Die Nationalmannschaft in der 640-Kilo-Klasse bei den World Games in China erreichte Bronze – mit dabei Tauzieher aus Böllen und Wieden. Foto: Rainer Kiefer

Die Tauzieher aus dem Wiesental kommen mit der Bronzemedaille zurück aus China. Worauf es beim Sport ankommt und warum es jetzt noch keine Pause für die Sportler gibt.

„Dieses Mal war es schon außergewöhnlich“, sagt Patrick Frank aus Böllen über seine mittlerweile dritte Teilnahme bei den World Games. Vom 5. bis 12. August war er mit seinem Team der deutschen Nationalmannschaft im Tauziehen in der 640-Kilo-Klasse (acht Sportler wiegen maximal 640 Kilo) in Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan im Westen des Landes. Auf der Rückreise war das kostbarste Gepäckstück: Die Bronzemedaille.

 

„Es hat sich angefühlt wie das kleine Olympia“, sagt Frank im Gespräch mit unserer Redaktion. Und das war es ja eigentlich auch. Denn die World Games sind die Olympiade, das wichtigsten Multisport-Event, für nicht-olympische Sportarten.

„Die ganze Organisation, die Eröffnungsfeier mit sehr viel Feuerwerken – das war schon wahnsinnig“, schwärmt Frank. 3000 Athleten aus aller Welt, darunter 212 für Deutschland, in 34 Sportarten nehmen teil. Für die Tauzieher aus Böllen und Wieden, die wie ihre Kollegen aus Dietenbach, Siegelau und Eschbach zum Nationalteam gehören, war es die erste Reise nach China. Sie waren untergebracht in einem Athletendorf.

Schwitzen schon vor dem Wettkampf

„Es war drückend-heiß, das war wohl eine der größten Herausforderungen. Bei 35 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit schwitzt du schon, bevor der Wettkampf überhaupt los geht“, erzählt Frank. Doch das Schwitzen hat sich gelohnt: Der 2:1-Sieg im kleinen Finale gegen Belgien bringt dem deutschen Team aus südbadischen Tauziehern die Bronze-Medaille. Der Jubel war riesengroß.

Die Tauzieher in Aktion bei den World Games Foto: Rainer Kiefer

Und irgendwie war dieser Sieg auch eine Revanche, hatte das deutsche Team doch bei den letzten World Games vor vier Jahren beim kleinen Finale gegen die Belgier verloren. „Die Medaille war das große Ziel und die Freude war sehr groß, natürlich haben wir das im Team gefeiert“, freut sich Frank noch heute.

Aushängeschild für Nischensport

Große Freude auch bei Chef-Bundestrainer Thomas Kaltenbach. Denn die Bronze-Männer krönen damit eine Entwicklung,die bereits vor Jahren angestoßen wurde. Und sie sind – auch die Böllener und Wiedner – ein Aushängeschild für den Nischensport Tauziehen. Denn in Deutschland betreiben gerade einmal 461 Menschen in 25 Vereinen aktiv den Sport – und das ausschließlich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. „Die World Games sind alle vier Jahre ein Höhepunkt bei uns im Tauziehen“, sagt Patrick Frank.

Nicht nur auf die Kraft kommt es beim Tauziehen an – auch auf die Taktik. Foto: Rainer Kiefer

Übrigens: Nicht nur das reine Männer-Team war erfolgreich. In der mit 28 Athleten größten Teilmannschaft der World Games gab es zudem ein Mixed-Team und ein Frauen-Team. Das Mixed Team in der 580-Kilo-Klasse holte ebenfalls Bronze und das Frauen-Team in der 500 Kilo-Klasse errang den vierten Platz.

Die starken Wiesentäler

Von den acht des Männer-Teams kommen mit Lucas Broghammer, Tobias Ortlieb und Patrick Frank von den Tauziehfreunden Böllen sowie Philip Klingele aus Wieden die Hälfte aus dem Wiesental. Als Betreuer war Stefan Heimann, ebenfalls von den Böllenern, dabei. Er hat die Gegner im Blick und sagt den Sportlern, wie sie reagieren sollen. „Er schreit uns an und pusht uns“, sagt Frank.

Vor allem die Böllener haben seit ihrer Gründung 1989 eine beachtliche Karriere hingelegt und somit das kleinste Dorf Baden-Württembergs in die weite Welt getragen. Über 50 Deutsche Meistertitel in verschiedenen Gewichtsklassen haben sie erzogen. „Wir waren schon sehr schnell nach der Gründung erfolgreich“, sagt Frank. Übrigens: Vorkenntnisse braucht man keine, ab zwölf Jahren kann man mitmachen und „einfach mal vorbeikommen.“

Auch auf die Taktik kommt es an

Doch dass es für den Tauziehsport nicht nur Muskeln braucht, macht Frank auch klar: „Da steckt auch sehr viel Taktik dahinter, man muss eine Strategie entwickeln und es braucht jede Menge Ausdauer.“ Vor den World Games trainierten die Sportler vier Mal wöchentlich, hinzu kamen zwei Einheiten Kraft- und Ausdauertraining.

Nicht einfach sei es, aus den unterschiedlichen Vereinen ein Nationalteam zu formen. „Jeder hat einen anderen Zugstil“, sagt Frank. Und so mancher musste fürs Training längere Fahrtstrecken in Kauf nehmen. Meist trainierte das Team in Denzlingen. Das Vereinstraining wurde dafür erst einmal aufs Eis gelegt.

Kein Durchatmen möglich

Doch nun ist dies wieder in vollem Gange, denn für die Böllener steht am kommenden Wochenende der Landesligaendkampf in Wieden an. „Mit jetzt schon acht Punkten Vorsprung werden wir wohl Landesligameister“, sagt Frank.

Aber auch das Nationalteam hat noch keine Sommerpause. Denn vom 5. bis 7. September reisen die Männer zur Weltmeisterschaft nach Nottingham. Ziel ist auch hier ein Medaillenrang. Doch man wisse von der Stärke des Teams und habe gute Chancen.