Ältere Trillfinger können sich noch gut an die Zeit erinnern, als man mit Edeka Arnold und dem Laden von Franz Gaus gleich zwei Nahversorger im Ort hatte. Diese Zeiten kommen jetzt zumindest ein Stück weit zurück: im März eröffnet im früheren Gasthaus "Hirsch" ein Tante-M-Laden.
Haigerloch-Trillfingen - Als im vergangenen September im Ortschaftsrat erstmals darüber gesprochen wurde, wie man im Dorf eine Nahversorgung etablieren könnte, hat wohl niemand gedacht, dass dieser Traum tatsächlich wahr werden könnte.
Aber das Thema hat ganz schnell Fahrt aufgenommen. Über die Zeitungsartikel nach der Ortschaftsratssitzung kam der Kontakt von Ortsvorsteher Horst Henle zu "Tante M" zu Stande. Dahinter steckt die Chrisma GmbH aus Pliezhausen bei Reutlingen mit Firmengründer Christian Maresch, sie baut seit einiger Zeit erfolgreich Tante-M-Läden im Ländle auf.
Geniales Selbstbedien- und Selbstbezahlkonzept
Deren Konzept ist so einfach wie genial: In geeigneten leer stehenden Gebäuden oder Räumen werden die klassischen alten Dorfläden wiederbelebt. Nur mit dem Unterschied, dass sie wesentlich flexiblere Öffnungszeiten haben und nur selten Personal vor Ort ist. Es funktioniert alles weitgehend im Selbstbedienungs- und Selbstbezahlungssystem.
Und das wird jetzt auch in Trillfingen umgesetzt. Rasch kam man nämlich nicht nur mit "Tante M" ins Gespräch, sondern auch mit der Familie Müller. In deren, mitten im Dorf gelegenem vormaligem Gasthaus "Hirsch" standen nämlich Räume zur Verfügung, die nach dem Rückzug der Sparkasse (von 2008 bis Ende 2016 im "Hirsch") nicht nur in einem baulich sehr gutem Zustand sind, sondern mit rund 100 Quadratmetern Fläche auch eine ideale Größe für ein Nah-Versorgungsgeschäft aufweisen.
Zwischen 1100 und 1200 Artikel des täglichen Bedarfs
Nachdem sich alle Parteien einig wurden, sieht der Fahrplan jetzt wie folgt aus: Zuerst rückt die Firma Wütz Bauelemente von Patrick Wütz aus Geislingen an und entfernt Zwischenwände, so dass aus der vormaligen Bankfiliale mit abgetrennten Besprechungsräumen eine große Ladenfläche werden kann. Auch der Teppich muss raus.
Danach sind Christian und Nadine Wenzler aus Bittelbronn dran. Sie bestücken die Regale mit Waren. Angesichts eines Sortiments von 1100 bis 1200 Artikeln wird das gut zehn Tage in Anspruch nehmen. Die Wenzlers betreiben in Bittelbronn übrigens unter dem Namen "Land & Schmecker" eine zertifizierte Manufaktur, die Gewürze in Bio-Qualität herstellt. Den Tante-M-Laden in Trillfingen werden sie als Franchise-Nehmer betreiben.
Für lokale und regionale Erzeuger eine Vermarktungschance
Das heißt, die beiden werden zwar nicht ständig im Laden sein, sind aber täglich vor Ort, um für konstanten Waren-Nachschub sorgen zu können oder die Sauberkeit zu gewährleisten. Drei mal pro Woche soll es zudem längere Service-Zeiten geben, in denen man Kunden als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
Neben dem Verkauf von Markenprodukten oder Tante-M-Eigenmarken gibt das Ladenkonzept auch kleinen lokalen oder regionalen Erzeugern die Chance, in Tante-M-Läden ihre Produkte anzubieten, damit will man dem immer wichtiger werdenden Thema Nachhaltigkeit gerecht werden. Auf diese Schiene wollen auch die Wenzlers setzen.
An sieben Tagen die Woche von 5 bis 23 Uhr offen
Geöffnet sein soll der Tante-M-Laden in Trillfingen – als Starttermin ist Ende der ersten Märzwoche ins Auge gefasst – künftig täglich von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts; an allen sieben Wochentagen. Nachdem man seine Einkäufe erledigt hat, geht es an die Kasse, wo man bequem mit EC-, Kredit- oder Kundenkarte und sogar bar bezahlen kann.
Dass hier Selbstbedienung möglicherweise im Sinne von sich kostenlos bedienen missverstanden werden könnte, darüber macht sich Jochen Schwab, Leiter der Abteilung Expansion und Franchise, im Tante-M-Zentrum in Bad Urach, keine allzu großen Sorgen. "In diesen Läden wird nicht mehr geklaut als anderswo", so Schwab. Außerdem werde das Geschäft mit mehreren Kameras videoüberwacht.
Für ihn ist es eine tolle Sache, dass es mit Trillfingen geklappt hat. "Es kann doch nicht sein, dass ein Ort mit knapp 1500 Einwohnern keine Nahversorgung hat", betont er. Die Kunden dürften so etwas wie "einen großen Edeka in klein" erwarten.
Bürgermeister und Ortsvorsteher überzeugt vom Konzept
Ortsvorsteher Horst Henle freut sich ebenso, dass es in Trillfingen wieder einen Nahversorger gibt. Henle: "Es ist ein zukunftsträchtiges Konzept, dem ich viel zutraue. Mit ihm kommt ein Stück Leben zurück in die Dorfmitte."
Sogar große Discounter würden mittlerweile solche dorfnahen Versorgungen umsetzen, meint Bürgermeister Heinrich Götz. Für ihn der Beweis dafür, dass es sich um ein Konzept handelt, das funktioniert. Als großes Plus sieht er zudem die Lage an der Durchgangsstraße und die vorhandenen Parkmöglichkeiten.