Haushalte mit einer Gas-Etagenheizung haben derzeit kaum Alternativen. Ein Start-up aus Baden-Württemberg hat sich 2024 eine Idee patentieren lassen, die für Zigtausende Wohnungen in der Wärmewende interessant sein könnte.
Rund 448 000 Wohnungen in Baden-Württemberg werden mit einer Gas-Etagenheizung warm gehalten. In ganz Deutschland sind es knapp 4,9 Millionen Stück, was 11,6 Prozent entspricht. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft ergeben. Wie sollen diese Haushalte in Zukunft heizen? Ein Start-up mit Wurzeln in Stuttgart und Heilbronn hat eine Lösung entwickelt, die von Herbst an marktreif sein soll.
Etagenheizung meint, dass sich die Energiequelle auf dem jeweiligen Stockwerk eines Mehrfamilienhauses befindet und nicht etwa zentral für alle im Keller. Zwar können solche Häuser theoretisch an ein Wärmenetz angeschlossen werden, dafür sind allerdings in aller Regel aufwendige Umbauten innerhalb des Gebäudes nötig.
Wärmepumpe speziell für Etagenwohnung
Die Idee, wie man es anders machen könnte, sei ihnen 2023 gekommen, erzählt Georg Barbunopulos. Er und Fredrik Janzen, beide 34, haben unter dem Firmennamen „Heatpump23“ eine spezielle Wärmepumpe entwickelt, mit denen Betreiber von Gas-Etagenheizungen in ein bis zwei Tagen umrüsten können, so Barbunopulos. „Sie kommt an dieselbe Stelle wie die Gastherme.“ Zusätzlich brauche es eine Außeneinheit, um Luft anzusaugen. Die sei so groß wie eine Klimaanlage. „Die Heizkörper und die sonstige Infrastruktur bleiben.“ Die Kosten liegen laut dem Gründer bei circa 19 000 Euro.
Im Sommer 2024 haben sich Georg Barbunopulos und Fredrik Janzen ihre Etagen-Wärmepumpe patentieren lassen; bisher haben sie die Technik in der Werkstatt getestet, ab Februar folgen Feldversuche in drei Wohnungen in Stuttgart. Geplant sei, dass die erste Charge – 50 Geräte – dann von Herbst 2025 an eingebaut werden kann. Eine Modellregion ist Stuttgart. Geschäftspartner von „Heatpump23“ seien nicht Privatleute, sondern Installateure und Wohnungsbaugesellschaften.
50 Stück klingt zunächst nach wenig, doch der geplante Hochlauf sieht laut Barbunopulos vor, dass 2026 bereits um die 250 Stück, 2027 etwa 600 Stück vom Stapel gehen. In sieben Jahren sollen es dann bereits 20 000 Geräte pro Jahr sein. „Wir wollen schnell skalieren“, sagt er.
Dass die Idee vielversprechend ist, zeigt auch die Resonanz im Vorfeld. So waren die beiden Gründer, die aus Stuttgart und Heilbronn stammen, zum Beispiel im November 2024 ins Landesfinale 2025 beim „Start-up BW Elevator Pitch“, einem Gründungswettbewerbs des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums, eingezogen. Und vom Klima-Innovationsfonds der Stadt Stuttgart gab es vergangenes Jahr zudem 263 000 Euro Starthilfe.
Nachdem sie sich den Markt angeschaut hätten, sei die Erkenntnis gewesen: „Die Klassiker-Wohnung mit Etagenheizung ist 60, 70 Quadratmeter groß“, sagt Barbunopulos. Ihre Wärmepumpe sei daher zunächst auf Wohnungen zwischen 40 und 100 Quadratmeter ausgelegt. Perspektivisch wolle man aber auch größere Wohnungen abdecken.