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Taubergießen "Orchideendiebe" waren Wildschweine

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Auch Hummelragwurz-Orchideen fielen den Wildschweinen zum Opfer. Foto: pixabay

Kappel-Grafenhausen. Am Ende war es wohl nichts als eine große Schweinerei – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Nach dem vorläufigen Ermittlungsergebnis der Polizei geht das tausenfache Verschwinden seltener Orchideen-Knollen im Naturschutzgebiet Taubergießen bei Kappel-Grafenhausen auf das Konto von Wildschweinen.

Anfang Mai waren aus dem streng geschützten Gebiet am Rhein auf einen Schlag 3000 Pflanzen ausgebuddelt worden, in den Wochen danach wurden immer wieder neue Fälle entdeckt. Ein Fakt, der die Polizei stutzig machte: Es sei "untypisch", dass "die überregionale Berichterstattung und die offensichtliche polizeiliche Präsenz keinen Abschreckungseffekt hatten".

Das Medienecho, das die vermeintlichen Langfinger ausgelöst hatten, war tatsächlich immens. Für viele Naturschützer, Biologen und Jäger stand von Anfang an fest, dass nur habgierige Langfinger für das Verschwinden der Knollen infrage kämen. Auf dem Schwarzmarkt, hieß es, ließen sich bis zu 100 Euro pro Pflanze erzielen.

"Wir haben uns voreilig auf eine Theorie festgelegt"

Diese Theorie wurde schnell als Tatsache dargestellt – auch von der Polizei. In ihrer ersten Pressemitteilung war die Rede von einer "nie dagewesenen Umweltstraftat". Yannik Hilger vom Präsidium in Offenburg räumte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung ein: "Ja, wir haben uns voreilig auf eine Theorie festgelegt, die Ermittlungen haben andere Erkenntnisse gebracht", sagte Hilger.

Zeitweise waren vier Kripobeamte mit dem Fall betraut, die mehr als 30 Hinweisen aus der Öffentlichkeit nachgingen, Experten zu der Thematik anhörten, Telefonverbindungsdaten auswerteten und groß angelegte Überwachungsmaßnahmen in dem 1700 Hektar großen Gebiet einrichteten, um Aufschluss über das sukzessive Verschwinden der Gewächse zu gewinnen. Ergebnis: keine konkrete Spur, die auf Menschen als Täter hindeutet.Stattdessen rückten immer mehr Wildschweine ins Visier der Ermittler. So seien dort, wo nachts die Paarhufer gesichtet worden waren, am nächsten Tag Orchideen-Knollen verschwunden gewesen. Die Ausgrabungen ähnelten "in Art und Beschaffenheit" den vorherigen, schreibt die Polizei. Statt mit einer Schaufel waren die Pflanzen offensichtlich von einer Schweineschnauze ausgegraben worden. Auch bei diesen Spuren habe man frappierende Ähnlichkeiten festgestellt. Doch das stärkste Indiz, das die Theorie der diebischen Menschen widerlegte, sollte aus dem Labor kommen. Die Untersuchung eines frisch ausgehobenen Lochs brachte DNA-Material zutage, das eindeutig von einem Wildtier stammte.

Aus Naturschützerkreisen waren bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung des Ermittlungsergebnisses Zweifel an den Erkenntnissen der Polizei zu vernehmen. Im Regierungspräsidium in Freiburg, das für den Taubergießen zuständig ist, teilt man die Skepsis nicht. Pressesprecher Markus Adler: "Wir haben Vertrauen in die offensichtlich sehr gründliche Arbeit der Polizei." Ob und wie die Ermittlungen weitergehen, liegt nun in den Händen der Staatsanwaltschaft.

Juristisches Nachspiel für Online-Händler

Ein Nachspiel hat der Fall definitiv für einige Online-Händler. Denn die Beamten waren nicht nur im Naturschutzgebiet unterwegs, sondern auch im Internet. Bei Recherchen in Foren und Dark­net-Marktplätzen stießen sie auf Verkaufsangebote von geschützten Orchideen-Knollen. Zwar brachten die Ermittlungen keinen direkten Bezug zum Taubergießen. Doch führten sie zu Strafverfahren gegen die Anbieter.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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