Klaus Kretschmann hat im Internet einen eigenen YouTube-Kanal. Foto: Steinmetz

Das Fotoarchiv des Rathauses ist gut bestückt. Klaus Kretschmann überließ der Stadt, in fünf Themenblöcken gut sortiert und jedes einzelne Foto mit Datum beschriftet, vor Kurzem rund 220 000 Dateien.

Dornhan - Die ersten Fotos lieferte der Stadtfotograf 2001 ab. Seither geht er kaum noch ohne seine Kamera aus dem Haus. Die Stadtverwaltung verkauft derzeit den Dornhaner Jahreskalender 2022. Kretschmann hat wieder, wie in den Jahren zuvor, die Bilder dazu beigesteuert – in höchster Qualität und fotografisch, mit dem Blick für das Besondere, gekonnt.

"Ich habe darauf geachtet, dass alle Ortsteile in dem Kalender vertreten sind", sagt er. Auch der See mit dem Hafen der französischen Partnerstadt Pont-de-Vaux ist auf einem Kalenderblatt vertreten.

Kretschmann legt Wert auf Aktualität. Die Fotos sind allesamt im vergangenen Jahr entstanden. Jedes einzelne wird mit einem Bauernspruch kommentiert. "Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen", steht beispielsweise unter dem im Gegenlicht aufgenommenen Winterbild der Dornhaner Stadtmitte mit dem Denkmal. Der verstorbene Landwirt Helmut Rosenfelder aus Holzhausen hat Kretschmann bei der Auswahl der Sprüche geholfen.

Treffen die Bauernregeln zu?

Ob die Bauernregeln in Zeiten des Klimawandels zutreffen, kann anhand des Kalenders nun auch überprüft werden. Demnach verspricht ein trockener Februar einen heißen März, bei Mairegen wird es Dukaten regnen, im Juli "muss es braten", soll der September "geraten". Wenn dann im Advent strenge Kälte herrscht, soll es 18 Wochen so auch bleiben.

Als Stadtfotograf hat Kretschmann noch andere Projekte. Bei Seniorennachmittagen ist er mit seinen Videovorträgen immer ein gern gesehener Referent. Er versteht es, mit seinen Aufnahmen den Menschen die Heimat mit ihren Naturschönheiten nahe zu bringen.

70 000 Kurzvideos

Doch auch bei geselligen Anlässen ist er präsent. Es gibt kaum eine größere Veranstaltung, die er nicht mit seiner Kamera besucht hat. Auf allen Baustellen der Stadt ist er bei den Firmen und ihren Mitarbeitern bekannt. Akribisch dokumentiert er mit dem Fotoapparat und von oben inzwischen auch mit Drohne die Baufortschritte von Straßensanierungen oder Bauvorhaben.

167 Videos davon hat er ebenfalls der Stadt überlassen. Doch das ist nur ein kleiner Teil, der in seinen Computern gespeichert ist. In Kretschmanns Privatarchiv befinden sich allein 70 000 Kurzvideos von Tieren.

So kurz die Aufnahmen sind, so zeitaufwendig können sie sein. Tierfotografie erfordert viel Geduld, doch manchmal ist die Warterei auch ganz umsonst. Kretschmann wollte unbedingt den Biber im Neckartal bei Sulz fotografieren, der die am Ufer angrenzenden Felder heimsuchte – zum Ärger des Landwirts. In der Nähe des Bahngleises setzte er sich auf die Lauer. Als der Nager nach vier Stunden immer noch nicht auftauchte, gab er auf.

Stundenlang auf der Lauer

Ein anderes Mal hatte er eine unheimliche Begegnung mit einem Fuchs. Ganz aus der Nähe ließ sich dieser fotografieren, ohne wegzulaufen. Kretschmann hatte das Stativ dabei: "Mit dem hätte ich ihm eine gewischt, wenn er auf mich zugekommen wäre", erzählt er. Warum der Fuchs keine Scheu hatte, kann er nur vermuten. "Vielleicht war er krank oder wollte nur etwas fressen."

Zahlreiche Vögel hat Kretschmann aus gebührender Entfernung mit seinem starken Zoom-Objektiv beobachtet, etwa einen Turmfalken, der an einem Haus in der Dornhaner Stadtmitte seine Jungen füttert.

Die Drohne erweiterte das fotografische Blickfeld. Erstmals hat er mit Hilfe des Fluggeräts einen Milan von oben gesehen. "Das Schwierigste aber ist, kleine Vögel aufzunehmen", berichtet Kretschmann. Dabei hat er eine bedauerliche Beobachtung gemacht. Manche Vogelarten fand er nicht mehr vor, etwa den Stieglitz und den Dompfaff.

Nun mit eigenem Youtube-Kanal

Sein jüngstes Projekt ist ein eigener YouTube-Kanal, auf dem er Tiere der Heimat zeigt. Sie werden hinterlegt mit selbst komponierter Musik. Einige davon sind schon hochgeladen und auf dem Kanal "Mama Vogel füttert" zu finden.

Derzeit arbeitet er an einem Video über die heimische Landwirtschaft im Verlauf eines Jahres. Auch dabei sind interessante Tieraufnahmen zustande gekommen, so ein Milan, der über dem Mähdrescher seine Runden zieht, oder eine riesiger Krähenschwarm, der übers Feld fliegt. Sogar bei Blitz und Donner hat Kretschmann die Feldarbeit gefilmt.

Mit 80 Jahren denkt Klaus Kretschmann nicht daran, seine Kameras mitsamt Drohnen an den Nagel zu hängen. Er sprüht geradezu vor Ideen. Einen Kinderfilm oder auch einen Lehrfilm für Schulen würde er gern produzieren. Bildmaterial hat er genug: "Davon könnte ich noch 20 Jahre zehren", sagt er.