Die Mannschaftssportler geben bei Olympia 2021 in Summe bisher ein enttäuschendes Bild ab. Der Weg zurück an die Spitze ist schwer, kommentiert unser Olympia-Reporter Jochen Klingovsky.
Tokio - Was für eine Ausbeute! Gold für die Fußballerinnen und die Beachvolleyballerinnen, Silber für die Fußballer und die Tischtennis-Frauen, Bronze für die Handballer, beide Hockey-Teams und die Tischtennis-Männer – das war die olympische Bilanz der deutschen Mannschafts-Ballsportler 2016 in Rio de Janeiro. Und nun in Tokio? Stehen die Tischtennis-Männer im Finale gegen China. Alle anderen großen Teams schafften es zwar zumindest ins Viertelfinale, gingen letztlich aber leer aus. Das ist nicht nur bitter und ernüchternd, sondern auch ein Problem. Weil es nicht einen Weg gibt, um möglichst schnell die Wende zum Besseren zu schaffen. Sondern jede Sportart selbst ihre Richtung bestimmen muss. Und das kann leicht schief gehen.
Schlechtes Beispiel Volleyball
Das beste Beispiel ist der Volleyball-Verband (DVV). Wie schon vor fünf Jahren verpassten beide Hallen-Teams die Qualifikation, und zudem setzten die Verantwortlichen auch die Abteilung Beach in den Sand. Aus den Goldmedaillen von Julius Brink/Jonas Reckermann (2012) und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst (2016) wurde keinerlei Kapital geschlagen, stattdessen scheiterte die mit allen Mittel forcierte Zentralisierung in Hamburg. 2017 sind Karla Borger und Margareta Kozuch, die damals ein Team bildeten, noch vom Verband von Turnieren abgemeldet statt gefördert worden, nun hätten sie mit neuen Partnerinnen in Tokio um die Medaillen spielen sollen. Das schafften Kozuch/Ludwig (Aus im Viertelfinale) und Borger/Sude (Aus in der Vorrunde) nicht, weshalb auch das Konzept des DVV ganz offensichtlich gescheitert ist.
Der deutsche Fußball hat sich blamiert
Blamiert hat sich in Japan der deutsche Fußball, der nur ein Not-Team schickte, während die Frauen gar nicht dabei waren. Die Handballer gehören, entgegen des eigenen Anspruchs, schon länger nicht mehr zur Weltspitze, was die Ägypter dem DHB-Team im Viertelfinale deutlich aufzeigten. Für die Basketballer war schon die Qualifikation ein Erfolg, für die Hockey-Frauen das Aus im Viertelfinale eine große Enttäuschung. Und das Männer-Team, immerhin Olympiasieger 2008 und 2012, steht nach den ersten Spielen ohne Medaille seit 2000 in Sydney vor einem großen Umbruch.
Galionsfiguren wie Tobias Hauke und Martin Häner hören auf, sie zu ersetzen, wird alles andere als einfach. Was noch einmal deutlich macht: Jede Sportart hat ihre eigenen Probleme zu lösen, ein Patentrezept gibt es nicht. Nur die Hoffnung, dass es 2024 in Paris wieder besser läuft. Sicher ist das keineswegs.