Arzu Paj kümmert sich mit ihrem Team um die Stadttauben in Rottweil. Nun gibt es auch ein Taubenproblem in Lauffen. Foto: Marcel

Ein anonymer Brief erreicht das Rathaus in Lauffen und macht auf ein wachsendes Taubenproblem in der Gemeinde aufmerksam. Nun äußert sich die Verwaltung dazu.

Ein Brief von „besorgten Anwohnern“ aus Lauffen erreichte jetzt das Rathaus.

 

Der Verfasser macht darin aufmerksam auf ein Taubenproblem: Die Tiere sorgten für erhebliche Verschmutzungen auf Gehwegen, Gebäuden und Fahrzeugen. „Nach Beobachtungen im Ort steht dies im Zusammenhang mit einer privaten Taubenhaltung. Die Situation hat sich in letzter Zeit deutlich verschärft. Es bestehen zunehmende hygienische Bedenken sowie eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner.“

Die Gemeinde wird in dem anonymen Schreiben gebeten, die Situation zu prüfen „und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“ Wegen der sensiblen Situation im sozialen Umfeld bittet der Verfasser um Verständnis darum, dass er anonym bleiben möchte.

Problem ist bekannt

Das Problem ist sowohl der Gemeinde als auch dem Rottweiler Tierschutzverein seit längerem bekannt, wie Arzu Paj vom Vorstand betont. Sie leitet außerdem dem Verein „Unsere Rottweiler Stadttauben“ und kümmert sich seit vielen Jahren um diese. Unter anderem werden von ihr und ihrem Team in Taubenschlägen gelegte Eier gegen solche aus Plastik ausgetauscht und die Tiere versorgt. Das hat merklich dazu geführt, dass in Rottweil die Tauben nicht mehr auf den Straßen nach Essen suchen.

Arzu Paj betont aber, dass das Problem am System liegt, so beispielsweise an den Vorgaben für Brieftaubenzüchter, die für ihr Hobby die schnellsten und fittesten Tiere brauchen, keine kranken und schwachen. Dazu kommt das Problem der Hochzeitstauben. Arzu Paj weiß, dass diese weißen Tauben, die dem Brautpaar Glück bringen sollen, selbst keines haben. Denn Tauben sind Haustiere, und gerade weiße Hochzeitstauben sind in der freien Natur nicht überlebensfähig. Bei der Zucht zum reinweißen Gefieder sei ihnen der Orientierungssinn gänzlich verloren gegangen, schreibt der Verein auf seiner Homepage. So schließen sie sich den Stadttaubenschwärmen an und sorgen für eine Vermehrung der Population.

„Weiße Tauben gelten als Haustiere, Stadttauben als verwilderte Haustiere. Das Aussetzen von Haustieren ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (§ 3 Nr. 3 TierschGes), der geahndet werden kann.“ Arzu Paj betont, „die Wurzel des Problems sind die Züchter, aber wir wollen nicht auf einzelne Züchter zeigen.“ Es brauche, stellt sie klar, betreute Taubenschläge wie in Rottweil.

Hohe Kosten

Darüber haben die Taubenschützer bereits Gespräche mit der Gemeinde Deißlingen geführt, „aber wir kommen auf keinen Nenner,“ so Arzu Paj. Das bestätigt und begründet Bürgermeister Ralf Ulbrich auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die Taubenthematik beschäftigt uns als Gemeinde schon eine ganze Zeit lang und wir sind beziehungsweise waren hierzu auch schon im Austausch mit dem Tierschutzverein und dem Stadttaubenverein. Richtig ist, dass die Population durch die Arbeit des Stadttaubenvereins reguliert werden kann, auf der anderen Seite stehen dem aber immense Kosten gegenüber.“

Im Gespräch mit Umlandgemeinden

Das seien nicht nur die Personalkosten, die beim Stadttaubenverein anfallen, sondern auch im Vorlauf große Investitionskosten. „Der Stadttaubenverein hält Taubenhäuser für ungeeignet (im Rottweil wurde ja auch schon eins demontiert) und schlägt stattdessen ausgebaute Taubenschläge im Dach eines zentral im Ort gelegenen Gebäudes (in unserem Fall konkret das Rathaus) vor. In Dietingen wurde eine solche Lösung im Schulhaus realisiert, worüber wir Rottweiler Umlandgemeinden uns schon im Gespräch mit dem Kollegen Felix Hezel informiert haben. Auch von dort wurde der hohe Aufwand bestätigt.“

Gleichzeitig habe sich aber dort eine stabile Population entwickelt und sie wurde keinesfalls auf Null reduziert, betont Bürgermeister Ulbrich. „Nicht nur für mich stellt sich die Frage, ob es letztlich eine kommunale Aufgabe ist, Wildtiere oder ausgewilderte Haustiere zu füttern, pflegen und umsorgen. In dieser Frage sind wir uns mit dem Stadttaubenverein nicht einig.“