Sven Pflumm aus Thanheim betreibt mit seiner Frau 16 Tankstellen in drei Bundesländern, die zusammen mehr als 60 Millionen Liter Kraftstoff abgeben. Dennoch: Wegen Benzin und Diesel steuert nur noch die Hälfte der Autofahrer Tankstellen an.
Sven Pflumm aus Thanheim hat das Benzin im Blut: Als kleiner Junge nahm er auf dem Barhocker stehend Wechselgeld in der Tankstelle der Eltern entgegen, heute betreibt er mit seiner Frau 16 Tankstellen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Von Superbenzin bis Diesel: 64 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr fließen von seinen Zapfsäulen in die Tanks der Autos, „das ist eine Hausnummer“, sagt Pflumm – dennoch ist es nicht der Kern des Geschäfts.
Er rechnet vor: Pro Liter Kraftstoff bleiben bei der Tankstelle etwa 1,1 Cent hängen, und das unabhängig vom Benzinpreis. So sind die Vorgaben der Mineralölkonzerne und deshalb konzentriert sich das Geschäft auf alles, was sonst in der Tankstelle angeboten wird. Wer Pflumms Shell-Tankstelle an der Tübinger Straße direkt an der B27 in Balingen betritt, sieht neben Zeitschriften und Zeitungen auch große Kuschelbären aus Stoff.
Nur die Hälfte kommt zum Tanken vorbei
Mit Abstand am beliebtesten jedoch sind Kaffee, Autowäsche, Backshops, Lotto und der Hermes-Paketshop. Nur gut die Hälfte der Kunden komme noch zum Tanken an die Tankstelle. Der Kraftstoff ist vor allem zum reinen Frequenzbringer geworden. Auch beim Vor-Ort-Termin in der Balinger kann man beobachten, wie zahlreiche Kunden den Kaffee mitnehmen oder Pakete zurückbringen. Für viele Kunden scheint attraktiv, direkt vor dem Eingang einen Parkplatz zu haben, reinzugehen, um dort ein Sortiment vorzufinden, bei dem man zugreifen könnte.
„Die Tankstelle gehörte zum Alltag“
Die Balinger Station gehört bereits zur Familie Pflumm, als die B 27 noch nur eine Fahrbahn hatte. Sven Pflumm: „Ich war eigentlich immer von Autos umgeben.“ Die Tankstelle war einfach immer da, sie gehörte zum Alltag.
Seine Leidenschaft für Computer brachten ihn zunächst in den Beruf des Key-Account-Managers. Anfang der 2000er-Jahre begann das Mineralölunternehmen Shell, das Tankstellennetz in Deutschland zu erweitern und Pflumm ergriff die Chance, schließlich war er nie so richtig raus aus dem Geschäft, auch während Ausbildung und Beruf.
Auch seine Frau kommt aus dem Tankstellengeschäft
Seit 2014 ist er selbstständig, 2013 lernte er seine Frau kennen, die aus dem gleichen Geschäft kommt: Sie brachte weitere drei Tankstellen ein. Sie übernimmt das Buchhalterische, er das Operative. Inzwischen beschäftigen die beiden Unternehmer aus Bisingen zwischen Fulda und Bodensee, Bad Saulgau und Freiburg mehr als 240 Mitarbeiter an 16 Tankstellen. Pflumm: „Wir haben unfassbar viel Spaß an unserem Job und die Herausforderung ist das, was uns reizt.“
Preise müssen marktgerecht sein
Das Konzept scheint zwar zu funktionieren, doch kann man mit Kaffee, Hermes und ein bisschen Gebäck den Laden am Laufen halten? „Ja“, sagt Pflumm, denn jede Tankstelle zählt tagtäglich durchschnittlich 750 Kunden – das sind Hunderttausende Menschen jeden Monat und am Ende macht es die Menge. Mit Blick auf die Preise sagt Pflumm: „Wir müssen auch marktgerechte Preise machen. Wir können es uns nicht leisten, astronomische Preise zu verlangen.“
Was die Zukunft anbetrifft: Mit 16 Tankstellen sei eine gesunde Größe erreicht, doch anders als Laien es vermuten könnten, erschöpft sich das Thema nicht im Kaffee-Kaufen und Tanken. Pflumm bietet eine Beratung für andere Tankstellenbetreiber an, dabei geht es um’s papierlose Büro und digitale Lösungen für Tankstellenbetreiber.