Und hier ist sie, die Liste mit allen Tannheimer Narrenmüttern der vergangenen 60 Jahre Vereinsgeschichte. Es fehlt lediglich die gerade eben frisch gekürte Marina Müller.
Auf dem abgebildeten lebendigen Dokument zur Zeitgeschichte fällt auf, dass ab 1997 eine neue Narrenmutter-Ära begonnen hat, nachdem Roswitha Blessing nach über 30 Jahren als Narrenmutter-Dasein in die Narrenrente ging.
Dass sich ein Systemwechsel anbahnte, das ahnte ihre direkte Nachfolgerin Ulrike Schleimer damals noch nicht, wie sie sich auf Anfrage erinnerte.
Dann gab es ja noch das Pendant, den Narrenvater. Dieses Amt hatte bis dahin immer jährlich gewechselt. Die Elferräte zogen ihn (seinen Namenszettel) von einem aus ihren Reihen einfach aus dem Hut. Dies änderte sich 1998.
Tannheimer Roulette
Zunftmeister Wilfried Merz gab den Elferräten auf der Jahreshauptversammlung eine Runde Hochprozentigen aus. Kein Genuss kam bei Elferrat Karl Baumgärtner auf. Er beschwerte sich lautstark, dass er nur „Wasser“ abbekommen hatte. „Du bist der neue Narrevatter“, erklärte Zunftmeister Merz bestimmt. Von da an wird in Tannheim der Narrenvatter bei der Jahreshauptversammlung der Osemali mittels „Tannheimer Roulette“ ermittelt.
Rund um die „Scheesä
So wie dieser Begriff schnell zu einem geflügelten Wort wurde, war es auch mit dem Wort „Scheesä“. So wurde die neue Narrenmutter Ulrike Schleimer seinerzeit bezeichnet und hatte für diese Fasnetsbezeichnung schmunzelnd nicht unbedingt etwas dagegen. Also, der Begriff Scheesä trifft (un)eigentlich in Tannheim nur auf eine Personengruppe zu, nämlich auf die „Tannemer Narrenmüetter“: E Scheesä schiebt man und e Scheesä isch man.
Die Besonderheiten
Sonstige Auffälligkeiten auf der T-Shirt-Liste: Der gleiche Name als Narrenvater kommt mehrmals vor. Klar, Elferrat ist man meistens über eine längere Zeit und jährlich kann einem das Wasserglas zulächeln. Der Name einer Narrenmutter taucht zweimal auf. Geht eigentlich nicht. Narrenmutter ist man nur einmal im Leben.
Als Christian King 2017 kurzfristig für den etatmäßigen Narrenvater in die Bresche sprang, rückte er die Ähnlichkeiten mit seiner Ex-Schesä von gleich zurecht. Die habe zwar auch Anja geheißen und sei im Ortschaftsrat gewesen, mit Nachnamen aber Zimmermann geheißen. Die „Neue“ sei jetzt eben die Ortsvorsteherin von Tannheim und die heiße nun mal Keller.
Des Weiteren fällt auf: Das Narrenpaar von 2020 musste seinen Job kommissarisch weitere Jahre ausüben, um ob der Corona-Zeit eine Sedisvakanz zu verhindern. Zum Elfjährigen legten sich die „Scheesen“ ein gemeinsames T-Shirt zu, um ihre Geschlossenheit nach Außen zu demonstrieren. Damals war noch genug Platz darauf, um jedes Gesicht als Medaillon abzubilden.
Auf einem Archivfoto vom 13. Januar 2010 stellten sich zum 13-Jährigen elf Ex mit der Amtierenden zum Erinnerungsfoto. Alle bekommt man eben nie zu einem Termin. Ab dann musste eine Liste auf dem T-Shirt herhalten, die jedes Jahr ergänzt wurde.
Auf 28 Namen (einschließlich Roswitha Blessing) ist die Zahl angewachsen, ohne die derzeitig amtierende Narrenmutter. Und alle können noch „uff d’ Fasnet gau“, wenn sie wollen. Alle Scheesä sind ja miteinander whatsup-mäßig miteinander vernetzt. Das wäre doch ein Narrentreffen wert.