Mitten in der Nacht wird die A81 erneut zur Rasermeile: Zwei SUVs bremsen den Verkehr aus, um ein illegales Rennen zu starten. Die Polizei ermittelt – und sucht Zeugen.
Es soll sich um Mitternacht in der Nacht auf Sonntag zugetragen haben: ein illegales Rennen auf der Autobahn. Immer wieder wird die A81 zu Rasermeile, zur Rennpiste für Liebhaber des Geschwindigkeitsrauschs und Autofahrer, die ihre „heiligen“ Bleche gerne mit denen anderer messen wollen.
Häufig unterbleibt eine Verfolgung und kommen die Raser damit ungeschoren davon. Zu schnell brausen sie in der Regel den ordnungsgemäß die Autobahn nutzenden Fahrern davon, um Kenntnis von den Kennzeichen an ihren Autos oder gar den Personen hinter dem Steuer zu nehmen.
Doch während Autofahrer, die die A81 häufig nutzen, oftmals lediglich Zeuge des Kräftemessens zweier Fahrer werden, gibt es immer wieder auch Vorkommnisse wie dieses in der Nacht zum Sonntag: Autofahrer, die zu einem offenbar zuvor koordinierten und penibel vorbereiteten Rennen antreten.
Vorgehen häufig das gleiche
Das Vorgehen ähnelt sich, wie die Recherche früherer illegaler Autorennen zeigt. Und es ist keineswegs ungefährlich: Zuerst wird der nachfolgende Verkehr auf beiden Spuren absichtlich abgebremst. Leitfahrzeuge des Rennens drücken also zunächst einmal kräftig auf die Bremse und zwingen andere Autofahrer somit ebenfalls dazu. Die Gefahr, dadurch Auffahrunfälle zu verursachen, weil mit hoher Geschwindigkeit nahende weitere Autofahrer das „Schneckentempo“ auf der Autobahn zu spät erkennen und keinerlei Ausweichmöglichkeit mehr haben, wird schlichtweg ignoriert.
Bis auf Tempo 50 sollen die Rennfahrer den Verkehr auf der Autobahn auf Höhe Tuningen am späten Samstagabend gedrosselt haben.
Selten erwischt
Beispiele über illegale Autorennen auf der A81 im Bereich Tuningen, Deißlingen oder Geisingen gibt es viele, alleine 2019 zählte die Polizei bei mutmaßlich hoher, unerkannter Dunkelziffer elf illegale Rennen auf der Südwest-Autobahn mit der Nummer 81 – und das Vorurteil, es seien vornehmlich Schweizer, die ihre PS starken Karossen zum Kräftemessen auf den deutschen Asphalt bringen, hält sich hartnäckig.
Aber nur selten gelingt der Polizei ein Coup wie im Mai 2023: Auf demselben Streckenabschnitt wie heuer war ausgerechnet in derselben Mainacht und zum selben Zeitpunkt, als zwei 29 und 44 Jahre alte Schweizer aus dem Kanton Thurgau sich ein PS starkes Rennen lieferten, ein Videofahrzeug der Verkehrspolizei an der Anschlussstelle Engen im Einsatz.
Die Beamten darin verfolgten, wie die zwei Autofahrer auf einer Gesamtstrecke von etwa 35 Kilometern mehrfach ganz offensichtlich miteinander im Wettstreit über den Asphalt jagten. Andere Autofahrer wurden durch extrem dichtes Auffahren zum Spurwechsel gedrängt. Und erst nach Hinzuziehung weiterer Streifen gelang es der Polizei, die Raser aus dem Verkehr zu ziehen – Sicherheitsleistungen in Höhe von mehreren tausend Euro wurden fällig, ein Fahrzeug, das technisch frisiert war, aus dem Verkehr gezogen.
Auch im vergangenen Jahr, im April 2024 bewährte sich eine Videostreife – ein Autofahrer hatte der Polizei zuvor, ebenfalls im Bereich Deißlingen und Tuningen, ein mutmaßliches Rennen zwischen einem Ferrari und einem Mercedes gemeldet. Die Videostreife leistete ganze Arbeit, der Ferrari wurde rausgezogen – und dessen Fahrer war bald darauf seinen Sportwagen erst einmal los: Sein Auto wies verbotene technische Veränderungen auf.
2020 gingen der Polizei zwei – damals 26 und 27 Jahre alte Rennfahrer ins Netz, die im Geschwindigkeitsrausch gegeneinander auf der A81 angetreten waren.
Das kann ihnen blühen
Was Teilnehmern an einem illegalen Autorennen auf der Autobahn vor Gericht blühen kann, musste beispielsweise ein 28-jähriger nach einem eher harmloseren Fall auf lediglich 500 Metern Strecke der A81 vor Gericht erfahren: Am Ende seiner Rasergeschichte stand zwar eine Verfahrenseinstellung, allerdings eine recht kostspielige: 3000 Euro Spende an den Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen. Nicht immer bleibt es indes bei Geldstrafen – die Teilnahme an einem illegalen Rennen kann laut Strafgesetzbuch auch mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren geahndet werden, werden sogar Menschenleben oder Dinge von erheblichem Wert gefährdet, kommen sogar fünf Jahre in Betracht, bei einer Todesfolge gar zehn Jahre.
Zeugensuche läuft
Im Fall des jüngsten mutmaßlichen Autorennens bei Tuningen ermittelt nun die Polizei. Die Zeugensuche läuft auf Hochtouren. Gesucht werden ein dunkler Jeep Range Rover sowie ein dunkler Audi Q5 oder Q7, die durch ihre Fahrweise auffielen – Zeugen werden gebeten sich beim Autobahnpolizeirevier Mühlhausen-Ehingen unter Telefon 07733/9 96 00 zu melden.