Durch den aktuellen Wasserstand können Spazierwege in Horb nicht mehr genutzt werden.  Foto: Beyer

Feuerwehren und Anwohner an Neckar und Eyach blicken besorgt auf Pegelstände. Tauwetter bis Samstagabend.

Noch bis Samstagabend hält voraussichtlich das Tauwetter an. Feuerwehren und Anwohner an Neckar und Eyach blickten am Freitag wachsam auf die Pegelstände, die mal fielen, dann wieder stiegen. In Mühringen wurden vorsorglich Sandsäcke angeliefert; Bürger bereiteten sich aufs Schlimmste vor.

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Horb - Der Pegelstand am Neckar in Horb betrug am Freitag, 15.30 Uhr, 3,64 Meter. Er überstieg somit noch knapp den Wert eines zweijährigen Hochwassers (3,59 Meter). Der Pegel an der Eyach zeigte einen Wasserstand von 2,06 Metern, ein zweijährlicher Hochwasserstand würde hier bei 2,54 Metern erreicht. Die Daten stammen von der Hochwasservorhersagezentrale, die auf ihrer Internetseite fortlaufend aktualisierte Lageberichte und die aktuellen Pegelstände.

Erst starker Anstieg

Der Lagebericht der Zentrale verzeichnete steigende Pegel an verschiedenen Gewässern mit Einzugsgebiet im Schwarzwald.

Im Stadtgebiet, so berichtet die Stadtverwaltung, sind die Pegel in den vergangenen Tagen auf und ab gegangen. Nach den starken Anstiegen von Donnerstag auf Freitag und einem Rückgang oder einem Stagnieren in den frühen Morgenstunden des Freitags begannen die Pegel wieder zu steigen.

Am Donnerstag gegen 22.15 Uhr löste der Pegel Horb aus – der Meldestand von 2,70 Metern war erreicht. Die Vorhersagen prognostizieren bei der Eyach Pegelstände zwischen 1,8 und knapp über 2 Metern (hier liegt der Hochwassermeldewert bei 2,54 Metern), beim Neckar zwischen 3,6 und 3,8 Metern.

Kernstadt gut gerüstet

Für die Horber Kernstadt stellt das aktuelle Hochwasser laut Stadtverwaltung kein Problem dar. Seit dem Jahr 2011 ist Horb für ein 100-jähriges Hochwasser gerüstet. "In Horb wird bei einem Meldewert von 3,80 Metern der Hochwasserschutz aufgebaut. Hierzu sind alle Vorbereitungen getroffen", so die Stadt. Zum Vergleich: Der Pegelstand des letzten katastrophalen Hochwassers in Horb im Jahr 1990, bei dem auch Teile der Weststadt überflutet wurden, lag bei 5,19 Metern.

Die Feuerwehr Horb beobachtet die Hochwassersituation trotzdem. Sie bittet, die Uferbereiche der Gewässer zu meiden und die Fließgeschwindigkeit nicht zu unterschätzen, auch nicht bei vermeintlich kleinen Bächen.

Wehrbaustelle ist gesichert

Die Abteilungen der Feuerwehr Horb waren auch dieses Mal die Ersten, die über den Sachstand benachrichtigt wurden, berichtet die Stadtverwaltung. Auch die Energie Horb wurde schon am Freitag vergangener Woche alarmiert, damit sie die Baustelle am Neckarwehr sichern konnte. "Die Energie Horb und die beauftragte Baufirma haben daraufhin eventuell gefährdete Geräte und Maschinen auf höheres Gebiet verlegt", berichtet die Stadt.

Unberechenbare Eyach

Unwägbarkeiten bringt bei jedem Hochwasser die Eyach, die in kurzer Zeit gefährlich steigen kann. Das tat sie auch dieses Mal. Der Pegel der Eyach in Bad Imnau lag am Donnerstag um 16 Uhr bei 116 Zentimetern, gegen 20.30 Uhr schon bei 181, Tendenz steigend. Die Stadt berichtet weiter: "Da der Hochwasser-Einsatzplan der Stadt Horb empfiehlt, ab zwei Metern Pegelstand ein Sandsackdepot in Mühringen einzurichten, hat die Feuerwehr am Donnerstagabend gegen 20 Uhr vorsorglich ein Kontingent an Sandsäcken in einem Abrollbehälter nach Mühringen gebracht. Damit kann schnell reagiert werden, sollte der Pegel noch weiter ansteigen." Der Abrollbehälter mit den Sandsäcken werde voraussichtlich noch übers Wochenende in Mühringen stehen, "sodass eine Grundausstattung Sandsäcke schon vor Ort ist, sollte der Pegel je nochmals ansteigen", meldet die Stadt.

Anwohner sorgen vor

Die Neckar-Norduferpromenade ist überschwemmt; Spaziergänger müssen umplanen. Auch die Neckarwiesen sind überschwemmt.

Besonders in Mühringen hoffen Bürger und Ortschaftsverwaltung, dass der Eyachpegel wieder sinkt. Das Jahrhunderthochwasser aus dem Jahr 2013, das den unteren Teil des Dorfs unter Wasser setzte, ist noch in schmerzlicher Erinnerung. Bis heute stehen in Mühringen Hochwasserschutz-Maßnahmen aus. "Ich stehe in Kontakt mit unsrem Feuerwehrkommandanten", sagte Ortsvorsteherin Monika Fuhl. Sie bestätigte, dass Sandsäcke geliefert wurden, und rechnet damit, dass Mühringen das Schlimmste dieses Mal erspart bleibt. "Ich habe gesehen, dass viele Menschen ihre Häuser schon wieder hergerichtet haben", berichtet Fuhl über die Vorkehrungen, die derzeit im Dorf getroffen werden. Sie hat dafür Verständnis: "Wahrscheinlich sind einige der Häuser gar nicht mehr gegen Hochwasser versichert." Nach dem letzten Jahrhunderthochwasser, weiß Fuhl, gebe es mit Gebäudeversicherungen Probleme, sodass für einige Häuser entweder gar kein Schutz mehr bestehe oder die Prämien schlicht zu teuer geworden seien.

Alte Fabrik ein Risiko?

Ein mögliches Risiko stellen in Mühringen auch die in Flussnähe abgestellten abgemeldeten Autos auf mehreren Geländen dar. Dazu Fuhl: "Es sollte nicht falsch rüberkommen. Ich habe ja nichts dagegen, dass es dort Schrauberwerkstätten gibt. Aber ich muss vorsorglich darauf hinweisen, dass es gefährlich werden kann. Die alte Sprudelfabrik ist komplett bis unters Dach vermietet. Was ist, wenn dort mal etwas passiert?"

Situation nicht gefährlich

Laut Stadtverwaltung geht von den Autos derzeit keine Gefahr aus: "Bürgermeister Ralph Zimmermann ist aktuell mit dem zuständigen Amt für Bau, Umwelt und Wasserwirtschaft beim Landratsamt Freudenstadt in Verbindung. Das Landratsamt kommt nach Prüfung der Hochwassersituation zum Ergebnis, dass es aktuell keine Hinweise darauf geben würde, dass das Gelände der alten Sprudelfabrik überflutet werde. Der Pegel der Eyach liege in Bad Imnau unter einem zweijährigen Hochwasser und sei somit unauffällig. Auch die Vorhersagen ließen nicht darauf schließen, dass ein unmittelbarer Handlungsbedarf angezeigt und notwendig wäre."

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