Ausgelassen getanzt und dabei eine gute Zeit verbracht haben die Konfirmanden bei einer Party in der Friesenheimer Kirche. Foto: Bohnert-Seidel

Partymusik und Tanzeinlagen statt Orgelspiel und Predigt: Der erste Konfi-Ball im Gotteshaus in Friesenheim fand regen Zuspruch – es gab aber auch Kritik.

Vor dem Altar platzierte sich DJ Moritz Busam. Traversen sorgten für eine einzigartige Lichtshow und von der Orgelempore hing eine Disco-Kugel, die ihre kleinen Leuchtperlen im Lichterglanz auf dem Fußboden in Formation tanzen ließ. Diakon Hans Benner, der die Jugend in Friesenheim im Mai konfirmierte und Pfarrerin Anna Schimmel aus Neuried haben gemeinsam die große Party in der Kirche organisiert und gestaltet. Natürlich haben die beiden auch Unterstützung sowohl aus dem Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde als auch von Ehrenamtlichen erfahren.

 

Auf die Frage, warum es eigentlich ausgerechnet in der Kirche und nicht im Gemeindesaal oder im Gemeindehaus eine Tanzparty gebe, antwortete Benner schlicht mit der Gegenfrage: „Warum denn nicht in der Kirche?“ Wer die Jugendlichen in der Kirche erlebte, ihren vertrauten und doch sehr respektvollen Umgang im Kirchenraum und im Miteinander, wusste, das ist genau richtig. Benner sagte: „Kirche ist der Ort, wo Menschen zusammenkommen, sich begegnen und Gemeinschaft erlebbar ist.“

Alle 25 Konfirmanden waren bei der Party in der Kirche mit dabei

Noch hätten die Konfirmanden einen innigen Bezug zum Gotteshaus, in dem sie mit viel Freude und auch innerer Aufregung ihre Konfirmation im Kreis vieler anderer Jugendlichen erlebten. Eingeladen waren zum Konfi-Ball auch die Jugendlichen aus den Umlandgemeinden. „Wichtig ist auch die Kirche als anderen Raum zu empfinden. Berührungsängste werden abgelegt und es ist einfach nur ein schöner Moment nochmals nach der Konfirmation zusammenzukommen“, so Benner.

Ein Erlebnis war für die Jugendlichen auch der Tanz von jugendlichen Mitgliedern des Tanzsportclubs Offenburg. So gut wie alle der 25 Konfirmanden aus Friesenheim sind gekommen und haben in ihrem Anzug und Festkleid getanzt. Nur die Konfirmanden-Schuhe haben die meisten gegen bequemere Varianten eingetauscht.

Zu trinken gab es Fruchtsäfte und Cocktails ohne Alkohol. Vor dem Hauptportal war ein roter Teppich ausgebreitet und der Kirchenraum leuchtete im Disco-Glimmer. Bunte Fähnchen hingen im Foyer von der Decke und der Seitenflügel in der Kirche war durch ein dickes schwarzes Tuch getrennt, Stühle waren unsichtbar im hinteren Raum gestapelt.

„Sicher gab es kritische Stimmen aus der Kirchengemeinde“, räumte Benner ein. Aber in der Kirche erfahren die Jugendlichen, die meist 14 Jahre alt sind, eine erste Partyerfahrung in einem geschützten Raum ohne Alkohol. Außerdem sei es ein idealer Zeitpunkt nochmals die stilvolle Kleidung anzuziehen, die sie zur Konfirmation getragen hatten.

Rosemarie Kienzler vom Kirchengemeinderat begrüßt die Veranstaltung

Dass sich die Jugend sehr wohl gefühlt hatte, machte sie selbst gegenüber unserer Zeitung deutlich: Mathilda, Mariella, Clara, Lukas betonten im Chor: „Es macht richtig Spaß und es ist so toll.“ Die Erinnerungen an die Konfirmation wirke nach.

Auch die Kirchengemeinderatsvorsitzende Rosemarie Kienzler kam hinzu. Im Gespräch betonte sie: „Es ist so toll, was heute geschieht. Die Kirche bleibt ein wunderbarer Raum. Gott ist da, ob wir Disco machen oder Predigt halten. Die Jugend trifft sich zur Ehre Gottes, weil sie Konfiball feiern mit anderen Jugendlichen. Wir haben Diakon Hans Benner und das Kreuz ist mittendrin. Niemand liegt auf dem Altar rum. Es ist klasse.“ Die Premiere ist geglückt.

Jugendangebot

Ab der Konfirmandenzeit treffen sich Jugendliche während der Schulzeit zum Jugendkreis. Jugendkreis heißt: sich treffen, essen, spielen und miteinander Zeit verbringen. Oder einfach nur die gemeinsame Zeit planen und dabei zu sein. Diakon Hans Benner leitet in Friesenheim den Jugendkreis, der sich jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr im Gemeindesaal in der Kirche in Friesenheim trifft