Cricket made in Südbaden: Arun Iyer und seine Mannschaft sind beim TuS Lörrach-Stetten untergekommen. Ziel ist, das Team in feste Ligastrukturen zu bringen.
In Indien oder Bangladesch ein Massensport – in Deutschland dagegen kaum bekannt: Cricket. Ein Schlagspiel, das an Baseball erinnert, aber doch ganz anders ist. Nun wird auch beim Lörracher Verein TuS Stetten Cricket gespielt.
Der Brombacher Arun Iyer ist Leiter der neuen Abteilung. „Wir haben uns schon am Jahresanfang gegründet. Richtig los geht es aber erst jetzt.“ Der Grund: Cricket ist vor allem ein Sommersport. Sobald es regnet, ist Schluss – das Material macht das nicht mit. „Die Schläger sind aus Holz. Die halten schlechtes Wetter einfach nicht aus.“
In Deutschland noch ein Nischensport
Cricket gilt als eine der meistgespielten Ballsportarten weltweit. Erfunden haben es die Briten im 16. Jahrhundert – und dann in ihre Kolonien gebracht. Entsprechend haben viele TuS-Spieler Wurzeln in Indien, Pakistan, Sri Lanka oder Bangladesch. Auch Iyer. Er stammt aus Indien und lebt seit elf Jahren in Deutschland.
Hierzulande ist Cricket ein recht junges Importprodukt. Zwar hat die Leidenschaft vieler Zugewanderter einen kleinen Boom ausgelöst – es fehlt aber noch an der nötigen Infrastruktur. In der indischen Premier League werden Millionengehälter an die Spieler gezahlt – in Deutschland steckt das das Ligensystem noch in den Kinderschuhen. Und in Baden-Württemberg? Regionalbundesliga, Regionalliga, Verbandsliga – mehr gibt es nicht. Bei den Männern wohlgemerkt – im Nachwuchsbereich und bei den Frauen ist das Angebot noch kleiner.
An einen flächendeckenden Wettbewerb ist also kaum zu denken. So trafen sich die Cricketspieler aus Lörrach, Weil oder Schopfheim an Wochenenden bislang meist irgendwo auf einer freien Fläche, einfach zum Spaß.
Mehr als nur ein Spiel im Park
Ein Bild, das man vor allem aus größeren Städten kennt: In den Sommermonaten spielen junge Menschen, viele mit Migrationshintergrund, in Parks und auf Grünflächen Cricket. Iyer erkannte: So schön das auch ist – es fehlte etwas. Die Einbindung in eine Vereinsstruktur wäre der nächste Schritt.
Also machte sich die Hobbymannschaft auf die Suche nach einem Verein – und wurde beim TuS Stetten fündig. Iyer wurde zum Taktgeber bestimmt, obwohl er nach eigener Aussage gar kein besonders guter Cricketspieler ist. „Aber ich bin im Marketing tätig. Ich kenne mich gut mit Präsentationen aus“, sagt er und lacht. „Und ich kenne die deutsche Bürokratie ganz gut und weiß: Hier muss alles seinen richtigen Weg haben – selbst im Sport.“
Die Präsentation hat offenbar überzeugt: Inzwischen spielen die jungen Männer unter dem TuS-Wappen. Und wie geht es weiter? „Erstmal müssen wir uns aufstellen“, sagt der Abteilungsleiter. Das werde mehrere Jahre dauern, glaubt er. Aber ein guter Anfang sei gemacht, nun soll die Mannschaft wachsen und bekannter werden. Über den Vereinsnewsletter oder über Instagram funktioniere das schon recht gut, es gebe aber andere, größere Herausforderungen, meint Iyer. Er nennt ein Beispiel: Besonders wichtig für das Spiel ist ein Streifen mitten auf dem Spielfeld. Dort wirft der Bowler den Ball, der Batter wiederum versucht, ihn zu treffen.
Damit das funktioniert, muss der Ball sauber aufspringen und rollen. Eine solche gewalzte Fläche gibt es auf deutschen Sportplätzen logischerweise nicht. „Deshalb haben wir eine spezielle Matte auf einem Holzbrett – keine ideale Lösung.“ Auch beim Spielmaterial gibt es Defizite. „Momentan trainieren wir noch mit besonders harten Tennisbällen. Eigentlich braucht man aber Lederbälle, und dann muss auch ein Helm her – sonst wird es schmerzhaft“, sagt Iyer.
Auf der Suche nach Sponsoren
Die Grundausrüstung haben sich die Spieler selbst gekauft. Auch der TuS Stetten habe Unterstützung angekündigt, sagt Iyer. „Wir möchten außerdem noch mit der Stadt sprechen. Und wir sind auf Sponsorensuche – etwa für Trikots.“
Etwas mehr als 20 Spieler sind es bislang bei den sonntäglichen Trainingseinheiten, doch selten sind alle gleichzeitig da. „Für ein perfektes Match mit Elfer-Teams bräuchte man eigentlich 22 Spieler.“
Ein Antrag auf Förderung läuft
Also heißt es weiter, fleißig Werbung zu machen, um in Zukunft vielleicht auch an einem regulären Ligabetrieb teilnehmen zu können. Die Fühler hat das Team bereits weit ausgestreckt – selbst nach Freiburg gibt es Kontakte. Dazu gehört auch die Bewerbung bei „SC Freiburg verbindet“, einer Förderung für Integrations- und Sozialprojekte. Iyer findet das sehr passend. „Wir wollen, dass unsere Spieler von überall herkommen“, sagt Iyer. Natürlich sei das Interesse bei Menschen, die mit dem Sport aufgewachsen sind, besonders groß. Aber die Mannschaft hätte gerne auch einige deutsche Mitspieler. Integration wünscht sie sich in beide Richtungen, man sei nicht umsonst bei einem bestehenden deutschen Verein untergekommen. „Am besten wäre es, mit dem Team Teil der Lokalkultur zu werden.“