Im nächsten Monat wird das Tanken noch einmal erheblich verteuert, weil die Steuerermäßigung entfällt. Foto: mago/Wolfgang Maria Weber

Zum 1. September entfällt der Tankrabatt – dann könnte es rasch neue historische Höchststände an den Zapfsäulen geben. Die Autofahrer sollten dies schon jetzt einkalkulieren.

Aller Kritik an den Mineralölkonzernen zum Trotz hat der zum 1. Juli eingeführte Tankrabatt letztlich für etwas Entlastung der Autofahrer gesorgt. Seit Anfang Juni sind die Preise zumindest bei Super E10 fast kontinuierlich auf durchschnittlich um die 1,70 Euro pro Liter gesunken. Der Dieselpreis wiederum ist zuletzt wieder auf klar mehr als 1,90 Euro geklettert.

 

Allerdings sind es nur noch wenige Tage bis zur großen Empörung an den Zapfsäulen: Vom 1. September an wird die Energiesteuer statt derzeit 36 Cent wieder rund 65 Cent je Liter Benzin und statt 33 Cent wieder 47 Cent je Liter Diesel betragen – hinzu kommt die jeweilige Mehrwertsteuer. Dann müssen die Tankstellenbetreiber beim Kraftstoffeinkauf wieder die reguläre Steuer abführen. Infolge des Preissprungs geraten dann neue historische Höchstpreise in Sicht.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (En2x) rechnet damit, dass die Autofahrer schon in den nächsten Tagen verstärkt tanken wollen, so dass vom 1. September an nicht mehr viel steuervergünstigtes Benzin und Diesel im Angebot sein werden, wie es heißt. Deshalb rät der Verband, nicht erst bei fast leerem Tank nachzufüllen, sondern vorher nachzufüllen – auch um Warteschlangen Ende August zu vermeiden.

Preise schon im Mai hochgeschaukelt?

Die Mineralölgesellschaften stehen im Verruf, die Preise schon bis Ende Mai nach oben geschaukelt zu haben und so die Absenkung der Energiesteuer zum 1. Juni nur unzureichend an den Verbraucher weitergegeben zu haben. Der Streit darüber hat sich etwas beruhigt. Zuletzt ist der Preis gerade bei Super E10 fast stetig gefallen – über die Gründe lässt sich wegen der intransparenten Preispolitik der Konzerne nur spekulieren.

Der Verband verweist auf die Entwicklung der Großhandelspreise. Doch kann der öffentliche Druck ebenso Einfluss gehabt haben wie die Untersuchungen der Preise durch das Bundeskartellamt. Auch der anhaltende politische Ruf nach einer Übergewinnsteuer mag eine mäßigende Funktion auf die Konzerne haben, die dieses Jahr milliardenschwere Rekordgewinne einfahren.

Vor allem aber wird der Rohölpreis wegen trüber Konjunkturaussichten nach unten gedrückt, so dass ein Fass der leichten US-Sorte WTI nun bei gut 90 Dollar (gut 90 Euro) liegt und das Fass der Sorte Brent bei über 96 Euro. Dies nimmt der Automobilclub ADAC zum Anlass für die Kritik, dass der Sprit gemessen am Rohölpreis und am Euro/Dollar-Wechselkurs nach wie vor zu teuer sei. Auch nach Ansicht von Wirtschaftsforschern – etwa vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) – geben die Raffinerien den niedrigeren Ölpreis nicht komplett an Autofahrer weiter.

„Großes Potenzial für Preissenkungen“

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) – der bundesweit tausend Pächter der großen Ketten wie Aral, Shell und Total vertritt – stimmt zu: Das Potenzial für Preissenkungen sei noch immer zu groß, sagte der Verbandssprecher Herbert W. Rabl unserer Zeitung. Doch sei der Ölpreis stärker gefallen als von ihm erwartet. Deshalb täten sich die Mineralölgesellschaften nun schwer, „bei Super E10 mit Preisen über 1,80 Euro um die Ecke zu kommen“.

Noch unklar ist, ob nach den jüngsten Regenfällen etwas Entspannung an einer anderen Front aufkommt. Denn wenn das Niedrigwasser im Rhein anhält und die Tankschiffe weiterhin mit einer nur geringen Ladungskapazität fahren können, dürfte sich der Preisschock am 1. September noch verschärfen. Das weckt Erinnerungen an 2018, als das Bundeswirtschaftsministerium in einer ähnlichen Situation den Zugriff auf Treibstoff aus der Erdölreserve Deutschlands erlaubte. Sollte die Schifffahrt wegen weiterer Trockenheit wieder zum Erliegen kommen, könnte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) diesen Schritt in der aktuellen Lage womöglich verweigern. „Dann hätten wir explodierende Preise und möglicherweise den einen oder anderen Engpass“, sagt Rabl.

Tankstellenpächter verlangen eine höhere Provision

Der Konflikt um den Tankrabatt hat auch das angespannte Verhältnis von Mineralölgesellschaften und Tankstellenpächtern belastet. Nun droht ein weiterer Brandherd, denn der Pächter wird von seiner Gesellschaft mit strikten Verträgen gebunden. Im Prinzip erzielt er Herbert W. Rabl zufolge 20 Prozent seines Umsatzes mit der Provision vom verkauften Sprit – unabhängig von dessen Preis. Im Schnitt sei dies ein Cent je verkauftem Liter. 60 Prozent würden mit den Verkäufen im Tankstellenshop erzielt und weitere 20 Prozent mit Serviceleistungen.

Nun müssten die Tankstellenbetreiber 80 bis 90 Prozent ihrer Stromkosten dafür aufbringen, dass der Sprit aus dem Erdtank in die Zapfsäule hochgepumpt wird. Dies führt zur Verdopplung oder gar Verdreifachung der Kosten – weshalb die Pächter eine Besserstellung bei der Provision verlangen, weil sie die Energiekosten nicht mehr aus eigener Tasche auffangen können. Bisher findet der Streit noch hinter verschlossenen Türen statt. „Doch diese Konfrontation kommt auf alle großen Mineralölgesellschaften zu“, sagt der TIV-Sprecher Rabl voraus.