Im Kampf mit Bösewicht Rotbart (Ryley Grgic, im Hintergrund) schützen die Schwäne das Liebespaar (Solo-Tänzer Benjamin Skupien und Primaballerina Nichika Shibata). Foto: Joachim Westendorf

Mit der Aufführung des Balletts „Schwanensee“ im Villinger Theater am Ring hat die Reihe der Tanztheatergastspiele des Kulturamts erneut einen Volltreffer in die Stadt gebracht

Vor vollen Zuschauerrängen im Villinger Theater am Ring wurde ein prachtvolles Menue des Augenschmauses angerichtet und in großer Ausdehnung voll entfaltet und zelebriert.

 

Und wie schön! Peter Tschaikowskys Kunstwerk von 1877 aus donnernder und empfindsamer hochromantischer klassischer Musik liefert die Basis, um die märchenhafte Geschichte um Liebe und Anziehung, Boshaftigkeit und Verirrung nur durch Tanz und Bewegung zu erzählen. Schwanensee ist zum opus maximum der Ballettkunst geworden.

Das Werk verkörpert laut Peter Breuer, dem vor Ort anwesenden langjährigen Salzburger Chefchoreografen, einen „Geniestreich, sowohl musikalisch, als auch von der Idee, dass Frauen sich wie Schwäne bewegen.“ In seiner Begrüßung verwies Breuer als Leiter der Choreographie ein wenig stolz auf seine Erfahrungen mit mehr als 500 selbst getanzten Schwanensee-Aufführungen. Breuer hat nun diese herrliche Produktion des Europaballets St. Pölten nach Vorlagen der berühmten Originale von Marius Pepita und Lew Iwanow von 1895 weiterentwickelt und inszeniert. Sein Arbeitsschwerpunkt widmet sich der künstlerischen Tätigkeit dieser Talentschmiede internationaler junger Tänzer, die immer wieder neu als Compagnie auf den führenden Bühnen in Europa begeistert.

Der Vorhang hebt sich. Aber erst einmal bleibt das klassische Ballett unerkannt. Die Geschichte beginnt locker, differenziert getanzt, aber in kurzer sportlich-schwarzer Bekleidung. Prinz Siegfried (Benjamin Skipien brilliert als Tänzer) feiert das Erwachsenwerden mit Freunden, mit Geschenken, geschmiedetem Schwert, ein Kuchen wird überreicht. Die Mutter (Lea Wolf in meisterlicher Bewegung) drängt zur Hochzeit, deren Lover Rotbart (Ryley Grgic als Bösewicht tanzt herrlich) ist Siegfried aber suspekt.

Schwanenmädchen Odette perfekt von Nichika Shibata präsentiert

Das Märchenhafte beginnt: Aus dem plötzlich vergrößerten Kuchen recken sich nacheinander Vogelbeine, Schwanenhälse, junge Tänzerinnen entsteigen ihm, mit Schwanenmädchen Odette, perfekt von Primaballerina Nichika Shibata präsentiert, auch in der späteren Rolle als schwarzer Schwan.

Doch dann wandelt sich die Darstellung in feinstes klassisches Ballett: eine lange tragische Geschichte um innige Liebe, Verwirrung, hinterhältige Täuschung, Doppelgängerin, Zuneigung und reine Empfindungen. Siegrieds Freund (Tänzer Leonardo Germano) erweist wahre Freundschaft. Die Metapher weißer Schwäne endet nach vielen Wendungen erst im Traum der großen Liebe, zuvor noch auf die Spitze getrieben im Kampf Mann gegen Mann. Erst danach finden Siegfried und Odette endlich zusammen.

Für jedes Ensemblemitglied eine ungeheure Einzelleistung

Die Aufführung mit den fünf Solistinnen und Solisten sowie 18 Tänzerinnen und Tänzern des Ensembles bot eine perfekte Darbietung klassischer Ballettkunst, ein wahres Feuerwerk an harmonischer Bewegung, unglaublicher Leichtigkeit, feinster Grazie, synchronen oder präzise abfolgenden Tanzformen. Für jedes Ensemblemitglied eine ungeheure Einzelleistung, ein Können an Beweglichkeit, Ausdauer und Genauigkeit. Viel Zwischenapplaus – und ganz einfach unglaublich schön.

Klassische Tutu-Kleidung der Tänzerinnen wie auch sportlich-lockeres Outfit der Tänzer. Schlichte freie Bühne, sparsam die Requisiten, faszinierend der blaue Hintergrundhimmel mit vollem Mond – ein Traumbild also. Fast drei Stunden verfliegen dank Begeisterung im Publikum. Stehende Ovationen für einen wunderbaren Abend.