Der Roboter „Spot“ läuft über das Gelände der Tech in Heilbronn. Foto: Frederik Herrmann

Unternehmer, Experten und Politiker diskutieren in Heilbronn über die Zukunft Europas und fragen sich welche Rolle Deutschland darin spielen wird.

Wie verändern Künstliche Intelligenz und Roboter die Arbeitswelt? Wie kann sich Deutschland in einer zunehmend gefährlichen Welt verteidigen? Und wie können deutsche Unternehmen im Wettbewerb mit der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz bestehen? Darüber diskutieren derzeit Unternehmer, Experten und Politiker auf der Tech in Heilbronn. Für viele Messe-Teilnehmer ist klar: Künstliche Intelligenz ist vor allem eine Chance.

 

Baden-Württemberg setzt auf Robotik und KI

Daran ließ auch Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) keinen Zweifel. Auf der Messe absolvierte er einen seiner ersten öffentlichen Auftritte im neuen Amt. Gemeinsam mit Thomas Strobl (CDU), dem in Heilbronn geborenen Landtagspräsidenten und früheren Innenminister des Landes, sowie Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) besuchte er die Veranstaltung.

Baden-Württemberg solle künftig nicht nur für die Automobilindustrie bekannt sein, sondern auch für Technologien aus den Bereichen Health Care, Verteidigung, Green Tech und Quantentechnologie, sagte Özdemir. Das Bundesland solle zu einem führenden europäischen Standort für KI und Robotik werden.

Welche Fähigkeiten moderne Maschinen bereits besitzen, zeigte auf der Messe der hundeähnliche Roboter „Spot“ des US-Unternehmens Boston Dynamics. Der Roboter lief auf vier Beinen über das Gelände, setzte sich auf Kommando hin, begrüßte Besucher und gab ihnen Pfötchen.

Für Getränke sorgte dagegen ein autonom fahrender Service-Roboter, der selbstständig über das Messegelände navigierte und Hindernissen auswich.

Cem Özdemir absolvierte einen seiner ersten Auftritte als neuer Ministerpräsident auf der Tech in Heilbronn. Foto: Frederik Herrmann

Roboter in der Logistik einsetzen

Solche Systeme werden bereits heute in vielen Logistikzentren eingesetzt, erklärt Marvin Wiedemann, Abteilungsleiter für Robotik und Kognitive Systeme am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML.

In Lagerhallen übernehmen Roboter zunehmend Transportaufgaben und sorgen dafür, dass Waren schneller von A nach B gelangen. Auch im Gesundheitswesen sieht Wiedemann großes Potenzial. Roboter könnten dort beispielsweise Pflegekräfte entlasten und Patienten Getränke oder Medikamente ans Bett bringen. Die technische Grundlage dafür sei allerdings nicht neu.

Gesetze hinken der Technik hinterher

Trotz aller Fortschritte sieht die Branche auch Herausforderungen. „Die Regelungen hinken der Technik hinterher“, sagt Wiedemann. Unklar sei häufig etwa die Haftungsfrage bei Unfällen mit autonomen Robotern. In vielen Bereichen fehle bislang ein rechtlicher Rahmen.

Schwarz Gruppe investiert Milliarden in Rechenzentrum

Große Pläne verfolgt die Schwarz Gruppe aus Neckarsulm. Der Konzern hinter Lidl und Kaufland gründete 2023 die IT- und Digitalsparte Schwarz Digits.

Im brandenburgischen Lübbenau im Spreewald entsteht derzeit ein neues Großrechenzentrum. Hier sollen nicht nur Daten gespeichert, sondern auch KI-Modelle trainiert werden. Elf Milliarden Euro soll das Projekt kosten. Ein erster Bauabschnitt soll Ende 2027 in Betrieb gehen.

  • Das Unternehmen will dort nicht nur eigene Daten verarbeiten und speichern, sondern auch Cloud-Dienstleistungen für andere Unternehmen und Behörden anbieten. Kunden seien unter anderem die Bundesagentur für Arbeit und die Polizei Baden-Württemberg.

„Wir haben die Chance, eine eigene digitale Infrastruktur in Europa aufzubauen“, sagt Sebastian Mader, Bereichsleiter Cross Sales bei Schwarz Digits. Dadurch könne die digitale Souveränität Europas gestärkt werden. Sensible Daten würden dann nicht länger auf amerikanischen, sondern auf deutschen Servern gespeichert.

Tech 2026 findet zum zweiten Mal statt

Die Schwarz Gruppe ist zudem Mitorganisator der Tech-Messe in Heilbronn. Gemeinsam mit dem Handelsblatt veranstaltet das Unternehmen die Messe bereits zum zweiten Mal. Am Dienstag, 2. Juni, endet die dreitägige Messe.