In Basel treiben Velodiebe ihr Unwesen. Besonders hoch im Kurs stehen Drahtesel mit Elektromotor. Foto: Andreas Gebert/dpa

Eine Taskforce soll in Basel Velodiebe ins Visier nehmen.

Es dauert nur wenige Sekunden: Schon ist das Fahrradschloss geknackt und der Dieb mit Beute über alle Berge. In Basel ist das Alltag. Mehr als 5500 Fahrräder und E-Bikes im Gesamtwert von mehr als zwölf Millionen Franken sind vergangenes Jahr in der Stadt am Rheinknie gestohlen worden, wie Großrat Bruno Lötscher-Steiger weiß. Der Mitte-Politiker sieht dringenden Handlungsbedarf und hat im Basler Parlament einen Vorstoß auf den Weg gebracht, um es Langfingern schwer zu machen.

 

Leider sei es eine Tatsache, dass die Diebe oft aus dem grenznahen Ausland in die Schweiz kommen und diese auch rasch wieder verlassen, stellt Lötscher-Steiger fest. Dies mache die Verfolgung aktuell schwierig. Kriminalitätsbekämpfung müsse aber auch über die Landesgrenze hinaus erfolgen können.

„Offenbar reichen die bestehenden Verträge über die polizeiliche Zusammenarbeit insbesondere mit Frankreich nicht aus, um beispielsweise die direkte Nacheile von auf frischer Tat ertappten Velodieben über die Grenze zu ermöglichen“, begründet er seinen Antrag, mit den französischen und deutschen Behörden Verhandlungen aufzunehmen zur Ergänzung der bereits bestehenden Polizeiübereinkommen oder zur Schaffung neuer Übereinkommen. Weiter fordert er, eine Taskforce einzusetzen mit den Zielen, die Zahl der Velo- und E-Bike-Diebstähle auf dem Kantonsgebiet innerhalb von zwei Jahren mindestens zu halbieren und eine Aufklärungsquote von mindestens 25 Prozent zu erreichen. Derzeit liege die Aufklärungsquote bei Velo- und E-Bike-Diebstählen bei „blamablen zwei Prozent“.

Velos tauchen in Frankreich auf

Viele der gestohlenen Velos finden den Weg über die Grenze nach Saint-Louis – einem Dreh- und Angelpunkt für Fahrraddiebe, wie die Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ in der Vergangenheit berichtete. Im Frühling 2021 sprach sie von einer beispiellosen Zunahme von gestohlenen E-Bikes, die überwiegend aus Basel stammten.

Damit ist auch ein hoher finanzieller Schaden verbunden: Die Versicherung Axa verzeichnete vergangenes Jahr Rekordsummen von 22 Millionen Franken für gestohlene Velos, demnach verursachten E-Bike-Diebstähle durchschnittlich Kosten von 3100 Franken pro Fall.

9000 gestohlene Fahrräder

Insgesamt verzeichnete das Unternehmen rund 9000 gestohlene Fahrräder und E-Bikes, wie eine Mitteilung des Versicherers zeigt – beide Basel sind in diesem Zahlenwerk die Velodiebstahl-Hochburg. Bereits im Juli hatten Stadt- und Landkanton sowie das Departement Haut-Rhin angekündigt, eine binationale Velo-Polizei einzurichten und die Zusammenarbeit mit Frankreich zu verstärken. Die Polizei plant gemischte Streifen mit dem Departement Haut-Rhin, um gezielt nach gestohlenen Zweirädern zu suchen und gegen den organisierten Velodiebstahl vorzugehen.

Mit im Boot ist auch die Kantonspolizei Basel-Stadt, hieß es im Sommer. Parallel hierzu haben die Kantone ihre Präventionsarbeit verstärkt: Basel-Land hat eine spezielle Vignette eingeführt, mit der Velos versehen werden können – diese ist online registriert. So sollen sichergestellte Velos leichter den Besitzern zugewiesen werden können.