Vielen brütenden Tauben sei der Weg zu den bereits geschlüpften Küken und Eiern versperrt worden, so der Vorwurf. Foto: © kseniiavladimir – stock.adobe.com

Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde Dietingen. An der Grundschule seien Taubenküken wissentlich eingeschlossen worden und verendet. Nun solle der Tierschutzverstoß vertuscht werden. Bürgermeister Frank Scholz nimmt auf Nachfrage unserer Redaktion Stellung.

Dietingen - Der Verein Menschen für Tierrechte mit Sitz in Stuttgart schildert in einer Pressemitteilung aus seiner Sicht das Geschehen. Betitelt ist die Mitteilung mit "Kollektive Vertuschung eines Tierschutzverstoßes? Gemeinde Dietingen schweigt über den Verbleib der Taubenküken".

 

Darin wird geschildert, dass bis vor einiger Zeit Taubeneltern auf dem Dach der Dietinger Grundschule aus- und eingeflogen seien, um ihre Küken unter der dortigen Photovoltaikanlage zu versorgen. Nun sei Ihnen der Zugang versperrt worden – und über den Verbleib der Taubenküken herrsche "allgemeines Schweigen. Der eingetragene Verein fordert das Veterinäramt auf, "die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen".

Taubenschlag nahe der Grundschule

Wie der Verein weiter erklärt, bestehe seit knapp zwei Jahren gegenüber der Grundschule in Dietingen (Kreis Rottweil) ein Taubenschlag im Dachgeschoss eines Gemeindegebäudes. Die Zusammenarbeit zwischen dem Verein "Unsere Rottweiler Stadttauben" und der Gemeinde Dietingen funktioniere eigentlich gut. Vor wenigen Wochen seien die Taubenschützer dann aber geschockt gewesen: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der gegenüberliegenden Grundschule sei verschlossen worden, "obwohl zu diesem Zeitpunkt etliche Taubenküken zugegen waren".

Arzu Paj vom Verein Rottweiler Stadttauben spricht auf Nachfrage von "40 bis 50 Taubenpaaren", die dort gebrütet hätten. "Es geht hier um richtig viele Tiere und viele Küken und Eier. Deren hätte man sich auch gerne angenommen, wenn man über die Arbeiten Bescheid gewusst hätte.

Bürgermeister Frank Scholz und der Hauptamtsleiter seien über die Taubensituation im Bilde gewesen. Mit dem Taubenverein sei vereinbart worden, diese vorab zu informieren, damit man sich den Taubenküken tierschutzkonform annehmen könne. "Stattdessen gab die Gemeinde nun einer ortsansässigen Firma den Auftrag, die Photovoltaikanlage zu verschließen, ohne Rücksicht auf die Tiere. Es scheint fast so, als wäre die ganze Aktion absichtlich heimlich, still und leise abgewickelt worden", so die Mutmaßung der Tierschützer. Die Anlage sei verschlossen, von den Küken sei kein Lebenszeichen mehr zu vernehmen gewesen. Rückfragen bei der Gemeinde seien bis heute unbeantwortet geblieben.

Tiere qualvoll verendet?

Tierärztin Stephanie Kowalski vom Verein Menschen für Tierrechte sagt: "Wir müssen davon ausgehen, dass es sich hier um einen Tierschutzverstoß handelt. Durch das Verschließen der Anlage hatten die Elterntiere keine Möglichkeit mehr, ihre Kinder zu versorgen. Wahrscheinlich sind diese qualvoll unter der Photovoltaikanlage verhungert und verdurstet."

Was sagt Bürgermeister Frank Scholz zu diesen Vorwürfen? Auf die Nachfrage unserer Redaktion antwortet er umgehend. Die Mitteilung des Vereins Menschen für Tierrechte sei "leider in einigen Punkten falsch", so Scholz. "Zunächst ist festzuhalten, dass die Gemeindeverwaltung mit allen Beteiligten in Kontakt ist und sich mitnichten ausschweigt. Der Verein Stadttauben Rottweil und Frau Kowalski vom Verein Menschen für Tierrechte haben Schreiben und Mails erhalten."

Anlage abgebaut

Weiterhin sei festzuhalten, dass der Betreiber der Photovoltaikanlage seine Anlage im Spätsommer abgebaut und das Dach, die Dachrinne und die Anlage von starken Verschmutzungen gereinigt hat, berichtet Scholz. "Er hat die Anlage danach wieder aufgebaut und mit Gittern versehen. Die Arbeiten haben nach Angaben des Betreibers zehn Tage in Anspruch genommen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass unter der Anlage keine Küken oder Elterntiere verblieben sind", so der Bürgermeister.

Die Gemeindeverwaltung habe vom Zeitpunkt der Arbeiten keine Kenntnis gehabt und damit auch keine Möglichkeiten, die Vertreter der Stadttauben vorab zu informieren.

Laut Bürgermeister Scholz viele falsche Angaben

Scholz betont: "Es ist für die Gemeindeverwaltung nicht nachvollziehbar, dass in der Pressemitteilung des Vereins Menschen für Tierrechte so viele falsche Angaben und nicht nachweisbare Vermutungen gemacht werden. Das entwertet auch die Arbeit dieses Vereins, in dem meine Familie im übrigen Mitglied ist." Man stehe im Übrigen auch im Austausch mit dem Veterinäramt im Landratsamt Rottweil.

Für Arzu Paj von Verein Rottweiler Stadttauben ist die Sache "ein Skandal". Sie bereut gemeinsam mit anderen Helfern den Taubenschlag nahe der Dietinger Grundschule. Jeden Tag sei jemand vor Ort. Komischweise hätte man nie Arbeiter an der Anlage gesehen. "Die kamen wohl immer erst, als wir morgens weg waren." Und wenn die Anlage in einer groß angelegten Aktion abgebaut worden wäre, hätte man das mitbekommen.

Das Landratsamt Rottweil erklärt auf unsere Nachfrage: "Das Veterinäramt hat Kenntnis von dem Fall. Die Polizei ist ebenfalls eingeschaltet und steht mit dem Veterinäramt in laufendem Kontakt. Die Abklärungen, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt, dauern noch an."