Böse Überraschung am Morgen: eine Katze hat eine Taube erlegt und vor der Haustür zerfetzt. Foto: Michael Rani

Taubenkot, Federn und Kadaver auf den Dächern und in den Gärten gehören in einem Baligner Neubaugebiet zum Alltag. Die Hausbesitzer greifen zu teils harten Bandagen.

Zwei Biotonnen voller alter Nester, Zweigen und Kot habe sein Nachbar jüngst unter den Paneelen der Solaranlage rausgeklaubt, erzählt Michael Rani. Er ist einer von rund 50 Bewohnern in der Straße Auf Binken und in der Heinrich-Herz-Straße in Balingen-Weilstetten, die im November einen flammenden Appell an die Stadt unterzeichnet hatten.

 

„Weil nichts passiert, müssen wir uns eben selbst helfen“, sagt Rani beim Ortstermin. Er ist sichtlich aufgebracht, als er seine Terrasse zeigt. Auf dem Boden liegt überall Kot. „Dabei habe ich erst vor zwei Tagen alles sauber gemacht.“

„Die kacken einem auf den Teller“

Taubenhasser sei er bestimmt nicht. Das Gurren fände er auch ganz schön. Allerdings nerve es zu nachtschlafender Zeit und in überlauter Dauerschleife. Im Schreiben an die Stadt Balingen, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Bis zu 23 Tauben werden auf einzelnen Dächern gezählt.“ Und weiter: „Genau so zermürbend ist der subtile Geruch nach Hühnerstall.“

Rani und seine Nachbarn fühlen sich durch die Invasion in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Kaum einer wagt es, im Sommer draußen auf der Terrasse zu speisen, „die kacken einem auf den Teller“, berichtet Rani. Selbst wenn jemand das Essen unter freiem Himmel genießt, man könne es keinen Moment unbeaufsichtigt lassen. „Die Tauben warten schon darauf.“ Nicht umsonst, meinen er und seine Mitstreiter, nenne man Tauben auch „Ratten der Lüfte“.

Taubensperre ist den Vögeln egal

Die Sorgen um die Hygiene und die Angst vor etwaigen Krankheiten ist die eine Sache, die die Anwohner seit mindestens drei Jahren umtreibt. Die andere ist der Grund, warum sich immer mehr Tauben im Neubaugebiet ansiedeln: Die Vögel haben scheinbar entdeckt, dass es sich unter den Solarpaneelen überdacht bequem brüten lässt.

Einige hundert Euro hat Michael Rani investiert, um seine PV-Anlage und vor allem seine Familie und sich selbst zu schützen. Eine Art Bürste, die rund um die Paneele gelegt ist, soll verhindern, dass die Tauben darunter Unterschlupf finden. Das scheint den Tieren egal zu sein – die Tauben überwinden das Hindernis, schon wieder ist ein neues Nest auf Ranis Dach gebaut worden. Dann und wann kullere ein Eis aus dem Nest und zerplatze auf der Terrasse.

„Alles war verkotet“

Den Vorbau seines Eigenheims hat Michael Rani vor wenigen Wochen frisch gestrichen. „Alles war verkotet.“ Den Nachbarn gehe es ähnlich. Mindestens zwei Mal im Jahr würden sie auf die Dächer klettern, um die Solaranlagen zu reinigen. „Taubenkot ist alkalisch und kann die Paneele beschädigen“, meint Rani.

Ein Blick in die Nachbargärten zeigt: Die meisten haben ihre Gartenmöbel mit Schutzhüllen versehen – die verkotet sind. Rani hat Fotos gemacht von dem kleinen Tisch, der vor seiner Haustür steht. Der Boden ist übersät mit Federn und Blutflecken, ein zerfetzter Taubenkörper liegt da – eine Katze hatte „Waidmanns Heil“.

Die Nachbarn haben die Faxen mehr als dicke. Manche, berichtet Rani, würden reichweitenstarke Spritzpistolen mit Säure füllen und damit auf die Tauben zielen. Und er zeigt noch ein Foto: eine tote Taube liegt im Gras, durchbohrt von einem Pfeil.