehr gibt“, erklärt Schumacher. Die Folgen für die Branche könne er derzeit aber noch gar nicht abschätzen.
Der neue Krisenherd reiht sich ein in ein wirtschaftliches Umfeld, das Schumacher als „labil“ bezeichnet. Welche Probleme Arburg umtreiben? „Aktuell sind es Transport- und Logistikketten, wo aber die Auswirkungen noch gar nicht klar sind. Es ist natürlich der Energiepreis – für unsere Kunden ist Energie ein ganz spannendes Thema. Und es sind Materialverfügbarkeit und -preise. Hinzu kommen die Langfristfaktoren – die sind nicht neu: etwa die strategische Schwäche der Automobilisten. VW hat gestern kommuniziert, sie streichen 50 000 Stellen.“
Kurz gesagt: „Es herrscht insgesamt kein wirklich positives Klima. Deswegen freuen wir uns, dass hier sehr viele positiv gestimmte Kunden zu uns kommen.“
Das Standortbekenntnis Allen Problemen zum Trotz: Arburg bekennt sich nach wie vor klar zum Standort Loßburg. „ Dieses Mutterhaus hier ist das Zentrum unseres Denkens für die Welt. Das heißt, auch in Zukunft werden alle Know-how-Komponenten, die unsere Maschinen zu Premium-Maschinen machen, hier in Loßburg gefertigt“, verspricht Schumacher.
Dass man im Rahmen einer „Internationalisierungsstrategie“ über weitere Standorte nachdenke und im Herbst eine Montagefabrik in China eröffne, sei kein Geheimnis. Schumacher versichert aber: „Die Gesellschafterinnen und Gesellschafter stehen dafür, dass es kein Modell ist, sukzessive aus Loßburg wegzugehen.“