Mit dem Angriff auf den Iran steigen die Spritpreise. Das setzt nicht nur Autofahrer unter Druck. Foto: Marcus Brandt/dpa

Der Iran-Konflikt zeigt spürbare Folgen bis in den Kreis Lörrach hinein. Innerhalb weniger Tage sind die Kraftstoffpreise in die Höhe geklettert.

Wie ein Fieberthermometer verhalten sich die Spritpreise nach dem Ausbruch des Iran-Konflikts. Die Preise kennen nur eine Richtung: nach oben. Der Konflikt sorgt für die höchsten Preise seit Jahren.

 

Schon am Montag war der Spritpreis kräftig angestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt war Super E10 mit 1,83 Euro pro Liter um 6,1 Cent teurer als am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation im Nahen Osten. Das war der höchste Wert seit Mai 2024. Diesel verteuerte sich um sieben Cent auf 1,81 Euro, den höchsten Wert seit Oktober 2023.

Die Folge: Wer kann, fährt ins nahe Elsass, um dank unterschiedlicher Abgaben und Marktbedingungen von einem günstigeren Preis zu profitieren. Aber auch an hiesigen Zapfsäulen wird gehamstert, wie Christian Riedel, Inhaber von Auto-Service-Bund in Lörrach, im Gespräch mit unserer Zeitung darlegt.

Sinkende Einnahmen

Am Dienstagnachmittag kostete ein Liter Super bereits 2,01 Euro, auch Diesel hatte die Zwei-Euro-Marke erreicht. Noch werde gebunkert, mit weiter steigenden Preisen finde das bei den Autofahrern aber ein Ende, weiß Riedel. „Nur noch diejenigen, die keine Alternative haben, fahren dann mit dem Auto.“

Für ihn ist auch klar: Dreht sich die Preisspirale weiter, ist mit sinkenden Einnahmen zu rechnen. „Wir müssen aber eine gewisse Mindestmenge umsetzen, andernfalls ist der Betrieb nicht mehr tragfähig“, zeichnet er eine angespannte Lage. Und das habe drastische Folgen: „Dann müssen wir Personal einsparen, schlimmstenfalls die Tankstelle schließen.“ Zum Glück umfasse sein Unternehmen noch eine Kfz-Werkstatt samt Autowaschanlage, so Riedel. „Wir haben die Hoffnung, dass sich die Lage wieder reguliert“, sagt er abschließend.

Weitere Eskalation

Die Zeichen stehen aber auf Eskalation. Denn: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels, ist nach Angaben der iranischen Revolutionsgarde gesperrt. Man werde jedes Schiff unter Beschuss nehmen, hieß es seitens Irans. Analysten rechnen vor dem Hintergrund einer Ausweitung des Konflikts mit einem weiteren Ölpreisanstieg um bis zu 100 Dollar und mehr. Mit Sorge betrachtet auch die Taxibranche den Konflikt im Iran und die steigenden Spritpreise. „Wir können die Taxen nicht einfach stehen lassen, es besteht schließlich eine Beförderungspflicht“, erklärt Onur Gürsönmez, Vorsitzender des Taxiverbands Baden-Württemberg, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich hoffe, dass die Preise bald wieder sinken werden“, verweist er auf ein hart umkämpftes Geschäft sowie auf Personal-, Versicherungs- und Inspektionskosten. „Sollten die Preise weiter anziehen und zeitnah nicht wieder fallen, werden sich wohl viele Unternehmer überlegen, ob eine Aufrechterhaltung des Betriebs noch Sinn macht.“ Die Lage sei jetzt schon sehr angespannt.

Der aktuelle Anstieg der Spritpreise ist zwar deutlich, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht ohne Vergleich. Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte sich Diesel innerhalb von zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert. E10 stieg damals um rund 50 Cent. Auch bei den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im vergangenen Juni hatte sich Sprit deutlich verteuert, Diesel stieg damals um rund zehn Cent.

Große Sorge

Und was sagen die Autofahrer? „Ich schaue mit großer Sorge auf die Lage im Iran“, sagt Michael Weber. Der Benzinpreis werde mit Sicherheit weiter steigen, befürchtet der Lörracher. Zum Glück brauche er das Auto nicht so oft, für Fahrten zur Arbeit nutze er die Regio-S-Bahn. „Den halbleeren Tank fülle ich aber trotzdem,“ fügt Weber an, während er zum Zapfhahn greift. „Man ist ja doch aufs Auto angewiesen.“

Dass sein Auto sparsam sei, lässt Michele Sabathino noch entspannt auf die sich immer schneller drehende Preisspirale blicken. „Ich fahre nicht so oft, und zur Not habe ich noch einen Roller. Dann lasse ich das Auto einfach stehen.“ Relativ unbeeindruckt zeigt sich auch Ruth Beyer aus Tannenkirch. Das Auf und Ab der Preise sei nicht außergewöhnlich. Mit Konflikten im Nahen Osten komme es immer wieder zu Preissprüngen.