Fahrgäste der Hermann-Hesse-Bahn müssen unterschiedliche Tarifsysteme im Auge behalten – je nachdem, wohin sie fahren wollen. Foto: Thomas Fritsch

Die Hesse-Bahn fährt – doch neben kleineren Startschwierigkeiten gibt es auch Konfusion im Tarifgefüge. Deshalb kann es günstiger sein, weiter zu fahren.

Dass der Start der Hermann-Hesse-Bahn (HHB) nicht vollkommen reibungslos verlaufen würde, konnte man vermutlich erahnen. Dabei lief der erste „normale“ Betriebstag richtig rund – der Landkres vermeldete 4000 bis 5000 Fahrgäste. Pech war dann die Zwangspause am zweiten Tag: Der Zugführer hatte sich in Calw aus der Bahn ausgeschlossen – und erst ein Kollege mit Ersatzschlüssel sorgte dafür, dass die Fahrt weiter gehen konnte.

 

Doch zu diesen Startproblemen scheint es auch ein Tarifchaos zu geben. So meldete sich unser Leser Werner Möhrle bei unserer Redaktion: „Wunderbar, dass die Hesse-Bahn endlich fährt und wir jetzt in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) integriert sind. Das allerdings in einer speziellen Tarifkonstruktion. Fährt man nur von Calw nach Weil der Stadt (VVS-Zonen sechs, fünf und vier), gilt nach wie vor der VGC-Tarif (fünf VGC-Zonen), das Ticket kostet 6,10 Euro“, schreibt er. Erst wenn das Ziel weiter weg liege, gelte der VVS-Tarif, dann aber für die gesamte gefahrene Strecke. „Ist es noch in Zone vier, ermäßigt sich der Ticketpreis auf 5,90 Euro (Handy-Ticket 5,50 Euro), man kommt damit bis Rutesheim. Da muss man sich dann doch die Augen reiben, so ganz schlüssig ist das nicht“, findet Möhrle.

Auf Nachfrage unserer Redaktion teilt Anja Reinhardt von der Stelle für Öffentlichkeitsarbeit beim Calwer Landratsamt mit, dass man sich sehr freue, dass die Hermann-Hesse-Bahn so positiv angenommen wird und der Lückenschluss zum VVS-Netz erfolgt ist.

Schuld sind unterschiedliche Tarifsysteme

„Die von Ihnen geschilderten Preisdifferenzen resultieren aus der technischen sowie organisatorischen Zusammenführung zweier unterschiedlicher Tarifsysteme und der besonderen Lage des Bahnhofs Weil der Stadt als Schnittstelle zweier Landkreise und Tarifsysteme“, so Reinhardt weiter. Aktuell befinde man sich in der Übergangsphase der Teilintegration des Landkreises Calw in den VVS.

Seit dem 1. Februar gelte der VVS-Tarif für Fahrten im Korridor zwischen dem VVS-Gebiet und dem Bahnhof Calw. Ziel dieser Neuerung sei es, den Schwarzwald und die Metropolregion Stuttgart tariflich zu vereinen. Wer „über die Grenze“ fahre (zum Beispiel von Calw nach Rutesheim), nutze bereits das durchgängige VVS-System.

Bei Fahrten rein innerhalb des Landkreises Calw sowie von Calw bis zum „Schnittstellenbahnhof“ Weil der Stadt komme aktuell noch der Tarif der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC) zur Anwendung.

Angleichung „dürfte noch einige Zeit dauern“

„Dass die Fahrt über eine längere Distanz (bis Rutesheim) im VVS-Tarif rechnerisch günstiger sein kann als die kürzere Fahrt im VGC-Tarif (bis Weil der Stadt), ist ein Resultat dieser System-Überschneidung“, so Reinhardt.

Sie teilt weiter mit: „Wir sind uns bewusst, dass solche Preisunterschiede an den Schnittstellen für Fahrgäste Fragen aufwerfen können. Diese Konstruktion wurde gewählt, um den Fahrgästen aus Calw überhaupt erst den nahtlosen Zugang zum Stuttgarter Netz mit nur einem Ticket zu ermöglichen.“

Zusammenfassend lasse sich sagen: „Die Fahrgäste profitieren durch die Kooperation von einer deutlich größeren Reichweite und modernen digitalen Ticket-Optionen, auch wenn die historische Trennung der Verkehrsverbünde in Einzelfällen zu solchen rechnerischen Besonderheiten führt. Im Zuge der angestrebten Vollintegration des Landkreises Calw in den VVS bietet sich die Chance, selbige zu prüfen und bestehende Preisstrukturen im Sinne der Fahrgäste weiter zu vereinfachen.“ Das dürfte allerdings noch einige Zeit dauern.